Copy kills Movie - Die Filmpiraten kommen

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George Michael Poster

Ob im Schulhof, auf Parkanlagen oder in Bürogängen - es gibt momentan fast keinen Platz, an dem nicht illegale Raubkopien jeglicher Art gehandelt oder getauscht werden. Was viele als Kavaliersdelikt empfinden, kann eine ganze Industrie ins Wanken bringen.

Bedroht von Filmpiraten: Erkan & Stefan

Nanu?! „Panic Room„, „A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn“ und „Erkan & Stefan und die Mächte der Finsternis“ vor dem offiziellen Filmstart schon auf Video und DVD?

Ja, Sie haben richtig gelesen. Das Ganze ist kein Märchen sondern bittere Realität für die Kinobranche. Skrupellose Softwarepiraten überschwemmen den Markt mit Raubkopien aller Art.

Die Auswirkungen sind schon jetzt Besorgnis erregend. Steht der Filmbranche das gleiche Schicksal bevor wie den Kollegen der Musikszene? Wenn ja, dann sieht die Zukunft wirklich nicht rosig aus. Wie war das gleich wieder mit den Majorlabels der Musikindustrie? Die blicken mit einem weinenden Auge einige Jahre zurück.

Damals war noch alles im Lot. Satte Plattenverkäufe bescherten den Musikmajors WEA, BMG, Universal, Sony und Co. Traumgewinne. Heutzutage ist die Euphorie Katzenjammer gewichen. Einstige Umsatzgaranten wie George Michael oder Michael Jackson bleiben weit hinter den Erwartungen zurück.

Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Phonoverbände

Freibrief für die Piraten

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Der Grund dafür ist schnell gefunden: Illegale Internetplattformen, ganz legale CD-Brenner und ein längst veraltetes Gesetz vermiesen den Plattenbossen das Geschäft.

„Paradoxerweise zeigt das massenhafte Kopieren gerade, wie attraktiv und nachgefragt Musik heutzutage ist. Deswegen erwarten wir noch in diesem Jahr eine Novellierung des Urheberrechtsgesetzes, die die Umgehung von Kopierschutzsystemen untersagt. Dann werden wir unsere Produkte wirksam gegen Kopieren schützen können. Das Grundprinzip muss sein, das Schützbare zu schützen und das Nichtschützbare zu vergüten“, so der Vorsitzende der Phonoverbände, Gerd Gebhardt, zur aktuellen Situation.

Dem Manager und seinen Kollegen liegt vor allem Paragraph 53 des deutschen Urheberrechtsgesetzes (UrhG) aus dem Jahre 1965 schwer im Magen. Das erlaubt die Herstellung von Kopien für den privaten Gebrauch.

Verwirrende Rechtslage - Raubkopien auch von"A Beautiful Mind"

Veraltete Gesetze

Damals und bis in die späte Musikkassettenära hinein sicherlich eine sinnvolle Regelung. Die analogen Speichermedien Kassette und Tonband waren sehr anfällig gegenüber Magnetfeldern, Feuchtigkeit usw. Beim Ziehen einer Kopie musste der Anwender jedoch einen Qualitätsverlust in Kauf nehmen.

Im digitalen Zeitalter sind diese Proble aus der Welt geschafft. Der Ruf der Branche wird lauter, die Gesetze den neuen Gegebenheiten anzupassen und enger zu fassen.

Doch die Bundesregierung scheint auf diesem Ohr schwerhörig zu sein. Wie sonst ist die Tatsache zu erklären, dass ein Gesetz in Planung ist, das die seit 1965 bestehende Kopierfreiheit vom analogen auf den digitalen Sektor ausdehnen soll?

Im Klartext bedeutet das: Narrenfreiheit für alle Softwarepiraten und weitere herbe Einbußen der Ton- und Bildträgerindustrie. Es ist zwar ein Referentenentwurf in Arbeit, der das Umgehen des Kopierschutzes und die Anleitung dazu verbietet. Zufrieden sein können die Plattenbosse trotzdem nicht.

Düstere Aussichten auch für Popstar George Michael

Flächenbrand

Die Situation spitzt sich seit Jahren bedrohlich zu. Das belegen die aktuellen Umsatzzahlen 2001 der Phonoindustrie. Danach sank der Umsatz um satte 10,2 Prozent von 2,49 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 2,24 Milliarden Euro im letzten Jahr. Parallel dazu ging auch die CD-Absatzmenge um 8,4 Prozent auf 244,1 Millionen Tonträger zurück.

Der Rückgang lässt sich leicht erklären: 17,1 Millionen Personen haben im letzten Jahr 182 Millionen Rohlinge mit Musik bespielt. Fast die Hälfte davon waren Kopien für nicht im Haushalt lebende Personen. Fast 20 Prozent der Musikbrenner geben zu, weniger Musik-CDs zu kaufen

Die Aussichten? Sind jetzt gerade mal ein Fünftel der deutschen Haushalte mit einem CD-Brenner ausgestattet, so werden es bis 2005 fast die Hälfte aller Bundesbürger sein (Quelle: Studie über Vervielfältigung von Musik 2001, Gesellschaft für Konsumforschung GFK).

Rechtsexperte Poll: Kein Recht auf Privatkopie bei Computerspielen

Immer mehr Arbeitslose

Dramatisch wurde die Situation durch den Siegeszug des Internets. In der Anonymität des World Wide Web haben 4,9 Millionen Menschen 492 Millionen Songs von fast ausschließlich illegalen Angeboten aus dem Netz gesaugt. Das entspräche einem Umsatz von 740 Millionen Euro! In der Summe belaufen sich die Lizenzausfälle im Musikgeschäft gar auf stolze 3,5 Milliarden Euro (Quelle: Studie über Vervielfältigung von Musik 2001, Gesellschaft für Konsumforschung GFK)!

Wen wundert da Gerd Gebhardts Aussage, dass „die illegalen Aktivitäten der Konsumenten die Existenz der Musikwirtschaft bedrohen“?! Verbandsgeschäftsführer Peter Zombik legt noch nach: „Von rund 13.500 Angestellten im Kernbereich des Tonträgergeschäfts verloren im Jahr 2001 zwischen 800 und 1000 ihren Job.“

Düster, düster, was sich da über der Republik zusammenbraut. Solange der Gesetzgeber nicht reagiert, wird sich daran auch nichts ändern. Da helfen auch die immer wieder neu entwickelten Kopierschutzmaßnahmen nichts. Kaum angewendet, sind diese schon wieder geknackt.

Schneller kopiert, als man schauen kann - Bei "Rollerball" dumm gelaufen

Copy Games

Der Industrie graben sich beim Gedanken an Softwarepiraterie tiefe Sorgenfalten in die Stirn. In der Spielebranche sieht das Szenario ähnlich finster aus. Seit der Brennereinführung sind auch dort die Umsätze drastisch eingebrochen. Nichts ist einfacher, als ein PC- oder Konsolentopspiel am Heimcomputer zu kopieren oder sich die neuesten Games aus dem Internet zu ziehen.

Dabei ist hier die Gesetzgebung klarer als im Audiobereich. Denn Computer- und Videospiele werden vom Urheberrecht als Computerprogramme behandelt, die zu den nach § 2 UrhG geschützten „Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst“ gehören. Deswegen sind sie vor unerlaubtem Kopieren geschützt.

Urheberrechtsexperte Dr. Günter Poll warnt: „Da der Softwareschutz dem allgemeinen Schutz von Computerspielen als audiovisuellen Werken vorgeht, scheidet das Berufen auf das ‚Recht auf Privatkopie‘ von vornherein aus. Die Notwendigkeit einer Sicherungskopie ist praktisch nie gegeben. Laut Paragraph 106 UrhG kann derjenige, der in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ein Werk ohne Einwilligung des Rechteinhabers vervielfältigt, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden!“

Ende der Piraterie! Jack Valentii, Präsident der Motion Picture Association of America

Schwedische Gardinen für alle?

Wen juckt das schon?! Es wird weiterhin gebrannt, was der Brenner hergibt. Würden unsere Ordnungshüter dem Treiben genauer nachgehen, wären wahrscheinlich 80 Prozent der Bundesbürger reif für den Knast. Wieder ist die Bundesregierung gefordert, in Sachen Gesetzgebung schnell zu handeln.

Das fordert auch die Filmindustrie. Für die Herren Filmemacher ist eine sachgerechte Umsetzung von existenzieller Bedeutung.

Einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die Herstellung eines Films in Deutschland bei drei bis vier Millionen Euro liegt und in den USA durchschnittlich bei 50 Millionen Dollar - Tendenz steigend! Auch die Auswertung und das Abspiel in den Filmtheatern sind extrem teuer geworden.

Harry Potter - die Aussichten sindziemlich erschreckend

Mit dem Camcorder ins Kino

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass im Unterschied zur Musik die Rechte zur Filmauswertung territorial und zeitlich gestaffelt vergeben werden. So landet ein Werk erst im Kino, dann im Leihvideobereich, danach als Kaufvideo in den Läden, dann geht’s ins Pay-TV und zu guter Letzt ins Free-TV.

Durch Einführung digitaler Technologien ist dieses komplette Instrumentarium gefährdet. Filmpiraten machen sich beispielsweise mit digitalen Camcordern in Kinosälen breit und nehmen fleißig auf. Oder sie reißen sich auf welchem Weg auch immer Presseexemplare unter den Nagel. Über Flohmärkte, Freunde und das Internet wird die Kopie in Windeseile vervielfältigt bzw. verkauft. Kaum im Kino angelaufene Blockbuster wie „A Beautiful Mind“, „Rollerball“ oder „Harry Potter und der Stein der Weisen“ sind wenige Tage später schon auf DVD, Video und CD-ROM als Raubkopie in Umlauf.

Wer möchte da noch ins Kino gehen, wenn er/sie die neuesten Tophits gemütlich vom Wohnzimmersessel aus bewundern kann?!

IVD-Pressesprecher Ulrich Mahne

300.000 Filme täglich

Die Besorgnis erregende Entwicklung hat auch Hollywood alarmiert. Die Filmstudios dürfen jährlich drei Milliarden Dollar Einnahmeausfälle durch die Piraterie beklagen.

„Nach Schätzungen wird rund 300.000 Mal pro Tag illegal Filme über das Internet heruntergeladen. Aber die World Intellectuell Property Organization hat gerade neue Regeln zum Schutz des geistigen Eigentums verabschiedet, die international gelten. Wir arbeiten intensiv mit Hard- und Softwareherstellern zusammen, um Standards für eine sichere Verschlüsselung zu entwickeln“, so Jack Valenti, Präsident der Motion Picture Association of America.

Die Amerikaner wollen hart durchgreifen und Urheberrechtsverletzungen konsequent vor Gericht bringen, Online-Ranger zum Aufspüren von illegalen Quellen einsetzen und einen verbindlichen Sicherheitsstandard für alle Geräte entwickeln.

Heimlich schon vor dem Kinostart kopiert: "Panic Room"

Schneller als die Polizei erlaubt

Welche Ausmaße das ganze Treiben bereits in Deutschland angenommen hat, schildert der Pressesprecher des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels (IVD) Ulrich Mahne so: „Aktuell gibt es wohl kaum einen Toptitel, der nicht auf V-CD, DVD oder auch VHS zu bekommen ist. ‚Panic Room‘ und ‚Erkan & Stefan 2‘ sind sogar vor dem offiziellen Kinostart im Umlauf! Bei ‚Asterix & Obelix‚ und ‚Rush Hour‚ ist es so, dass einige Kunden sich den ersten Teil ausleihen und den zweiten gleich danach gucken. Ich werde mein Einkaufsvolumen bei bestimmten Titeln auf jeden Fall anpassen, denn wer braucht schon teure Titel wie ‚Ghosts of Mars‚, wenn ein Teil der Kunden sie schon gesehen hat?!“

"Asterix" zu Hause gleichim Doppelpack

Tod der Videotheken

Also sind davon nicht nur Filmtheater betroffen, sondern auch Videothekenbesitzer und der Fachhandel.

Kunden vermeiden Videothekenbesuche und stellen Kaufentscheidungen in Frage, weil sie den Film lange vor Verleih- und Verkaufsstart bei Internet-angeboten wie Morpheus, iMesh oder eDonkey herunterladen.

„Kunden sagen mir ganz offen, dass sie künftig weniger oft kommen werden, weil sie die Filme vor Verleihstart von Freunden erhalten“, berichtet Videothekar Joachim Schulze aus Berlin.

Gefahr unterschätzt? Andrea Janzen, Marketingdirektorin der 20th Century Fox

Straftat nach Anleitung

Das Kompressionsverfahrens DivX ist mit Schuld daran. Das Programm ermöglicht es, zwei Stunden Kinofilm auf einen Rohling zu quetschen. VHS-Niveau und höhere Bildauflösungen erreichen diese Kopien mühelos.

Eine Teilschuld trifft auch Computer- und Videozeitschriften, die in ihren Ausgaben auflagensteigernde Tipps zur Umgehung des Kopierschutzes veröffentlichen. Selbst die Telekom sprang auf diesen Zug auf und stellte auf ihrer T-Online-Homepage kostenlos die Raubkopiensoftware „DVD Movie Jack“ zum Download zur Verfügung.

Wen wundert es da noch, dass in der Bevölkerung nicht einmal im Ansatz ein Unrechtsbewusstsein vorhanden ist?! Nicht alle Vertreter der Industrie sehen die Lage so ernst.

Das Ausmaß des Schadens ist kaum zu überblicken

Realitätsverlust?

So meint der stellvertretende Geschäftsführer des Bundesverbands Video, Oliver Trittin: „Wegen der technischen Unzulänglichkeiten halte ich die Gefahr noch nicht für akut. Bei den Videoanbietern ist das Bewusstsein vorhanden, dass es ein Problem werden könnte.“

Andrea Janzen, Marketingdirektorin bei der 20th Century Fox in Frankfurt, schliesst sich dieser Meinung an: „Die Gefahr eines Napster-Effekts für die Filmindustrie ist eine langfristige. Die Technologie ist noch lange nicht so weit. Außerdem gehe ich davon aus, dass unsere Industrie aus den Erfahrungen der Musikindustrie lernt und entsprechende Gegenmaßnahmen entwickeln wird.“

Das klingt doch für alle Videothekare wie eine Watschn voll ins Gesicht. Einer von ihnen meldete sich ebenfalls zu Wort: „Ich glaube nicht, dass der Verleih stark darunter leiden wird. Mehr in Gefahr sind die Kinos. Bei einem Eintrittsgeld von neun Euro pro Person ist Kino für viele Luxus geworden“, findet Hans Gössling, Geschäftsführer Video-Center Saar.

Franz Woodtli, Managing Director Video Highlight Communications

Napster-Effekt bei Filmen

Ganz anderer Meinung ist da Franz Woodtli, Managing Director Video der Highlight Communications AG: „Die Verbreitung von Spielfilmen übers Internet wird schon bald zu einer zentralen Problematik werden, ähnlich wie MP3 im Musikbereich.“

Jetzt ist schnelles Handeln gefragt, will die gesamte Branche einen Supergau verhindern. Ein erster Schritt sollte die Änderung des veralteten Urheberrechtsgesetzes sein. Es muss gesetzlich eindeutig geregelt sein, die massenhafte Vervielfältigung im privaten Bereich zu verhindern und unter Strafe zu stellen.

Gleiches muss für die Internetpiraterie gelten. Die Industrie muss einen wirksamen Kopierschutz entwickeln, falls das überhaupt möglich ist. Die Strafverfolgungsbehörden müssen für das Thema sensibilisiert und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) mit mehr Mitteln und Personal ausgestattet werden.

Joachim Tielke,Chef der GVU

Die Zeit drängt

Liegen Hinweise vor, dass jemand Raubkopien verbreitet, soll die GVU darüber informiert werden. Aufklärungskampagnen sollen dem Kunden bewusst machen, welche weit reichenden Folgen (Schließungen, Entlassungen, persönliche Haft) sein Handeln haben könnte. Joachim Tielke, Chef der GVU, fordert zu Recht mehr Koordination unter den einzelnen Behörden.

Zu guter Letzt sollten die Regierungen bekannter Piratenhochburgen in Asien, wie China oder Vietnam, und in den Ostblockstaaten (Polen, GUS-Staaten) gezwungen werden, Verstöße konsequenter zu verfolgen und zu ahnden.

Den schwarzen Peter nur den Herstellern von CD-Brennern unterzuzschieben, ist zu wenig. Eine Abgabenforderung pro verkauftem Gerät wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein und sicherlich nicht die Lösung.

Ihr Verantwortlichen in aller Welt: Wacht endlich auf, sonst habt ihr bald keinen Arbeitsplatz mehr und wir keine Unterhaltungsindustrie im heutigen Sinne!

Oliver Bosch

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