"Solaris" therapierte Soderbergh

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Die Amerikaner fanden ihn „zu europäisch“, auf der Berlinale fand man ihn „zu amerikanisch“. Für Regisseur Soderbergh war „Solaris“ trotzdem ein persönlicher Meilenstein.

Keinem kann man's recht machen…

Hätte sich irgendein Greenhorn an einen Klassiker wie Stanislaw Lems „Solaris“ gewagt, den Andrej Tarkowskij dazu 1972 noch kongenial verfilmte, wäre ein riesiger Aufschrei vom Olymp der internationalen Filmkritik erschallt. Doch da sich mit Steven Soderbergh Hollywoods Lieblingskind der Stunde des Stoffes annahm, zog man nur interessiert die Augenbrauen hoch.

Ein Jahr später: Der exzellente Film floppt in den USA, zu dramatisch, zu episch, zu - europäisch. So heißt es jedenfalls in dem Land, in dem Science Fiction ohne fiese Aliens, atemberaubende Action oder wenigstens Mutanten nicht mehr vorstellbar scheint.

Weitere drei Monate später: Steven Soderbergh wird in Europa, genauer gesagt auf der Berlinale, mit Fragen bombardiert, warum er die philosophische, existenzialistische, ja, politische Dimension ausgespart habe, einen Liebesfilm amerikanischer Bauart gemacht habe.

Soderbergh lächelt in sich hinein und sagt ruhig: „Weil es das war, was mich an dem Stoff am meisten interessiert hat. Liebe, Erinnerung, eine zweite Chance.“

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9 Stars, die für einen Film ihre Gesundheit für immer ruinierten

Und obwohl diese Interpretation von Lems Vorlage in sich stimmig ist und das Regie-Ass seine Sicht von „Solaris“ meisterhaft in Szene gesetzt hat, gibt es auch einen ganz persönlichen Grund für seine menschliche Interpretation des Stoffes:

„Einen Film zu machen, ist oft eine Art, wie man persönliche Erfahrungen verarbeitet. Mein Vater starb 1988. Durch ‚Solaris‚ habe ich mich mit diesem sehr schmerzvollen und verwirrenden Erlebnis auseinandergesetzt.“

In Berlin freute man sich zumindest über die Präsenz von Superstar George Clooney. Und überlegte gar, ob man angesichts solch geballter Promi-Power Herrn Soderbergh seine oberflächliche Cover-Version nicht doch verzeihen könne.

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