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Mr. Fox und das fehlende Gebiss

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© Fox

Es kann kein Zufall sein: Die letzte Oktoberwoche, in der die Hofer Filmtage auch in diesem Jahr traditionell stattfanden, zeigt sich ähnlich abwechslungsreich wie die Filmauswahl. Strahlend blauer Himmel und frostige Minusgrade passen zum Kontrastprogramm, das es auch dieses Jahr auf den insgesamt acht Leinwänden zu bewundern gab.

Wes Andersons kunstvolle Märchen-Animation "Der fantastische Mr. Fox" war ein Highlight auf den Hofer Filmtagen Bild: Fox

Nein, Druck verspüre er keinen, so Festivalleiter Heinz Badewitz auf die Frage, wie man sich jedes Jahr noch weiter steigern will. „Ich will das gar nicht toppen, schließlich drehe ich ja die Filme nicht selbst. Ich kann nur auswählen was wir letztendlich in Hof zu sehen bekommen“, so Badewitz. Und dabei beweist er auch 2009 wieder ein ebenso erfahrenes wie glückliches Händchen.

Ungewöhnlich prominent waren dabei die großen Produktionen vertreten - Filme, die nach den Filmtagen nicht „nur“ bei Arte oder den Öffentlich Rechtlichen zu sehen sind, sondern die auch den Weg auf die große Leinwand nehmen werden.Mit Stop-Motion-Technik hatte man in Hof gute Erfahrung gemacht - bereits 1994 durften Tim Burton mit „A Nightmare before Christmas“ glänzen.

Die ebenfalls auf Stop-Motion-Technik basierende Verfilmung von Roald Dahls „Fantastic Mr. Fox“ hat Wes Anderson übernommen - der zuletzt 2007 mit „The Darjeeling Limited“ in Hof zu Gast war. Man sieht dem Film dabei zu jeder Sekunde an, wie viel Spaß das Team mit der an sich antiquitierten Technik hatte - liebenswerte Details und - zumindest im Original - grandiose Sprecher vom Schlage eines George Clooney, Bill Murray, Willem Dafoe und Owen Wilson machen die Abenteuer von Herrn Fuchs für jüngere und ältere Semester gleichermaßen attraktiv, was Verleiher Fox, zusätzlich zum passenden Filmtitel, doppelt freuen dürfte.

Großes Kino …

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9 Stars, die für einen Film ihre Gesundheit für immer ruinierten

Ebenfalls von Fox auf die Reise ins oberfränkische Hof abkommandiert: „13 Semester“ und „Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen„. „13 Semester“ reift mit jeder Minute mehr vom Klamauk hin zu einer klasse Komödie reift und dabei das studentische Leben (unterteilt in die 13 namensgebenden Semester) wunderbar und intelligent-witzig porträtiert.

„Bad Lieutnant“ zeigt Nicolas Cage in einer seiner besten Rollen der letzten Jahre. Werner Herzogs Film, der sich nicht als Remake von Abel FerrarasBad Lieutenant“ aus dem Jahre 1992 verstanden wissen will, zeigt einen Polizisten (Cage), dem in der kaputten Kulisse New Orleans sein ebenso kaputtes Leben vollends entgleitet - samt sämtlicher schmerzhaften Nebenwirkungen. Eva Mendes (die bereits in „Ghost Rider“ mit Cage gemeinsame Sache macht) übernimmt dabei die Rolle einer Edelprostituierten, die mit dem kaputten und korrupten Cop gemeinsam und immer schneller auf das scheinbar unausweichlich tragische Ende zuschlittert.

Kleines Kino …

Mit knapp 40 Kurzfilmen gab’s auch im 43. Jahr der Internationalen Hofer Filmtage reichlich filmische Kost für zwischendurch - und wie schon in den letzten Jahren, ist die Quote an gar zu experimentellen Beiträgen erfreulich gering. „Beinahe wären wir Römer geworden“ mit Helge Schneider beschäftigt sich mit der Frage der Auswirkungen auf unser Leben, wenn wir alle Römer geworden wären. Volker Michalowski (zuletzt gesehen in „Inglourious Basterds„) hat in „Juri“ sichtlich Spaß und spielt einen Astronauten, der nach seiner Rückkehr auf die Erde nicht mehr so recht im Alltag Tritt fassen kann.

Eher lustig geht es auch in „Zwei Zimmer, Balkon“ zu. Bei der Wohnungssuche in München kommen sich Tom, dem seine Freundin mit Trennung droht, und Nola, die derzeit auf einer Matratze im Lager ihres Arbeitgebers nächtig, unfreiwillig näher. Als „Paar“ getarnt bekommen sie schließlich ihre Traumwohnung, müssen aber auch entscheiden, ob sie jetzt zur Wahrheit und damit zu ihren bisherigen Partnern zurückkehren.

„Flat Love“ haben die Programmgestalter der Hofer Filmtage als Vorfilm für den eingangs erwähnten „Fantastic Mr. Fox“ gewählt - und passend zum Hauptfilm spielt auch „Flat Love“ mit der Technik. Bereits als Kind kommt der Hauptdarsteller zu dem Schluss, dass die Welt eigentlich zweidimensional ist. Da liegt es auf der Hand, sich erst in die Hauptfigur eines Kinderbuchs und dann in ein Gemälde im Museum of Modern Art zu verlieben.

In „WAGs“ hingegen verkörpern Dina und Judith zwei Spielerfrauen die ihren Männern durch Europa folgen und sie bei der Karriere als Fußballstar begleiten - mit allen angenehmen und unangenehmen Nebenwirkungen.

Hof bleibt unerreicht

Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns jedes Jahr wiederholen: Auch diesmal hat sich das Team rund um Heinz Badewitz erneut gesteigert. Die 43. Internationalen Hofer Filmtage waren noch runder, noch ausgewogener als in den Jahren zuvor. Während es vor und hinter den Kulissen mit jedem Jahr noch familiärer und entspannter zugeht und einem die Stars wohl nirgends sonst in dermaßen gemütlicher Atmosphäre über den Weg laufen, steigert sich das Niveau der gezeigten Filme und die Themenmischung ebenfalls kontinuierlich.

Die Stadt Hof profitiert ohnehin seit jeher von der Veranstaltung - wer außerhalb der Filmtage in Hof verweilt, der weiß erst zu schätzen, wie viel Leben dieses Festival der kleinen Stadt einzuhauchen vermag. Und wo außer in Hof gibt’s so herrliche offene Antworten auf direkte Fragen: „Warum er denn so leise redet“ wurde Lou Castel, dem im Hof eine Werkschau gewidmet wurde, gefragt. „Da bitte ich um Nachsicht, ich habe mein Gebiss in Paris vergessen“.

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