Francesco Rosi

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor

Leben & Werk

Er war der Meister des italienischen Polit-Thrillers, jener von labyrinthischer Recherche und desillusionierender Aufklärungsarbeit geprägten Stilart des Kriminalfilms, die sich engagiert mit sozialen und politischen Missständen auseinandersetzt und wahre Fälle als beispielhafte Muster für Korruption und Machtmissbrauch untersucht. Francesco Rosi, geboren 1922 in Neapel, Regieassistent bei Luchino ViscontisDie Erde bebt„, war durch seine Herkunft aus dem italienischen Süden geprägt, zu dem er seit seinem Debütfilm „Die Herausforderung“ (1958), eine Rachegeschichte der neapolitanischen Camorra, immer wieder zurückkehrte. Rosi erlangte nach „Auf St. Pauli ist der Teufel los“, der schildert, wie die Camorra Auswanderer in Deutschland beeinflusst, mit „Wer erschoss Salvatore G.?“ 1961 ersten Ruhm. Der mit dem „Silbernen Bären“ der Berlinale ausgezeichnete Film geht in einer kraftvollen Recherche den Spuren des Banditen Salvatore Giuliano in Rückblenden und Zeitsprüngen nach, die die Legende um den Sozialrebellen revidiert. In ähnlicher Weise attackierte Rosi in „Die Hände über der Stadt“ (mit Rod Steiger als Baulöwe) die Wohnungsbaupolitik in Neapel. 1963 erhielt er dafür den „Goldenen Löwen“ in Venedig. Dem Stierkämpferfilm „Der Augenblick der Wahrheit“ und dem Märchenfilm „Schöne Isabelle“, in dem sich eine strahlend schöne Sophia Loren als Bauerntochter in den Prinzen (Omar Sharif) verliebt, folgte der Antikriegsfilm „Bataillon der Verlorenen“, der eine Episode um im Ersten Weltkrieg verheizte Soldaten schildert. In der Hauptrolle spielte Gian Maria Volonté („Der Fall Aldo Moro“, „Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger“), der der wichtigste Protagonist des italienischen Polit-Thrillers wurde und in drei weiteren Filmen Rosis die Hauptrolle übernahm: in „Der Fall Mattei“ („Goldene Palme“ Cannes 1972), der den ungeklärten Tod des Managers Enrico Mattei untersucht, in „Lucky Luciano“ (1973), der das Leben des Mafiabosses Charles S. „Lucky“ Luciano verfolgt, und in „Christus kam nur bis Eboli“, in dem Volonté als der Schriftsteller Primo Levi während der Mussolini-Zeit in die Verbannung nach Lukanien unter die Bergbauern geschickt wird. Mit „Die Macht und ihr Preis“ (1975, mit Lino Ventura) gelang Rosi einer der düstersten und beklemmendsten Polit-Thriller überhaupt, in dem ein Inspektor hinter ein Komplott zum Staatsstreich in Italien kommt und ermordet wird. Mit dem elegischen „Drei Brüder“ (1981) analysierte Rosi die damalige Zerrissenheit Italiens zwischen Terrorismus und Korruption. 1983 überraschte er mit der opulenten Opernverfilmung „Carmen“ (mit Julia Migenes und Placido Domingo), die einen Naturmythos beschwört, und 1987 gelang ihm mit der Gabriel-Garcia-Marquez-Verfilmung „Chronik eines angekündigten Todes“ (mit Ornella Muti und Rupert Everett) sein erfolgreichster Film. Rosi kehrte mit „Palermo vergessen“ zum Politkrimi zurück, ohne jedoch die Schärfe seiner Frühwerke zu erreichen; die Themen Spekulation, Drogen und Korruption griff er in einem Dokumentarfilm 1992 noch einmal auf. 1997 entstand mit „Die Atempause“ (mit John Turturro) die Verfilmung eines Berichts von Primo Levi über seine Odyssee und Heimkehr nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Auschwitz, ein Film, für dessen Realisierung Rosi jahrelang gekämpft hatte. Am 10. Januar 2015 starb Francesco Rosi in Rom.

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