Evelyn Künneke

Schauspielerin
Evelyn Künneke Poster

Leben & Werk

Deutsche Sängerin, Tänzerin, Kabarettistin und Schauspielerin. Sie verkörperte über ein halbes Jahrhundert deutsche Show- und Brettlgeschichte und stand als „Deutschlands heißeste Oma“ bis zu ihrem Tod auf der Bühne. Evelyn Künneke, „Callas der Subkultur“, bezeichnete sich gern als EK II, Tochter von EK I alias Eduard Künneke, König der Operette. Von den Tantiemen des Vaters hat sie sich über Wasser gehalten, wenn es mit der Karriere schlecht lief. Sie hat alle Höhen und Tiefen eines Künstlerlebens durchschritten, brannte mit 16 Jahren mit einem Step-Tänzer durch, besaß ein eigenes Tanzstudio, tingelte mit dem Evergreen „Sing, Nachtigall, sing“, war Truppenbetreuerin und nach dem Krieg eine der besten Swing-Sängerinnen der 50er-Jahre, segelte mit populären Schlagern („Winke, winke“) auf der Erfolgswelle, spielte in albernen Unterhaltungsfilmen („Meine Frau macht Musik„), verließ die DDR nach dem Verlust ihrer künstlerischen Freiheit und feierte nach ihrer Wiederentdeckung durch Rainer Werner Fassbinder und Rosa von Praunheim in den 70er-Jahren mit Witz und Selbstironie ein triumphales Comeback als „Underground-Muse“ und Kultfigur der Schwulen. In ihren letzten Jahren war Künneke mit Helen Vita und Brigitte Mira in der Revue „Drei alte Schachteln“ durchs Land gezogen. Motto: „Was wollt ihr mit drei knödelnden Tenören, hier habt ihr doch drei echt Berliner Gören.“ Vita starb im Februar 2001, an ihrer Trauerfeier konnte Künneke nicht mehr teilnehmen. Sie starb am 28. April 2001 in einer Berliner Klinik an Krebs und ist neben ihrem Vater auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin begraben.

In ihrer 1982 erschienenen Autobiografie „Sing Evelyn sing – Revue eines Lebens“ hat Künneke als „komplizierte Frohnatur“ zu den Skandalen und Skandälchen ihres Lebens Stellung bezogen und ehrlich, humorvoll und mit entwaffnender Selbstironie von Alkohol, Fresssucht und ihrem phänomenalen Männerkonsum geschrieben. Die schwergewichtige Diseuse, die dreimal verheiratet war, zuletzt mit ihrem Manager, machte 1976 Schlagzeilen, als sie ihre Verlobung mit dem homosexuellen Regisseur Rosa von Praunheim bekannt gab. Seitdem stand sie als „Anti-Star“ wieder auf den Brettern, am liebsten in rauchigen Lokalen der Szene zwischen Freaks und Tunten, drapierte ihren üppigen Körper mit der legendären Federboa, parodierte mit rauchigem Timbre Zarah Leander und erzählte skurrile Anekdoten mit unnachahmlicher Distanz zur bewegten Vergangenheit.

Evelyn (eig. Eva-Susanne) Künneke wurde 1921 als Tochter des Operettenkomponisten Eduard Künneke (1885-1953) und einer Opernsängerin in Berlin geboren. Sie wuchs in den USA auf, dann in Berlin, erhielt Ballettunterricht und nahm gegen den Willen des Vaters Schauspiel- und Gesangsunterricht in London und Berlin. Solotänzerin an der Berliner Staatsoper, unterhielt sie ab 1938 ein eigenes Tanzstudio, trat als Evelyn King in Cabarets und Varietés auf, bis ihr die Führung dieses Namens von den Nazis untersagt wurde. Ersten Schallplattenaufnahmen mit den Komponisten Peter Igelhoff und Michael Jary, mit denen sie Swing-Jazz („Haben sie schon mal im Dunkeln geküsst?“) populär macht, folgte 1941 das Filmdebüt in Helmut KäutnersAuf Wiedersehen, Franziska„, wo sie „Sing, Nachtigall, sing ein Lied aus alten Zeiten“ interpretiert (Auflage über sechs Millionen), der neben Lale Andersens „Lili Marleen“ zum beliebtesten Schlager der Wehrmachtsoldaten wird. 1942/44 ist sie an der Ostfront in der Truppenbetreuung tätig und wird 1944 wegen „Defätismus und Verhöhnung der kämpfenden Truppe“ zum Tode verurteilt, nach Intervention von Freunden aus der Haft in Berlin-Tegel entlassen und zu einer geheimen Propaganda-Einheit beordert, was ihr das Leben rettete.

Nach dem Krieg arbeitete Evelyn Künneke für das Label Amiga, verlies aber 1948 die DDR, als englische Titel verboten wurden. In den 50er-Jahren waren Schlager wie „Bauernrumba“, „Barbara, Barbara, komm mit mir nach Afrika“, „Tango-Max“, „Egon“, „Bongo-Boogie“ und „Hernandos Hideaway“ untrennbar mit dem Namen Künneke verbunden. Sie erhielt fünf Goldene Schallplatten, gehörte zur Spitze der Schlagerstars. Daneben trat sie als Sängerin und Tänzerin in Revuefilmen („Tanzende Sterne“) in Ost und West auf. Nachdem es stiller um sie geworden war, feierte sie ihr Comeback, als sie Zugang zur Szene um junge deutsche Filmemacher fand und in Fassbinders „Faustrecht der Freiheit“ (1974) als Frau im Reisebüro oder als Wirtin in Peter Fleischmanns SF-Thriller „Die Hamburger Krankheit“ (1979) auftrat.

Filme und Serien

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