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Wie geht ein Filmkomponist ans Werk? Woher holt er sich die Inspirationen, Ideen für musikalische Themen? Marcel Barsotti plaudert aus dem Nähkästchen.

Untermalt "Das Wunder von Bern" mit Filmmusik: Marcel Barsotti

Lange hat es gedauert, bis der in München lebende Schweizer Marcel Barsotti als Filmkomponist Erfolge erzielen konnte - der Weg nach oben war steinig: Nach mehreren Fernsehprojekten und Arthouse-Kinofilmen wie „Dolphins“ und „Grüne Wüste“ hat Barsotti nun mit der Arbeit an Sönke Wortmanns großem Familien- und Fußballepos „Das Wunder von Bern“ einen Höhepunkt seiner Karriere erreicht:

„Bei der Premiere zu ‚Grüne Wüste‘ kam ich zum ersten Mal mit Sönke ins Gespräch, da er großen Gefallen an meiner Musik fand“, so Barsotti. „Ein Jahr später bot er mir dann die Komposition der Filmmusik für ‚Das Wunder von Bern‘ an - eine absolute Herausforderung und große Verantwortung, die zu meistern großen Spaß bereitete.“

Eine Hymne aus elf Kehlen: "Einigkeit und Recht und Freiheit…" Bild: Senator

Den Rythmus im Blut

Um überhaupt als Filmkomponist Fuß zu fassen, brauchte es viel Selbstvertrauen: Marcel Barsottis Anfänge nach seinem Studium am Richard-Strauss-Konservatorium in München gestalteten sich alles andere als einfach:

„Das Filmmusikalische habe ich komplett autodidaktisch gelernt, da es zum damaligen Zeitpunkt noch gar keine Ausbildungsmöglichkeit gab. Um ein Verständnis für Filmmusik zu bekommen - welchen Rhythmus, Klang und dramaturgischen Effekt braucht sie - hörte ich mir immer wieder die großartigen Arbeiten von John Williams, Hans Zimmer und Ennio Morricone an.“

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Zehn Jahre Flaute

Nach einer zehn Jahre andauernden Durststrecke flatterten Barsotti schließlich doch nach und nach die Aufträge aus der Werbe-, TV- und Kinobranche ins Haus. Mittlerweile ist die Liste seiner Projekte auf eine beachtliche Länge angewachsen. Das Erfolgsrezept liegt nach Barsotti an der konsequenten Ausprägung eines eigenen Stils:

„Damit man seine Qualität nicht verliert, ist es wichtig, seine eigene Stilistik beizubehalten und nicht nur das zu bedienen, was der Regisseur oder Auftraggeber will.“

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Teurer Ohrenschmaus

Die Zusammenarbeit mit Sönke Wortmann gestaltete sich sehr positiv. Bei „Das Wunder von Bern“ hatte Barsotti das große Glück, über 100 Mitarbeiter beschäftigen zu können - für deutsche Verhältnisse eine absolute Seltenheit: „Es war Sönke extrem wichtig, dass die Musik eine gewisse Größe erhält und räumte ihr einen hohen Stellenwert ein.“

Dementsprechend fiel ein relativ großer Teil des Budgets an die Musik ab. Barsotti hatte mehr als drei Monate Zeit für die Komposition und konnte das renommierte NDR Radiophilharmonie Orchester engagieren.

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Positiv Denken

„Das Schwierigste und Wichtigste ist das Komponieren des Hauptthemas“, so Barsotti. „Es muss den ganzen Film beflügeln. Es führt den Zuschauer in die Geschichte ein, suggeriert, was passieren wird. Bei ‚Das Wunder von Bern‘ wollte ich, dass das Hauptthema etwas Positives vermittelt, da im Zentrum der Geschichte ein Kind steht“, betont Barsotti. Sein Credo: Die Szenen ohne großes Ego bedienen und das Schauspielerische mit der Musik nicht übertönen. „Der Score muss eine Suggestion des Dramaturgischen vermitteln, den Zuschauer berühren.“

Barsotti zeichnet neben den orchestralen Parts auch für die On-Musiken verantwortlich, also Musik, die in die Filmhandlung einbezogen ist: In „Das Wunder von Bern“ spielt beispielsweise in einer Szene eine Band Musik aus den Fünfziger Jahren, die ebenfalls aus der Feder des Schweizers stammt.

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Deutschland liegt zurück

An die Perfektion und Professionalität der amerikanischen Filmkomponisten - vor allem auch im Hinblick auf die Vermarktung des Soundtracks - kommt Deutschland laut Barsotti nicht heran:

„Die enormen Etats, die einem Filmkomponisten dort in der Regel zur Verfügung gestellt werden, lassen wesentlich mehr Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten. Es ist keine Seltenheit, allein für die Lizenzierungen von Originaltiteln mehr als 600.000 Euro auszugeben.“

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Es geht voran

Nicht der Mangel an guten Filmkomponisten sei das Problem in Deutschland, erläutert Barsotti, sondern eher der Mangel an guten Stoffen und das Mauerblümchendasein, das die Filmmusik in Deutschland noch immer fristet.

„Allerdings lässt sich langsam aber stetig eine qualitative Annäherung der europäischen an die amerikanische Filmmusik erkennen“, schließt Barsotti, der durch „Das Wunder von Bern“ auftragsmäßig sein eigenes Wunder erlebt und bereits viele neue Kinoprojekte in Aussicht hat.

» Zum Special „Das Wunder von Bern“

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