Waren die „Buddenbrooks“ laut Untertitel „Ein Geschäft von einiger Größe“, erreicht dieses Projekt nun königliche Ausmaße…

Ganz großes Kino wird das filmische Denkmal des Märchenkönigs "Ludwig II." Bild: G+J EMV

Das Budget für „Ludwig II.“ liegt zwischen 15 und 16 Mio. Euro, mit einem Team von 120 Leuten reist man an 70 Drehtagen zu 100 Sets, darunter an schwer zugängliche Originalschauplätze, wie die vom Märchenkönig gebauten Schlösser Neuschwanstein oder Linderhof. Zur „Perfektion, die man sich leisten muss“, so der Chef der Bavaria-Filmstudios Dr. Matthias Esche, gehöre etwa, dass das Orchester bei der „Lohengrin„- Aufführung im Cuvilliés-Theater vor der Kamera live spielt. Das Regie- und Autorenduo betont, dass es ihnen bei ihrem historischen Drama um Authentizität gehe, und vor allem darum, den Mensch hinter der Ikone Ludwig zu zeigen.

Peter Sehr

Um diese Authentizität zu erreichen, müsse man auch in den von ihm geschaffenen Orten drehen, knüpft Marie Noëlle an: „Die Orte enthalten ein Stück Wahrheit über Ludwig. Das kann man nicht im Studio rekonstruieren. Alles, was er selbst konzipiert hat, hat eine besondere Atmosphäre.“

So wurde ein Großteil des Films an Originalschauplätzen gedreht. Da galt es, „die exakt vorgegebenen Zeitfenster für die Dreherlaubnisse und die Verfügbarkeit der Schauspieler in Einklang zu bringen, was ohne einen entsprechenden Vorlauf nicht möglich gewesen wäre“, so Produzent Ronald Mühlfellner. Immerhin hatte man mit den Vorbereitungen bereits im vergangenen Herbst begonnen. Der letzte Part der Dreharbeiten findet bis zum 17. November in den Bavaria Studios statt.

Ludwig II., wie man ihn kennt und liebt Bild: G+J EMV

Top-Darsteller und eine filmpreisgekrönte Crew

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Bereits 2002 hat Bavaria begonnen, das Projekt zu entwickeln. Frühere Überlegungen, den Film international zu drehen, also auf Englisch oder auch teilweise in französischer Sprache, verwarf man. „Dazu ist es nun mal ein sehr deutsches, bayerisches Projekt“, so Esche. Doch auch wenn bisher mit Warner nur der Verleih in den deutschsprachigen Territorien gesichert ist, sind Regisseure wie Produzenten zuversichtlich, dass das Thema auf internationales Interesse stößt. Bavaria werde nach dem Rohschnitt mit dem Verkauf beginnen, so Mühlfellner.

Natürlich steht man bei einem Film dieser Größe auch unter Druck: „Mit so einem Projekt erlebt man entweder ein großes Scheitern oder einen großen Erfolg, etwas dazwischen gibt es nicht“, so Esche. Marie Noëlle meint dazu: „Die Angst zu scheitern, ist immer da, egal ob wir einen Film für eine Mio. Euro machen oder für mehr, ob wir mit einem Zehn-Mann-Team drehen oder mit 120. Die Angst ist auch ein Motor, der zu Ideen verhilft. Die Tatsache, dass wir ein so engagiertes Team haben, hilft sehr viel.“

„Zum Glück sind wir zu zweit“, ergänzt Sehr, und seine Frau erklärt ihre bewährte Zusammenarbeit: „Früher war ich eher für das Schreiben zuständig, aber nicht erst bei ‚Ludwig II.‚ arbeiten wir Hand in Hand.“

Das Team vor und hinter der Kamera ist nicht nur wegen des spannenden Themas hoch motiviert, sondern besteht aus renommierten Kräften, die dem Anspruch der Macher von „großem Kino“ und „höchster Intensität“ gerecht werden können. Sehr ist stolz, fast die ganze „Das weiße Band„-Crew versammelt zu haben, wie Kameramann Christian Berger, Setdesigner Christoph Kanter und Maskenbildner Waldemar Pokromski, die für ihre Arbeit an Michael Hanekes Film mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurden.

Berger filmt mit Arri Alexa und dem von ihm entwickelten System, bei dem weniger stark ausgeleuchtet werden muss und das Licht natürlicher wirkt. Parallel läuft eine zweite Kamera. Optisch reizvoll versprechen neben den barocken Locations auch die Traumbzw. Fantasiesequenzen zu werden. „Wir möchten Ludwigs Fantasien lakonisch erzählen, ihnen einen modernen Touch verleihen, mehr will ich nicht verraten“, so Marie Noëlle.

Einige VFX-Sequenzen wird es jedenfalls geben, die in der langen Postproduktionsphase eingearbeitet werden. Auf der akustischen Ebene wird auch einiges geboten werden. Neben den allein durch die Biografie vorgegebenen obligatorischen Wagner-Stücken - Ludwig liebte Wagners Arbeiten und förderte ihn - liefert der preisgekrönte französische Filmkomponist Bruno Coulais („Die Kinder des Monsieur Mathieu„) einen modernen Score.

Das Ensemble vor der Kamera ist nicht weniger exquisit, etwa Edgar Selge als Richard Wagner oder Justus von Dohnanyi und Hannah Herzsprung. Die Besetzung der Titelrolle beschreibt Sehr „als kleines Wunder“. „Wir haben aus 370 Kandidaten für den jungen Ludwig Sabin Tambrea ausgewählt. Er sieht nicht nur genauso aus wie er, sondern ist ihm auch im Wesen ein bisschen ähnlich, er liebt etwa auch Musik, seine Eltern sind Musiker“, freut sich Sehr über die perfekte Verkörperung.

Den älteren Ludwig spielt Sebastian Schipper. Für alle Beteiligten hat „Kino die absolute Priorität“, auch wenn es später eine Zweiteilerversion für die ARD geben wird. „Wir drehen in Cinemascope“, betont Sehr. Bisher gibt es auch nur das Kinodrehbuch.

Der breite Kinostart ist zu Weihnachten 2012 vorgesehen. „Buddenbrooks“ war 2008 auch zu Weihnachten gestartet worden und lockte 1,2 Mio. Zuschauer in die deutschen Kinos. Sehr und Marie Noëlle, die auch das Arri-Kino betreiben und aus Erfahrung wissen, dass historische Stoffe oft hauptsächlich von einem älteren Publikum gesehen werden, sind überzeugt, dass „Ludwig II.“ auch für Jugendliche interessant sein kann. Etwa das Thema, mit 18 plötzlich König zu werden, oder viel universeller, „die Idee, dass man für seine Träume kämpft und versucht sie zu verwirklichen“, so Marie Noëlle.

Wie es ihrer Meinung nach auch die Macher von „Ludwig II.“ getan haben, beim „Spagat eine historische Figur so authentisch wie möglich zu erzählen und gleichzeitig zu unterhalten und Emotionen zu wecken“. Wann jedoch das von Bavaria ebenfalls angedachte Wagner-Projekt um - gesetzt wird, ist noch offen.

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  • Bei den Dreharbeiten zu "Ludwig II."

    Bei den Dreharbeiten zu "Ludwig II."

    Peter Sehr und Marie Noëlle inszenieren mit "Ludwig II." ein Traumprojekt. Es ist nach "Buddenbrooks" der Mittelteil einer Trilogie, die mit "Wagner" enden wird.

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