Dr. Michael Verhoeven

Dr. Michael Verhoeven

Leben & Werk

Mit einem Jubelsturm wurde 1990 auf der Berlinale seine Tragikomödie „Das schreckliche Mädchen“ im offiziellen Wettbewerb aufgenommen, gewann den Silbernen Bären und wurde für den Oscar nominiert. Für Regisseur, Autor und Produzent Michael Verhoeven, Ehemann der Schauspielerin Senta Berger, war das eine späte Genugtuung, hatte doch seine Anti-Vietnam-Krieg-Parabel „o.k.“ (mit Eva Mattes als von vier Soldaten vergewaltigtes Mädchen) 1970 zum Abbruch der Berlinale geführt.

In zeit- und gesellschaftskritischen Filmen fand Verhoeven als Regisseur seine Stoffe: „Das schreckliche Mädchen“ schildert den authentischen Kampf einer engagierten Journalistin (Lena Stolze) gegen die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit in einer deutschen Bischofsstadt (gemeint ist Passau). Das Thema griff Verhoeven mehrfach auf: „Die weiße Rose“ (1982) behandelt den Fall der gleichnamigen Münchner Widerstandsgruppe um die studentischen Geschwister Scholl, schuf eine neue Sicht der Dinge um die Gruppe, die politischer war, als bis dahin angenommen, und brachte Lena Stolze in ihrem Filmdebüt den Deutschen Filmpreis („Filmband in Gold“) ein. „Mutters Courage“ (1996), nach einer Erzählung von George Tabori, kreist um den Tag, an dem Taboris Mutter in Ungarn verhaftet wurde und dem KZ um Haaresbreite entkam. Produktion und Kamera des Films erhielten den Bayerischen Filmpreis und den Bundesfilmpreis.

Vor seiner Arbeit als Regisseur war der 1938 in Berlin geborene Verhoeven, Sohn des Regisseurs und Schauspielers Paul Verhoeven, selbst Schauspieler und spielte in jugendlichen Rollen in Filmen wie „Das fliegende Klassenzimmer“ (Version 1953), „Marianne“ (1954), „Der Pauker“ (1958) und „Ein Student ging vorbei“ (1960). 1966 schloss er ein Medizinstudium ab und heiratete Senta Berger, der er bei Dreharbeiten zu dem Liebesfilm „Jack und Jenny“ (1963) begegnet war.

1966 gründeten die beiden auch die Sentana Produktion, deren erster Film „Paarungen“ eine Strindberg-Verfilmung war. Mit Berger in der Hauptrolle entstanden die schwarze Komödie „MitGift“ (Kino 1975), der Krimi „Killing Cars“ (Kino 1986) und der TV-Film „Zimmer mit Frühstück“ (1999), in dem Berger eine Luxuslady spielt, die gezwungen wird, Zimmer zu vermieten. Populär wurden die seiner Gattin auf den Leib geschriebenen TV-Serien „Die schnelle Gerdi“ (1989, Sechsteiler mit Berger als patenter Münchner Taxifahrerin) und „Lilli Lotttofee“ (1992, Sechsteiler mit Berger als von Männern abhängige Frau auf dem langen Weg der Selbstfindung).

In der Dokumentation „Die Verhoevens“ von Felix Moeller rücken sein Vater, er und seine restliche „Filmfamilie“ in den Fokus, was mitunter sehr amüsante Geschichten ans Tageslicht bringt. Nach jahrzehntelanger Auszeit führte er 2005 in der Tatortfolge „Die Spieler“ erneut Regie, konzentrierte sich dann aber wieder auf politische Filme. So konnte er nach neun Jahren Recherchearbeit seinen ersten Dokumentarfilm „Der unbekannte Soldat„, der über die Verbrechen der Wehrmacht in der Ukraine berichtet, fürs Kino freigeben. 2008 ging er in seiner nächsten Dokumentation „Menschliches Versagen“ der Frage nach, inwiefern die bürgerliche Bevölkerung von der systematischen Beraubung der Juden in Nazi-Deutschland profitieren. Ein Jahr zuvor wurde der engagierte Regisseur mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnet.

Die TV-Auftragsarbeiten, u. a. ein Biopic mit Heiner Lauterbach als „Semmelweis, Ignaz – Arzt der Frauen“ oder „Eine unheilige Liebe“, finanzieren Verhoevens Kinoprojekte und Dokumentararbeiten („Das Mädchen und die Stadt“, „Tabori – Theater im Leben“). Verhoevens intensive Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus entstand aus seinem Verständnis heraus, das „starke Defizit, was auch auf eine sehr negative Weise die Geschichte der Bundesrepublik mitgeschrieben hat“, zu verarbeiten. Verhoeven und Berger haben zwei Söhne: Luca ist Musiker und Schauspieler, Simon gab 2001 mit „100 Pro“ sein vom Vater koproduziertes Regiedebüt.

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