Derek Jarman

Schauspieler • Regisseur • Drehbuchautor • Cutter • Kameramann

Leben & Werk

Als er 1976 den Schritt in die Öffentlichkeit wagte und in seinem Regiedebüt „Sebastiane“ den nackten männlichen Körper feierte und die erste seiner homoerotischen Studien vorstellte, entfachte er einen Sturm der Entrüstung: in England war damals Homosexualität noch strafbar. Regisseure wie Derek Jarman (1942 - 1994) und Stephen Frears („Prick up your Ears“) trugen jedoch mit ihren engagierten, radikalen und aggressiven Filmen dazu bei, dass dieser Zustand schnell geändert wurde. Dennoch blieb Jarman innerhalb der Filmszene ein Außenseiter, fand nie ein größeres Publikum; zu sehr waren seine Filme der Avantgarde und dem Experimentalkino verbunden. Aber als Figur des öffentlichen Lebens konnte er an prominenter Stelle als Regisseur, Maler, Bühnenbildner, Schriftsteller und Video-Clip-Regisseur (für die „Pet Shop Boys“ und „The Smiths“) wirken und Aufmerksamkeit erringen. Seine Filme spielen mit Pop-Kultur und Bildender Kunst, Kitsch und christlicher Symbolik. Dabei arrangiert Jarman über Zeiten und Räume hinweg Versatzstücke verschiedener Kulturen. Auf „Sebastiane“, der einen frühchristlichen Märtyrer in einer Welt des Männlichkeitswahns untergehen lässt, folgte mit „Jubilee“ (1978) eine Punk-Ballade, die das Elisabethanische Zeitalter mit der Apokalypse koppelte. Shakespeare bestimmte seine beiden folgenden Filme: „The Tempest - Der Sturm“ (1979) nahm als Punk-Revue Peter Greenaways Adaption „Prosperos Bücher“ (1991) in Teilen vorweg, in „The Angelic Conversation“ (1985) werden 14 Sonette Shakespeares von Judi Dench als Voice-Over zu Bildern von Küstenlandschaften und homoerotischer Bildwelten vorgetragen. Als einziger Film Jarmans erlangte die mit Anachronismen gespickte Biografie des Renaissance-Malers „Caravaggio“ (1986) einen gewissen Bekanntheitsgrad. Der Maler, ausgehalten von Fürsten und Bischöfen, wird als Drifter, Degenduellant und Raufbold in den Kontext seiner Zeit, der nachgestellten Gemälde und der Moderne gestellt. In „The Garden“ (1990) dominieren Bilder von Natur und Landschaften, die gekoppelt sind mit Jarmans persönlichen Stellungnahmen über seine homosexuelle Leidens- und Befreiungsgeschichte, die bereits den Tod im Auge hat. In „The Last of England“ und „War Requiem“ gibt sich Jarman in Collage-Filmen Tod und Trauer, Krieg und Apokalypse hin. Er hatte 1986 von seiner HIV-Infektion erfahren, was sein noch folgendes Werk prägen sollte. Sowohl die Christopher-Marlowe-Verfilmung der Tragödie „Edward II“ (1991), als auch die verfremdete Essayistik von „Wittgenstein“ (1992), beides mit „Caravaggio“ Jarmans zugänglichste Filme, handeln von den Zwängen, homosexueller Liebe zu verfallen und zu entsagen, und sind beide bittere Kommentare zu Selbstdisziplin und Selbstgewissheit. „Blue“ (1993) entstand, als Jarman erblindete, und zeigt eine monochrom blaue Leinwand, über die Texte und Geräusche gelegt sind, die Bilder evozieren sollen. Die Texte stammen größtenteils aus Jarmans Tagebuch und werden von Jarman selbst, dem Schauspieler Nigel Terry (der Caravaggio) und der von Jarman entdeckten Schauspielerin Tilda Swinton, die zu einer der Ikonen des unabhängigen britischen Kinos wurde, gesprochen.

Filme und Serien

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