Die „Resident Evil“-Produzenten und der frisch gebackene deutsche Hollywood-Regisseur Christian Alvar drehen in Babelsberg den Science-Fiction-Thriller „Pandorum“ - und peilen einen Mehrteiler an.

"Pandorum" wandelt auf den Spuren von "Alien" und "Rosemaries Baby" Bild: Constantin

Düstere Raumschiffgänge, die an ein U-Boot erinnern, bizarr mutierte Gestalten, klaustrophobische Kammern - Szenerien wie diese gab es bis Ende Oktober in Babelsberg zu sehen, wo Christian Alvart seinen Science-Fiction-Thriller „Pandorum“ inszenierte. Indes: Wenn es nach der Logik einiger deutscher Branchenmanager ginge, hätte der 34-Jährige nie einen solchen Film übernehmen dürfen.

Vor drei Jahren hatte er mit dem für eineinhalb Millionen Euro gedrehten Schocker „Antikörper“ auf sich aufmerksam gemacht. „Doch als ich ein Projekt für fünf Millionen Euro machen wollte, hieß es, das wäre für mich zu teuer.“ Zum Glück war der gebürtige Hesse zu diesem Zeitpunkt schon von Hollywood entdeckt worden.

Das "Pandorum"-Team: Die Produzenten Jeremy Bolt (l.) und Robert Kulzer (r.) mit dem Regisseur Christian Alvart (m.) Bild: Constantin

Von den Machern von „Resident Evil“

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„Antikörper“ hatte noch vor dem deutschen Kinostart beim Tribeca Filmfestival für Furore gesorgt. Während die deutsche Filmindustrie wenig Interesse an Regisseur Alvart zeigte, absolvierte er in Los Angeles ein Meeting nach dem anderen. Immerhin: Es war die amerikanische Dependance einer deutschen Filmfirma, die das Projekt „Pandorum“ ins Rollen brachte. Robert Kulzer und Jeremy Bolt hatten bereits erfolgreich Science-Fiction-Actionfilme wie die „Resident Evil„-Reihe gemacht und waren auf der Suche nach einem neuen Projekt. Daher ließen sie Alvart das Originaldrehbuch von Dave Morrison zukommen.

„,Antikörper‘ war ein wunderschön designter und gedrehter Film, in dem jede Einstellung Sinn ergab“, so Kulzer euphorisch. Doch sobald ihr Wunschkandidat das ursprüngliche Skript gelesen hatte, war er erst einmal überrascht. Denn er hatte selbst einen Stoff nach einer nahezu identischen Grundidee entwickelt: Eine kleine Gruppe von Astronauten erwacht während eines interstellaren Raumflugs und hat jede Erinnerung an den Hintergrund ihrer Reise verloren.

Über die Grenzen des Genres hinaus

Hollywood-Veteran Dennis Quaid stand für den SciFi-Thriller "Pandorum" in Deutschland vor der Kamera Bild: Kurt Krieger

Doch dann beschlossen Alvart und die Produzenten, die Ideen zu kombinieren. So entstand die Geschichte einer Expedition, die für die Erdbewohner einen neuen bewohnbaren Planeten erschließen soll, jedoch durch mysteriöse Ereignisse an Bord des Raumschiffs in Gefahr gerät. Alvart will dabei kein blinkendes Hightechraumschiff präsentieren. Viele Szenen spielen im Halbdunkel, weshalb er und sein Team zur Vorbereitung eher Filme wie „The Cave“ studierten. Eines der größten Sets schufen Szenenbildner Richard Bridgland und sein Team in einem ehemaligen Kraftwerk in Steglitz.

„Pandorum“ ist freilich nicht als B-Picture zu sehen: „Christian weiß, dass er den Konventionen des Genres genügen muss, aber gleichzeitig hat er Ambitionen, die weit darüber hinausgehen“, so Robert Kulzer. Der Regisseur selbst drückt es folgendermaßen aus: „Ich möchte einen Film so aufladen, dass er reine Genregrenzen überschreitet - so wie ein ‚Rosemaries Baby‚ eben auch mehr als Horror war.“

Nachwuchstalent Ben Foster (bekannt aus "Alpha Dog" und "X-Men: Der letzte Widerstand") ist ebenfalls mit an Bord Bild: Concorde

Prominente Besetzung als Besatzung

Es gibt schon ein erstes Indiz, dass diese Strategie aufgehen könnte. Denn mit Dennis Quaid und Ben Foster („Todeszug nach Yuma„) als Raumschiffpiloten fanden sich zwei renommierte Hauptdarsteller. Den hohen Ambitionen gerecht zu werden, ist eine besondere Herausforderung, da das Budget mit 40 Millionen Dollar für einen Film dieser Größenordnung relativ knapp bemessen ist.

„Wir bringen unsere Low-Budget-Intelligenz ein und holen heraus, was nur irgendwie möglich ist“, so Jeremy Bolt. Eine der Methoden ist es, die Sets durch Umbauten mehrfach zu nutzen. Die Produktion spart jedoch nicht am falschen Ende. Die Wesen, die den Helden das Leben schwermachen, werden von der Firma des im Juni verstorbenen Effektgurus Stan Winston („Aliens„) kreiert. Die Rechte für „Pandorum“ wurden bereits weltweit verkauft.

Mit "Antikörper" gelang Regisseur Christian Alvart ein weltweiter Achtungserfolg Bild: Kinowelt

Immer schön auf dem Teppich bleiben

Wenn es nach den Vorstellungen der Beteiligten geht, dann ist diese Geschichte erst der Auftakt zu einem Mehrteiler. Bei den Fortsetzungen würde Alvarts ursprüngliches Konzept noch stärker zum Tragen kommen. Der Regisseur, der 2007 bereits den Thriller „Fall 39“ mit Renée Zellweger abdrehte, ist jedoch nicht auf Hollywood fixiert, sondern entwickelt auch verschiedene deutschsprachige Stoffe: „Ich halte es für einen Fehler, wenn die Projekte der Leute, die in die USA gehen, immer größer werden. Um fit im Kopf zu bleiben, sollte man auch für eineinhalb bis zwei Millionen einen schauspielerorientierten Film machen.“

Trotzdem, seine Genugtuung mit „Pandorum“ Babelsberg zu erobern, ist nicht zu übersehen: „Normalerweise krebst du mit deinem deutschen Budget rum, und dann hörst du, ‚Bourne‚ wird hier gedreht und zieht die guten Leute an sich. Ich wollte jetzt auch mal hier sein und die guten Leute haben.“

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