Beinahe planmäßig endeten die Dreharbeiten zum aufregendsten Kinoprojekt, das je im Raum Vilsbiburg entstand. Am 8.September fiel die letzte Klappe zu „Grenzverkehr“, einer in niederbayerischer und tschechischer Provinz angesiedelten Coming-of-Age-Komödie. Die „einheimischen“ Macher gewährten einen Einblick in die Entstehung des erfrischenden Erstlingswerks.

Regisseur Benz und seine Hauptdarsteller Bild: Solo Film

Ein 16-jähriger Ministrant aus Niederbayern und seine beiden Freunde fahren auf „geliehenen“ Mopeds nach Tschechien. Doch das persönliche Waterloo, das sie dort erleben, kostet sie ihre drei Feuerstühle. Um den Ausflug geheim zu halten, wollen sie mit Hilfe einer jungen Ukrainerin die Mopeds wieder zurück klauen und geraten dabei in Teufels Küche:

Sie fliehen zusammen mit der schwangeren jungen Frau unter dramatisch-komischen Umständen über die Grenze und stehen ihr schließlich bei der Geburt bei.

Soviel sei verraten von der aberwitzigen Geschichte dreier Freunde, die das Langspielfilmdebüt von Stefan Betz markiert. Beachtliche 1,1 Millionen Euro standen dem jungen Regisseur für das ambitionierte Projekt zur Verfügung und trotz insbesondere wetterbedingter Widrigkeiten verlief die Produktion fast exakt nach Plan.

Drei Jungs und ein Baby Bild: Solo Film

Erfolg dank Förderung

Das 30-köpfige Team, das in Tschechien noch durch zehn weitere Mitglieder verstärkt worden war, gab vom 27. Juli bis 8. September 2004 alles. Nur die schwere Erkältung eines der Hauptdarsteller machte eine Verlängerung des Drehplans um etwa eine halbe Woche nötig, ansonsten verlief alles glatt - keine Selbstverständlichkeit für ein Debütwerk.

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Schon im Vorfeld hatten die Produzenten Uli Aselmann, Robert Marciniak und Thomas Blieninger zusammen mit Autor und Regisseur Betz das Drehbuch nach eigenen Worten „entschlackt und auf den neuesten Stand gebracht“. Erfolg dieser Maßnahme war, dass neben dem Bayerischen Rundfunk als Koproduzenten diverse Förderer mit einstiegen.

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Vom inszenierten Strassenstrich bis zu niederbayerischer Idylle: Fotos vom Set.

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Entspannter Tag am Set Bild: Thomas Blieninger

Großer Andrang

Als Darsteller der pubertierenden Niederbayern einigte man sich auf Andreas Buntscheck, der bereits im Bayerischen Volkstheater spielte, Joseph M’Barek, der seinen ersten Filmauftritt in „Sommersturm“ absolvierte, und den bisher nur im Schultheater erfahrenen Ferdinand Schmidt-Modrow.

Das Casting fiel erwartungsgemäß aufwändig aus. Bis Juni hatten sich nach einem Aufruf in lokaler Presse und anderen Medien über 120 Jungs für die drei Hauptrollen beworben- zu verlockend schien wohl der Gedanke, einmal im Leben an der Seite prominenter Schauspieler vor der Kamera zu stehen.

Drei Männlein stehn im Walde… Bild: Solo Film

Hochkarätig besetzte Nebenrollen

Neben Henriette Richter-Röhl, bekannt aus „Marienhof“ und „Autobahnraser„, gehören zu diesen auch Götz Otto sowie Oliver Korittke. Die beiden Schauspielprofis hatten ihren Spaß am Set und wirkten auf Grund der guten Bekanntschaft zu Produzent Dieter Ulrich Aselmann mit. Außerdem sorgten sie für die nötige Aufmerksamkeit für das Erstlingswerk.

Die zwei arbeiteten wie ein Großteil des Teams und der Kollegen, zu denen auch Dana Vávrová, Saskia Vester und Bettina Redlich gehören, für eine geringere Gage als üblich - sehr zur Freude von Tom Blieninger. Der ehemalige Redaktionsleiter von Blickpunkt:Film zeichnet hier erstmals bei einem Langspielfilm als ausführender Produzent verantwortlich.

Action im Hinterland

Die Locationsuche in Tschechien fiel vergleichsweise unkompliziert aus. Mit den nahe der Grenze gelegenen Ortschaften Tachov und Babylon fand man ideale Schauplätze. Buff Connection realisierte eine rasante Autoverfolgung über den Grenzfluss, für den ein seichter Strom in der Gegend um das niederbayerische Vilsbiburg, wo man die erste Hälfte der Dreharbeiten verbrachte, herhalten musste.

Aufwändig gestaltete sich auch die Realisierung eines weiteren „Action“-Highlights: Für die Aufnahme einer Explosion reiste eine eigene Special-Effects-Crew aus München in die tschechische Provinz, um dort einen Schuppen nach allen Regeln der Filmkunst zu demolieren.

Belz im Gespräch mit Schauspieler Jürgen Tonkel Bild: Thomas Blieninger

Ukrainer in Dingolfing

Hilfe der eher ungewöhnlichen Art erfuhr man von Seiten der Landshuter Feuerwehr. Diese vermittelte Hauptdarstellerin Richter-Röhl das für ihre Rolle als Ukrainerin benötigte Sprachcoaching. Eine mittlerweile in Dingolfing wohnhafte Familie ukrainischer Aussiedler, auf deren Initiative die Feuerwehrmänner seit Jahren Hilfslieferungen an notleidene Familien der ehemaligen Sowjetrepublik durchführen, erklärte sich bereit, den „Fremdsprachenkurs“ zu übernehmen.

„Mit Verfolgung, Sprengung und vor allem jeder Menge Pointen ist einfach alles enthalten“, freut sich Regisseur Stefan Betz, der wie Blieninger aus Vilsbiburg stammt. Seinen (Heimat-)Film skizziert er weiter als „schlicht und klar und im besten Sinne unkompliziert“. Auch wenn die Story Teenager anspricht, hat Betz vor allem das erwachsene Publikum im Sinn. Er hofft, es mit trockenem Humor und Situationskomik zu amüsieren.

Kleiner Mann ganz groß

Alexander Fischerkoesen

Das Filmmaterial wird noch im Bavaria Kopierwerk digital bearbeitet, um durch unterschiedliches Wetter entstandene Anschlussfehler auszumerzen. Rainer Bartesch, der schon für den Kurzfilm „Sommergeschäfte“ von Betz und Blieninger komponierte, steuert die Musik bei.

Götz Otto entspannt sich während einer Drehpause Bild: Thomas Blieninger

Warten auf den Kinostart

Ende des Jahres soll „Grenzverkehr“ fertig gestellt sein. Solo Film könnte ihn im Frühjahr 2005 in die Kinos bringen. Ein Festivalstart wäre auch vorstellbar, z.B. ist man bereits mit dem Leiter der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ der Berlinale in Kontakt.

Doch erst einmal müsse man den fertigen Film abwarten, sind sich die Macher einig. Die Zusammenarbeit zwischen Aselmann, Betz und Blieninger jedenfalls wurde einhellig als positiv beschrieben, mit ersten Mustern des fertigen Films sind die Produzenten „sehr zufrieden“.

KINO.DE wird weiterhin über dieses erfrischende Projekt aus deutschen Landen berichten. Bei einem Erfolg des Films wäre es um eine weitere Zusammenarbeit der Beteiligten jedenfalls gut bestellt, Aselmann hat noch ein weiteres Drehbuch von Betz in der Schublade, und auch Blieninger wird der Produktionsfirma erhalten bleiben.

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