Leben & Werk

Französischer Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Darsteller. Einer der großen französischen Regisseure der Gegenwart, überführte Claude Miller die Leichtigkeit der Nouvelle Vague und ihre bemühte Distanziertheit in die Moderne. Seine Filme sind schnelle, direkte, effiziente, einfühlsame, kühne und kluge Handlungsentwürfe, verknüpfen Familienschicksale mit denen von Außenseitern, deren Handeln sich nach und nach erschließt, aber auch Geheimnis bleibt. Miller inszenierte Coming-of-Age-Geschichten („Das freche Mädchen“, „Die kleine Diebin„), Film noir („Das Verhör“, „Das Auge“), Psychodramen („Die Klassenfahrt“) und Familien- und Künstlergeschichten („Die kleine Lili“). 2007/08 brach Miller ein Tabu, als er mit „Ein Geheimnis“ die Jahre der deutschen Okkupation Frankreichs am Schicksal einer jüdischen Familie, die sich tragisch verstrickt, verband und Klischees jüdischen Bürgertums beiseite schob.

Claude Miller war ein virtuoser Schauspielerregisseur, der Charlotte Gainsbourg („Das freche Mädchen“) und Julie Depardieu („Die kleine Lili“) entdeckte, Isabelle Adjani als somnambule Killerin zu einer ihrer besten Leistungen führte („Das Auge“), aus der erotischen Naivität Ludivine Sagniers („Die kleine Lili“, „Ein Geheimnis“) und der kapriziösen Unbekümmertheit von Cécile de France („Ein Geheimnis“) darstellerisches Kapital gewann und Michel Serrault („Das Auge“), Jean-Pierre Marielle („Die kleine Lili“), Bernard Giraudeau („Die kleine Lili“) und Patrick Bruel („Ein Geheimnis“) aus den Schatten ihrer Rollenklischees befreite.

Claude Miller wurde 1942 in Paris geboren, absolvierte 1962/63 die Pariser Filmhochschule IDHEC und wechselte von der Filmabteilung der französischen Armee zur Regieassistenz und Produktionsleitung bei Jean-Luc Godard und Francois Truffaut. Millers Erstling „Unser Weg ist der beste“ (1976) entwickelte als Sommergeschichte im Ferienlager an der Auvergne eine Liebesgeschichte unter Männern. „Süßer Wahn“ (1977, mit Gérard Depardieu), „Das Verhör“ (1980) und „Das Auge“ (1982) sind ungewöhnliche Vertreter des Film noir: Auf stilvolle Adaption (Patricia Highsmiths „Süßer Wahn“) und Konzentration (Lino Ventura befragt den mordverdächtigen Serrault in „Das Verhör“), folgte mit „Das Auge“ der bedeutendste europäische Psychothriller der Filmgeschichte: Ein alternder Privatdetektiv (Serrault) reist als Schutzengel einer schönen Killerin (Adjani) durch Europa und seine komplizierte, rüde und einsame Psyche.

Jungen Frauen als aufregenden Rebellinnen und Grenzgängerinnen ging Miller in der bezaubernden Komödie „Das freche Mädchen“ (1985), der Provinzstudie „Die kleine Diebin“ (1988), der Love Story zwischen einem alten Mann und einem jungen Mädchen in „Le sourire“ (1994), dem in einer psychiatrischen Anstalt spielenden Drama „Das Zimmer der Zauberinnen“ (2000) und der in die Moderne versetzten Adaption von Tschechows „Die Möwe“ in „Die kleine Lili“ (2003) nach, wo er nationales Filmschaffen ironisierte. „Die Klassenfahrt“ (1998) zeichnet kindliche Ängste und Alpträume beeindruckend vor der Schneekulisse der Alpen nach.

Millers Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem erhielt er einen César für das Beste Drehbuch („Das Verhör“), den Jurypreis in Cannes für „Die Klassenfahrt“, und den Grand Prix des Amériques in Montreal für „Ein Geheimnis“.

Seit 2007 war Miller Präsident der französischen Filmhochschule La fémis in Paris.

„Das Verhör“ wurde 2001 von Stephen Herek als „Under Suspicion“ (mit Gene Hackman, Morgan Freeman und Monica Bellucci) erfolgreich und mit Zustimmung Millers, der sich am Drehbuch beteiligte, neu verfilmt.

Claude Miller erlag am 4. April 2012 den Folgen eines Krebsleidens.

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