„History in the making – hier wird Geschichte gemacht…“

12 Oscar-Nominierungen für Steven Spielbergs "Lincoln", 5 für Michael Hanekes "Liebe" Bild: Fox, X Verleih (Warner)

Es gibt sie, diese typischen Oscar-Filme: Große Konflikte, beeindruckende Kostüme, am besten noch ein paar blutige Schlachten und das Ganze am liebsten auf der Grundlage echter historischer Ereignisse – am allerliebsten aus der US-Geschichte.

All das trifft auf Steven SpielbergsLincoln“ zu, und prompt hat die Academy of Motion Picture Arts and Sciences dem epochalen Historiendrama gerade 12 Oscar-Nominierungen zugesprochen – die meisten dieses Jahres.

Damit ist Spielbergs Kino-Hommage an den legendären US-Präsidenten gleichzeitig auch Favorit auf den Oscar für den besten Film, für den „Lincoln“ natürlich auch nominiert ist. Oscar-Abonnent Daniel Day-Lewis gilt zudem als sicherer Tipp für den Hauptrollenpreis, Tommy Lee Jones als erbitterter Sklavereigegner Thaddeus Stevens wird wohl auch bei den Nebendarstellern triumphieren.

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Knapp hinter „Lincoln“ landete die opulente Romanverfilmung „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger„, anders als Spielbergs Historiendrama auch bei uns bereits im Kino, mit 11 Nominierungen auf Platz 2 – allerdings wurden hier keine Darsteller nominiert.

Dicht dahinter dann der Überraschungshit „Silver Linings„, der Hauptdarsteller Bradley Cooper die erste Oscar-Chance seiner Karriere einbrachte. Zudem sind mit Jennifer Lawrence, Jackie Weaver und Robert De Niro Preise auch in allen anderen Schauspieler-Kategorien möglich – völlig zu Recht, denn das Ensemble im Drama um einen Footballer, der seinen Aggressionen nicht im Griff hat, ist darstellerisch eine Wucht.

Jeweils sieben Nominierungen erhielten die Musical-Verfilmung „Les Misérables“ und Ben Afflecks Polit-Satire „Argo„, die ebenfalls beide auch für den besten Film berücksichtigt wurden. Anne Hathaway gilt als Fantine sogar als Favoritin bei den Nebendarstellerinnen. Hier wurden übrigens mit der neunjährigen Quvenzhané Wallis in „Beasts of the Southern Wild“ und der 85-jährigen Emmanuelle Riva die jeweils jüngste und älteste Darstellerin aller Zeiten für einen Goldjungen nominiert.

Riva spielt dabei die Hauptrolle in Michael HanekesLiebe„, der sich sensationell über fünf Oscar-Nominierungen freuen darf, darunter nicht nur als bester nicht-englischsprachiger Film, sondern auch in der Königsklasse Bester Film. Haneke selbst wurde außerdem für Drehbuch und Regie nominiert, damit heimste die deutschsprachige Produktion um große Gefühle an der Schwelle zum Tod ausnahmslos Nominierungen in den „großen“ Kategorien ein!

Das gilt zwar auch für Kathryn Bigelows kontroversen Bin-Laden-Film „Zero Dark Thirty„, doch blieb man mit insgesamt fünf Nominierungen etwas hinter den Erwartungen zurück. Dennoch gilt Jessica Chastain bei den Hauptdarstellerinnen als große Favoritin mit ihrer vielschichtigen Darstellung der CIA-Expertin, die den US-Staatsfeind Nr. 1 verfolgte.

Auch der Western-Kracher „Django Unchained“ erhielt nur fünf Nominierungen. Überraschend ist dabei vor allem, dass Quentin Tarantino bei der Regie übergangen wurde, obwohl die brutale Abrechnung mit der Sklaverei als bester Film nominiert ist – denn meist nominiert die Academy wenn, dann in beiden Bereichen. Der stets brillante Christoph Waltz ist zwar nach seinem Sieg für „Inglourious Basterds“ erneut als Nebendarsteller nominiert, dürfte diesmal aber gegen Tommy Lee Jones den Kürzeren ziehen.

So sehr die Academy historische Stoffe liebt, so schwer tut sie sich traditionell mit dem Genre Fantasy. Das beweisen die gerade mal drei Nominierungen für den Publikumserfolg „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise„, der mal wieder „nur“ in den Nebenkategorien Makeup, Ausstattung und Spezialeffekte berücksichtigt wurde. Andererseits war es auch bei der „Herr der Ringe“-Trilogie schon so, dass der ganz große Oscar-Regen (11 Stück) erst für das Finale „Die Rückkehr des Königs“ kam. Vielleicht werden Peter Jackson & Co. also auch diesmal erst beim dritten Film für ihr erneutes Mammut-Projekt gewürdigt.

Auch ein anderer Publikumsliebling blieb hinter den Erwartungen zurück: Zwar heimste der aktuelle Bond-Film „Skyfall“ fünf Nominierungen ein, doch die gab’s auch „nur“ für Ton, Tonschnitt, Kamera, Musik und den Titelsong, den Interpretin Adele bei der Verleihung auch live performen wird. Die von vielen für Daniel Craig geforderte Nominierung als bester Hauptdarsteller blieb dagegen aus.

Trotzdem ist bei den Oscars ein 007-Mime in aller Munde, wenn auch einer älteren Semesters: Sean Connery!

Denn ein besonderes Highlight der diesjährigen Oscar-Verleihung wird anlässlich des 50. 007-Jubiläums und des großen Erfolgs von „Skyfall“ eine Hommage an die James-Bond-Reihe. „Ted„-Regisseur und „American Dad„-Macher Seth MacFarlane, der die Gala zum ersten Mal moderieren wird, präsentiert dazu eine lange Sequenz mit den berühmtesten Bond-Szenen seit „James Bond jagt Dr. No“ 1962 die Agentenreihe eröffnete. Dazu sollen sich erstmals alle bisherigen Bond-Schauspieler ein Stelldichein auf der Bühne geben – inklusive Sir Sean!

Das ist insofern eine faustdicke Überraschung als der Schotte sich nicht nur offiziell vom Filmgeschäft zurückgezogen hat, sondern auch jegliche Auftrittsgesuche rund um seine 007-Vergangenheit kategorisch absagt. Der Grund: Connery streitet seit 40 Jahren mit den Bond-Machern, weil er bei seinen sieben Agentenauftritten nach seinem Empfinden unterbezahlt und schlecht behandelt wurde. Doch diesmal könnte Sir Sean eine Ausnahme machen, meint ein Academy-Insider:

„Sir Connery hat eine offizielle Einladung erhalten, mit Daniel Craig und den anderen 007-Darstellern auf die Bühne zu kommen – und er hat noch nicht abgelehnt! Normalerweise lehnt er alles im Zusammenhang mit Bond sofort ab…“

Damit ist Sean Connery mal wieder die große Ausnahme: Während mancher in Hollywood sein Leben für eine Einladung zur Oscar-Nacht geben würden, sind die Macher bei Sir Sean schon froh, wenn er ihre Einladung nicht sofort ausschlägt – ganz nach dem Motto: Wenn er uns nicht „Nein“ sagt, dann ist das fast schon ein „Ja“ – zumindest bei Bond, James Bond…

Welche Gäste sich dann tatsächlich in der Nacht der Nächte die Ehre gaben und wer von ihnen im Morgengrauen einen der begehrten Goldjungen in den Händen hält, das zeigt sich am Sonntag, den 24. Februar. Denn dann heißt es in Hollywood wieder „And the Oscar goes to…“

Schauplatz ist dann erstmals nicht mehr das Kodak Theatre, sondern das Dolby Theatre – obwohl die Oscars nicht etwa umgezogen sind: Wegen der Pleite des bisherigen Namensgebers im letzten Jahr wurde der altbekannte Oscar-Tempel nun lediglich auf den neuen Sponsor umbenannt. Hoffentlich ein gutes Omen…

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