Das war Cannes 2009

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Christoph Waltz Poster

25 Jahre ist es her, dass mit Wim Wenders‘ „Paris, Texas“ zuletzt ein deutscher Film in Cannes mit der begehrten Goldenen Palme prämiert wurde.

Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur Bild: Kurt Krieger

Gestern gab es an der Croisette endlich wieder strahlende deutschsprachige Sieger. Die Goldene Palme ging an „Das weiße Band„, ein Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, produziert in Deutschland mit einer deutschen Schauspieler-Riege, angeführt von Ulrich Tukur, Josef Bierbichler und Burghart Klaußner. Ein formal strenges Werk in starken Schwarz-Weiß-Bildern, das von mysteriösen Vorkommnissen in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des Ersten Weltkriegs erzählt, in dem die Autorität und Strenge der dörflichen Autoritäten schleichend die Gesellschaft vergiftet. Eine Parabel auf die Mechanismen von Faschismus und Terrorismus.

Mit Christoph Waltz gab es einen weiteren glücklichen deutschsprachigen Gewinner: Der österreichische Schauspieler, der bislang vornehmlich in Fernsehrollen glänzte, wurde für seinen Part in „Inglourious Basterds“ als bester Darsteller prämiert. Zurecht, verkörpert er doch meisterhaft einen ebenso charmanten wie bedrohlichen SS-Offizier in Quentin Tarantinos neuestem Film. Er ist der Gegenspieler der „Basterds“, einem Trupp jüdischer US-Soldaten, die während des zweiten Weltkriegs Jagd auf Nazis machen, im Film angeführt von Brad Pitt.

Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase Bild: Kurt Krieger

Ekliger Schnitt im Schritt

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Am Ende besiegt das Kino selbst das Dritte Reich in diesem wunderbaren Filmmärchen, das Tarantino mit gewohnt witzigen Dialogen, einem ausgefeilten Soundtrack und jeder Menge Reminiszenzen an die Filmgeschichte angereichert hat. Neben Waltz haben in diesem in Berlin-Babelsberg gedrehten Film noch jede Menge anderer deutscher Schauspieler ihren großen Auftritt, von Til Schweiger über Diane Kruger bis Daniel Brühl.

Viele Filme des diesjährigen Cannes-Wettbewerbs strotzten nur so vor Gewalt. Der große Skandalfilm war „Der Anti-Christ“ des dänischen Regisseurs Lars von Trier, in dem sich ein Paar nach dem Tod seines Kindes in einer abgeschiedenen Waldhütte gegenseitig malträtiert - Genitalverstümmelungen inklusive. Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg brachte dieser Rolle eine Palme ein.

Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" Bild: Tobis

Wüstes Gemetzel und feiner Blumenduft

Blutig waren auch Park Chan-wooks Vampirfilm „Thirst“ und „Kinatay“ vom Philippino Brillante Mendoza, der über weite Strecken beschreibt, wie eine Prostituierte vergewaltigt, ermordet und zerteilt wird - die Jury hielt dies dennoch für preiswürdig. Auch der Kritikerliebling „Un prophète“ aus Frankreich (Großer Preis der Jury) sparte nicht mit Gewalt. Doch in der Geschichte über einen jungen Kleinkriminellen, der sich im Knast zum Gangsterboss hocharbeitet, steht sie zumindest im Dienst der Geschichte.

Ohne Gewalt, aber mit viel lakonischem Humor kommt dagegen „Looking for Eric“ von Ken Loach aus. Ein kleiner Postangestellter bekommt darin Lebenstipps von ManU-Fußballstar Eric Cantona. Ang Lee zeichnet mit „Taking Woodstock“ ein warmherziges Porträt der Hippie-Ära mit viel Liebe zum Detail, während Pedro Almodóvar sein Liebesdrama „Zerrissene Umarmungen„, das leider nicht so so gelungen ist wie sein Vorgänger „Volver„, ganz auf seine Diva Penélope Cruz angelegt hat. Das Weltkino hat eben auch 2009 viele Gesichter.

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