Christoph Schlingensief

Schauspieler • Producer • Musiker • Regisseur • Drehbuchautor • Kameramann
Christoph Schlingensief Poster
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Leben & Werk

Enfant terrible des deutschen Kulturbetriebs. Theater- und Filmregisseur Christoph Schlingensief war wahlweise TV-Messias, Talkmaster, Polit-Scharlatan, Trash-Entertainer, Aktions-Anarchist genannt worden und als Parteiengründer (Chance 2000) der unterhaltsamste Lausbub der Medienlandschaft. Sein Konzept war der Eklat, seine Botschaften sind umstritten, seine Aktionen provokativ geplant und seine Filme waren Anschläge auf Geschmack und bürgerliches Kulturbewusstsein, das er subversiv zu unterlaufen versucht. Geprägt war Schlingensief von seiner streng katholischen Erziehung, die ihn dazu brachte, Beate Uhse im TV-Talk für den Porno-Betrieb und für Aids verantwortlich zu machen.

Schlingensief wurde 1960 in Oberhausen geboren, drehte Kurzfilme auf Super-8, studierte sechs Semester deutsche Philologie in München und war 1983-86 Assistent von Avantgardefilmer Werner Nekes, was ihm Lehraufträge in Düsseldorf und Offenbach/Main einbrachte. Seine ersten Spielfilme „Tunguska“, „Menu Total„, „Egomania“ und „Mutters Maske“ waren vom Experimantalfilm geprägt und liefen auf Festivals. Seine auf 16mm gedrehte „Deutschland“-Trilogie „100 Jahre Adolf Hitler – Die letzten Stunden im Führerbunker“, „Das deutsche Kettensägenmassaker“ und „Terror 2000 – Intensivstation Deutschland“ (1989-1992) waren so absurde wie bitterböse Unternehmen gegen deutsch-deutschen Ungeist. 1995 inszenierte er mit Pornostar Francesca Kitten Natividad und Udo Kier in Afrika die Groteske „United Trash (Die Spalte)“ und 1997 mit Fassbinder-Schauspielern in Berlin die Film-im-Film-Parodie und Pasolini-Hommage „Die 120 Tage von Bottrop„. Sein „Ausländer raus!“ (2001) war der Versuch, Reality-TV à la „Big Brother“ politisch aufzuladen: Zwölf Asylanten wurden in einen Container in der Wiener Innenstadt gesteckt.

Als „documenta“-Provokateur („Tötet Helmut Kohl“) wurde er in Handschellen abgeführt. Als Parteigründer wollte er vier Millionen Arbeitslose zum gemeinsamen Bad im Bodensee bringen, damit der überläuft und Kohls Villa überflutet. Der Kulturbetrieb vereinnahmte den seit 1993 auf vornehmlich Berliner Bühnen inszenierenden Schlingensief trotzdem: Sein Bayreuther „Parsifal“ scheiterte, weil er nicht provozierte. Dafür trieb er als unvorbereiteter Talkmaster seine Gäste in die Flucht: O-Ton Ingrid Steeger, in „Talk 2000“ an ihn gerichtet: „Lecken Sie mich am Arsch, dummer Wichtigtuer!“

Christoph Schlingensief starb am 21. August 2010 an den Folgen einer Krebserkrankung.

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