Christian Ulmen

Christian Ulmen

Leben & Werk

Die stets ein wenig niedergeschlagenen Augenlider verdecken den Spott, mit dem er die Welt sieht, und die phlegmatischen Bewegungen, die plötzlich in hektisches Armkreisen verfallen, betonen die Ruhe vor dem Sturm, mit dem er Gäste und Gegner überfällt.

Christian Ulmen wurde als lakonischer Querkopf, “Gernegroß und Gerneschlau” (Ulmen) deutsche Ikone des Musiksenders MTV und bewies im Kino sein Talent als Komiker mit Hinterlist.Sein Thekenkönig und schrulliger Kreuzberger Frank, den alle “Herr Lehmann” nennen und der sich auf dem Trottoir mit einem Hund um einen Flachmann streitet, ist in Leander Haußmanns Verfilmung von Sven Regeners Kultroman eine kongeniale Umsetzung des heiligen Trinkers und bescherte Ulmen 2004 den Bayerischen Filmpreis als Bester Darsteller.

Ulmen wurde 1975 in Neuwied geboren, wuchs in Hamburg auf und verfasste von 1988 bis1994 Beiträge für die dortigen Lokalsender, was ihm 1992 den Junior-Reporter-Preis einbrachte. 1994/95 für die RTL-Kindersendung “Disney & Co” tätig, wurde Ulmen seit 1996 bei MTV erst Geheimtipp, dann Kult: Sein Special “Unter Ulmen” (2000-2003) fiel durch unkonventionelle Interviews, Beiträge mit versteckter Kamera, witzige Rollenspiele und Respektlosigkeit gegenüber Stars auf, deren Fotos er locker vom Tisch fegte, nachdem er ihnen wochenlang gehuldigt hatte.

Der Spaß an Verkleidungen und Streichen im Reality-Format führte zur nach acht Episoden abgesetzten Pro7-Reihe “Mein neuer Freund”, die nach Zuschauerprotesten von MTV übernommen wurde. Zwei Jahre lang verfasste Ulmen für das Magazin “Die Zeit” Kolumnen als Medienkritiker mit Alltagspoesie in der Feder.

Den ersten schauspielerischen Versuchen als arroganter Musikjournalist in “Verschwende deine Jugend” folgte mit der Verfilmung von Sven Regeners “Herr Lehmann” der Durchbruch. Mit lakonisch liebenswerter Loser-Attitüde, die das Leben mit gedrosseltem Tempo angeht, war Ulmen in Doris DörriesDer Fischer und seine Frau” Gegenpart zur hektischen Ehe- und Karrierefrau (Alexandra Maria Lara). Im Fußballfilm “FC Venus” spielte Ulmen an der Seite von Nora Tschirner, ehemalige MTV-Kollegin. Einen ersten wirklich bemerkenswerten Auftritt in einem Fernsehfilm hatte er 2005 in der Kriminalreihe “Rosa Roth”. An der Seite von Iris Berben spielte er in der Folge “Flucht nach vorn” einen Dorfpolizisten mit düsterem Geheimnis. 2006 übernahm er die Titelrolle in der Comedy-Version des Märchens vom “Hans im Glück”.

Richtig ernst genommen als Kino-Darsteller wurde Ulmen spätestens seit seinem Auftritt als verstörter Genetiker in der Bestsellerverfilmung “Elementarteilchen” nach Michal Houellebecq. Mit “Maria, ihm schmeckt’s nicht”, “Männerherzen 1 & 2″ und “Jerry Cotton” feierte er Erfolge im Komödienfach und etablierte sich mehr und mehr als Mainstream-Komödiant, erhielt sogar einen Gastauftritt in “Wickie 2″.

Daneben findet Ulmen aber auch immer wieder Zeit für kleinere Projekte wie “Einer wie Bruno“, “Vater Morgana” oder “Hochzeitspolka” sowie aktuell sein Regiedebüt “Jonas”, in dem er als 18-jähriger Sitzenbleiber wieder die Schulbank drückt – Parallelen zur Feuerzangenbowle sind durchaus beabsichtigt, allerdings hat das Mockumentary-Format einen deutlich anderen Ansatz, der an Ulmens Auftritte in “Mein neuer Freund” erinnert.

2008 gewann Christian Ulmen als peinlicher aber effektiver Polizeipsychologe “Dr. Psycho” den Grimme-Preis. Ulmen lebt in Berlin.

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