Christian Petzold

Schauspieler • Regisseur • Drehbuchautor
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Leben & Werk

Stilbewusster und stilsicherer Autorenfilmer, dessen Arbeiten von formaler Strenge und ästhetisch arrangierten Szenen geprägt sind. Der Formalismus von Christian Petzold resultiert aus der Überlegung, dass das tägliche Regelwerk, dem seine Personen unterworfen sind, Zwänge ausübt, die sich in ritualisierten Handlungen niederschlagen. Die fängt Petzold adäquat mit langen, teils statischen, teils die Personen umkreisenden Kameraeinstellungen ein. Petzolds intellektuelles Kino weist erzählerisch immer einen melancholischen Grundton auf, der mit raffinierten Plot-Konstruktionen und der Methode bewusster Aussparungen und Verdichtungen in seinen besten Momenten eine intensive Sogwirkung erzeugt, so in „Pilotinnen“, „Cuba Libre“ und seinen Meisterwerken „Die innere Sicherheit“ und „Wolfsburg“, Filme von eiskalter Klarsicht. Andererseits können seine Studien über Einsamkeit, Entfremdung und Rache in leblose, unterkühlte, weitschweifige und redundante Charakterstudien abdriften, so „Die Beischlafdiebin„, „Toter Mann“ und „Gespenster„, sein artifiziellster Film.

Christian Petzold wurde 1960 in Hilden geboren, wuchs in Haan, einer Schlafstadt zwischen Wuppertal, Solingen und Düsseldorf auf, leistete seinen Zivildienst in einem Filmclub des örtlichen CVJM und zog 1982 nach Berlin. Er studierte Germanistik und Theaterwissenschaften, arbeitete für den SFB und für Zeitungen als Filmkritiker, schrieb seine Magisterarbeit über den Dichter Rolf-Dieter Brinkmann, studierte von 1988-1994 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Sein Abschlussfilm „Pilotinnen“ kreist um zwei Vertreterinnen einer Kosmetikfirma, die träumen, Stewardessen zu werden, „Cuba Libre“ führt ein Liebespaar nach Jahren wieder zusammen, in „Wolfsburg“ (eine kluge Variation von Claude Chabrols „Das Biest muss sterben“) nähert sich ein Mann der Frau, deren Sohn er überfahren hat, in „Toter Mann“ rächt sich eine junge Frau am Mörder ihrer Schwester, in „Gespenster“ sucht eine Frau ihre Tochter, die sie in einer jungen Asozialen zu erkennen glaubt. Petzolds Meisterwerk „Die innere Sicherheit“ (Bundesfilmpreis 2001 als Bester Film) führt ein ehemaliges Terroristenpaar mit pubertierender Tochter nach Deutschland zurück. Zwischen Lebenslügen, verflogenen Idealen, Verrat und erster Liebe entsteht ein kunstvolles Geflecht aus Politdrama und Pubertätsstudie, konsequent erzählt aus der Perspektive des Mädchens.

In Rosa von Praunheims Porträt „Wer ist Helene Schwarz?“ über die ehemalige Sekretärin der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) erinnerte er sich mit Filmkollegen wie Wolfgang Becker und Detlev Buck an die einnehmende Art von Helene Schwarz. Mit „Yella“ inszenierte Christian Petzold nach „Die innere Sicherheit“ und „Gespenster“ den dritten Teil seiner Gespenster-Trilogie. Wie bei den Vorgängern ging es um eine Frau, die ihren Platz im Leben sucht. Yella verlässt ihren Mann und Ostdeutschland und trifft im Westen auf Philipp, in dessem aufstrebenden Unternehmen sie als Assistentin anfängt. Nina Hoss erhielt für ihre Darstellung der Hauptfigur den Silbernen Bären auf der Berlinale 2007.

Der zweimalige Adolf Grimme-Preisträger ist mit der türkischen Dokumentarfilmerin Aysun Bademsoy verheiratet und hat zwei Kinder. Petzold förderte mit seinen Filmen u.a. die Karrieren von Nina Hoss, Nadeshda Brennicke, Julia Hummer, Benno Führmann und Richy Müller. Petzold: „Ich versuche, die Architektur von so etwas wie Liebe und Schuld zu filmen… Fast 99 Prozent aller Filme erzählen im Grunde genommen Ausnahmezustände.“

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