Seit Jahren führen Kostümfilme die Kinozuschauer in die Vergangenheit. Hochgetürmte Frisuren, gepuderte Perücken und wallende Reifröcke sind für die wenigen Stunden auf der Kinoleinwand so wunderbar romantisch.

In "Marie Antoinette" mit Kirsten Dunst spielen Kostüme die Hauptrolle Bild: Sony Pictures

Der Klassiker stammt aus dem Jahr 1939: „Vom Winde verweht“ mit Clark Gable und Vivien Leigh. Vor dem Hintergrund des amerikanische Bürgerkriegs sprüht der Film vor Drama und Romantik.

Seitdem haben wir vor allem Jane Austen die verträumte Vorstellung des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Die Traumfabrik hat ihre Bücher in wunderbare Filme wie „Emma“ mit Gwyneth Paltrow, „Sinn und Sinnlichkeit“ mit Emma Thompson und „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley verwandelt. Alle drei Dramen durften sich über Oscar-Nominierungen freuen. Emma Thompson nahm sogar für das Drehbuch einen Goldjungen entgegen.

Bekam mit 26 Jahren den Oscar für "Shakespeare in Love": Gwyneth Paltrow Bild: UIP

Im Korsett zum Oscar

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10 Hollywood-Stars, die für ihre Rolle stark zunehmen mussten

Dass Historienfilme immer wieder mit Auszeichnungen rechnen dürfen, zeigte auch „Shakespeare in Love„. Gleich siebenmal wurde der Film von der Academy geehrt. Gwyneth Paltrow angelte sich die goldene Statue als beste Hauptdarstellerin und Dame Judi Dench nahm mit nur einem achtminütigen Auftritt als Königin Elizabeth den Oscar als beste Nebendarstellerin mit nach Hause.

Der Spitzenreiter ist aber „Vom Winde verweht“. Das Drama wurde 1939 mit acht Goldstatuen ausgezeichnet und dann gibt es da natürlich noch den großen Erfolgshit von 1997, „Titanic„, mit elf Oscars geehrt - wenn man das Drama, das 1919 spielt, noch zu den Kostümfilmen zählen will. Historienfilme berühren also nicht nur das Kinopublikum, sondern auch die Kritiker. So ist es nicht verwunderlich, dass das Genre auch weiterhin Furore macht.

Rauschende Reifröcke und dicke Hintern

Ins Venedig des 18. Jahrhunderts führt "Casanova" sein Publikum Bild: Buena Vista

Nun bahnt sich ein neuer Kostümfilm seinen Weg ins Kino. Sofia Coppola bringt „Marie Antoinette“ mit Kirsten Dunst auf die Leinwand und zeigt, wie eine naive, 14-jährige österreichische Prinzessin zur französischen Legende wurde. Dass dabei auch die Kostüme eine zentrale Rolle spielen würden, war der „Lost in Translation„-Regisseurin von Anfang an klar.

Denn Marie Antoinette war für ihre aufwändigen Kleider bekannt. Mit ihren pompösen Kostümen wollte sie ihre Autorität verstärken. Bei jedem Historienfilm stehen vor allem die opulenten Gewänder im Mittelpunkt. Sind diese nicht authentisch und vermitteln kein Gefühl für die Epoche, hat der Film oft schon seine Wirkung verspielt. Auch wenn sich kaum eine Schauspielerin gerne in ein Korsett zwängt, ist dies meist das wichtigste Kleidungsstück einer Frau in historischen Filmen. So beklagte sich Sienna Miller bei den Dreharbeiten zu „Casanova„, dass sie sich aufgrund des Mieders nicht zurücklehnen konnte, Kollege Heath Ledger sie außerdem ständig neckte und ihr den Spitznamen „der dicke Hintern“ verpasste.

Für Jane Austens "Stolz und Vorurteil" mit Matthew MacFadyen wurde Keira Knightley für den Oscar nominiert Bild: UIP

Jede Epoche hat ihren Film

Vor allem für die Kostümbildner sind Filme, die in einer anderen Epoche spielen, eine Herausforderung. Sie müssen bestens über die Zeit Bescheid wissen, um die Darsteller mit den richtigen Kleidern auszustatten, und nehmen dabei oft lange Recherchen auf sich. Jedoch kommt es immer wieder vor, dass die historische Korrektheit von Kostümen an den Vorstellungen Hollywoods scheitert und viel mehr Prunk und Seide verwendet wird, als damals üblich war.

Weil sich Hollywood aber nicht nur an einer Epoche festgefahren hat - hat jede Zeit ihre eigenen Filme. Um nur einige zu nennen: Die märchenhafte Geschichte „Auf immer und ewig“ mit Drew Barrymore spielt im 16. Jahrhundert, genau wie „Elizabeth“ mit Cate Blanchett und der preisgekrönte „Shakespeare in Love“. Im 17. Jahrhundert spielen zum Beispiel „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ mit Scarlett Johansson und „Stage Beauty“ mit Claire Danes. Bei „Fluch der Karibik„, „Sleepy Hollow“ und „Casanova“ befindet der Zuseher sich im 18. Jahrhundert, und Jane Austens „Emma“, und „Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit“ mit Reese Witherspoon führen uns in die Zeit des 19. Jahrhunderts.

Der Klassiker: "Vom Winde verweht" Bild: MGM

Die Geschichte lebt weiter

Auch die kommenden Kinofilme geizen nicht mit Historischem. So stehen Christian Bale und Hugh Jackman als Magier in „The Prestige“ in den Startlöchern. Kevin Kline versucht sich an Shakespeares „As you like it“, Anne Hathaway wird zu der Autorin des 19. Jahrhunderts in „Becoming Jane (Austen)„und Eric Bana, Scarlett Johansson und Natalie Portman begeben sich für „The Other Boleyn Girl“ zurück in die Regierungszeit von Henry VIII. nach England.

Das Interesse an Historienfilmen ist also noch lange nicht abgeflaut - seien es die wunderbare Romantik in vielen Filmen, die spannenden Handlungen oder die opulenten Kostüme, die mittlerweile auch die Modewelt zur Inspiration nützt - Kostümfilme bleiben der Renner. Und einige Schauspieler sind dabei Wiederholungstäter. So schlüpfen vor allem Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Joseph Fiennes, Scarlett Johansson und Johnny Depp gerne in historische Gewänder.

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