Chloë Sevigny

Schauspieler • Kostümbildner
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Leben & Werk

Zwei Küsse umrahmen ihre Filmkarriere: In „Kids“ der lange intensive Zungenkuss mit einem Girlie-Killer und in „The Brown Bunny“ der ausgedehnte Oralsex mit Vincent Gallo. Beide Filme sorgten für Aufsehen, der erste als umstrittener „Kinderporno“, der zweite als lähmender Ego-Trip des Regisseurs Gallo, der nach allgemeinem Unmut in Cannes 2003 seinen Film zurückzog.

Chloë Sevigny, deren ausgeprägte Augenschatten ihr stets ein Flair von Melancholie und Lolita-Verruchtheit geben, gehört zu den weiblichen Ikonen des US-Independent-Kinos und debütierte 1995 in Larry Clarks „Kids“ als Jennie, die nach dem ersten ungeschützten Sex mit Aids infiziert wird, ihren „Todesengel“ sucht und ihn mit einer Freundin im Bett findet. In Steve Buscemis Regiedebüt „Trees Lounge“ (1996) war sie die jugendliche Freundin des arbeitslosen Tommy, die den Absprung aus der Provinz wagt und nach New York zieht. In Whit Stillmans „Last Days of Disco“ (1998) gehörte sie zu den drei jungen Frauen einer WG, die Anfang der 80er-Jahre nach dem College in einem Verlag arbeiten und auf der Suche nach Zerstreuung den angesagten New Yorker Club „Studio 54“ aufsuchen und dort mit einer Clique Harvard-Abgänger anbändeln: Wieder wird Sevigny als Alice im Clubland beim ersten sexuellen Abenteuer geschlechtskrank. Und wieder taucht sie in „Party Monster“ (2002) in die Club-Szene New Yorks ein, diesmal in die Welt der Transsexuellen und Transvestiten.

Für ihren Part als Lana in „Boys Don’t Cry“ (1999), wo sie sich in die als Mann auftretende Brandon Teena (Hilary Swank) verliebt, wurde Sevigny 2000 für den Oscar und den Golden Globe nominiert. Sevigny war die Schauspielerin, die in Jim Jarmuschs Beitrag zur Kurzfilmsammlung „Ten Minutes Older: The Trumpet“ (2002) die Schauspielerin im Wohnwagen spielt, die keine Pausenruhe findet, und trat auch in Jim Jarmuschs „Broken Flowers“ (2005) auf, in dem Bill Murray verflossene Liebschaften aufsucht. Für „Melinda und Melinda“ (2004) trat sie auch für Woody Allen vor die Kamera.

Sevignys erste europäische Produktion wurde „Demonlover“ (2002) von Olivier Assayas: Als Elise gehört sie zu den Angestellten eines Konzerns, der die Industriespionin Diane manipuliert. Sevigny fiel auf, wie sehr die amerikanischen Regisseure jeden Dialogsatz penibel durchgehen und proben, während sich Assayas auf gelegentliche Aussprachekorrekturen beschränkte. In die Mühlen des dänischen Regiemeisters Lars von Trier gelangte sie in „Dogville“ (2003), wo sie als Liz Henson vom jungen Tom verehrt wird, bevor Grace (Nicole Kidman) im Städtchen auftaucht. Auch für das Sequel „Manderlay“ (2005) war Sevigny wieder mit von der Partie.

Sevigny wurde in Springfield, Massachusetts, geboren und flüchtete wie ihre Jennie aus „Kids“ sobald sie den Führerschein hatte nach New York, fand dort Anschluss an eine Gruppe Kids um den Washington Square und jobbte als Redaktionsassistentin bei einem Modemagazin. Nach dem Erfolg von „Kids“ avancierte sie zum Covergirl mit dem Spitznamen „Carrottop Chloe“ und wurde in Ahnung ihrer kommenden Karriere als „It-Girl“ (Anspielung auf den Stummfilmstar Clara Bow) tituliert und bereits als die Ikone gehandelt, die sie tatsächlich wurde.

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