Catherine Breillat

Schauspielerin • Sprecherin • Regisseurin • Drehbuchautorin
Catherine Breillat Poster

Leben & Werk

Französische Regisseurin, Drehbuchautorin, Schriftstellerin und Schauspielerin. Die wichtigste französische Regisseurin ihrer Generation, formuliert Catherine Breillat bei der Erforschung weiblicher Wünsche und erotischer Begierden einen ganz eigenen Themenkosmos bei dem es mal um rivalisierende Schwestern, zerstörerische Familienbande und immer um gesellschaftlich begründete Abhängigkeiten und Machtkämpfe zwischen den Geschlechtern geht. Ihre Themen variiert sie in Romanen („Pornokratie„), danach entstandenen Filmen (Lolita 90“) und in eigenwilligen Literaturadaptionen („Die letzte Mätresse„). Breillat, die ihr Leben und das von Freunden als Inspirationsquelle nutzt, ist eine Ausnahmeerscheinung, weil sie sich weder vom dogmatischen Feminismus in Fragen sexueller Freizügigkeit, noch von Tabus und Grenzen von Erotik und Pornographie vereinnahmen lässt.

Breillat pflegt inszenatorisch ein Verfahren, das in distanzierenden Einstellungen die reflektierende Sicht unterstreicht, und in ausdauernden Dialogpassagen ohne Schnitt konzentrierte Schauspieler und Zuschauer fordert. Höhepunkt des Stils, der ein Äquivalent zur Schönheit und Gewaltigkeit des sexuellen Akts darstellt, ist die viertelstündige Entjungferungsszene mit Lieblingsschauspielerin Roxane Mesquida in „Meine Schwester“ (2001). Über die schwierigen Dreharbeiten zum Film drehte sie 2002 ihre einzige Komödie „Sex is Comedy„, mit Anne Parillaud in der Rolle der Regisseurin (Breillat). Nach einem Schlaganfall, der 2004 einen fünfmonatigen Klinikaufenthalt und lange Rehabilitationszeit erforderte, kehrte sie mit ihrem ersten Kostümfilm „Die letzte Mätresse“ (Asia Argento in der Titelrolle), der 2007 am Wettbewerb in Cannes teilnahm, zur Regie zurück. Breillat inszenierte zwischen 1976 und 2009 dreizehn Spielfilme. Nach der Deutung des Blaubart-Mythos in „Barbe Bleue“ (2008), in der der frauenverschlingende Ritter von einer Jungfrau enthauptet wird, kehrt sie mit dem nach ihrem Roman (2007) entstandenen „Bad Love“ (2009, mit Naomi Campbell) in die Gegenwart zurück.

Catherine Breillat wurde 1948 in Bressuire, Region Deux-Sèvres, Poitou-Charente, geboren. Mit sechzehn Jahren brach sie aus dem strengen Elternhaus aus, ging mit ihrer Schwester Marie-Hélène nach Paris und schrieb 1965 den Roman „L’homme facile“, der als nicht jugendfrei eingestuft wurde. Sie trat mit ihrer Schwester in Bernardo BertoluccisDer letzte Tango in Paris“ und „Die Herren Dracula“ auf, schrieb Drehbücher und inszenierte 1976 ihren ersten Spielfilm „Ein Mädchen“, dessen Hauptfigur intensiv und herausfordernd ihren Körper und ihre Wirkung auf Männer erforscht. Der Film wurde verboten und erst 2000 wieder freigegeben. Der kommerzielle Misserfolg von „Tapage Nocturne“ (1979) bedeutete eine achtjährige Filmpause. Mit „Lolita ’90“ nahm sie 1988 die Filmarbeit wieder auf und sorgte mit der Geschichte der 18-jährigen Lili, die will, dass ES endlich passiert, für einen Skandal. Der Thriller „Schmutziger Engel“ (1991) schildert den Alltag von Polizisten, wie Bertrand Tavernier in „Auf offener Straße“ (1992).

Für „Romance“ (1999), die Geschichte einer vom Partner unbefriedigten jungen Lehrerin (Caroline Ducey), die ihre Phantasien mit anderen Männern auslebt, engagierte sie Hardcore-Darsteller Rocco Siffredi, der in „Anatomie de l’enfer“ (2004), Adaption ihres Romans „Pornocratie“, an der Seite von Amira Casar in einem auf vier Nächte verteilten klaustrophobischen Kammerspiel um Lust und Schmerz spielt.

Catherine Breillat wurde 1988 für „Lolita ’90“ mit dem Goldenen Leoparden von Locarno, und für „Meine Schwester“ 2001 in Berlin, Cannes, Chicago, Telluride und Rotterdam ausgezeichnet.

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