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Leben & Werk

In die Filmgeschichte eingegangen ist er als Regisseur verschlüsselt kritischer Filme, die sich mit dem Franco-Regime in Spanien und der Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg auseinandersetzen. Bekannt und populär wurde er jedoch mit einer Reihe von Tanzfilmen wie „Carmen“, die den Flamenco und den Tango feiern.

Carlos Saura, 1932 geboren, arbeitete als Fotograf und studierte in Madrid Film, wo er 1955 zu einer Gruppe junger Filmemacher stieß, die die vorherrschenden Melodramen und Komödien der Industrie ablehnten und ein Kino in der Art des Neorealismus forderten. Die zeitweilige Liberalisierung des damaligen Spanien (Tourismus, EWG-Beitritt) ermöglichte Saura seinen Regieerstling „Los golfos“, einen neo-veristischen Film um Straßenjungen. Doch erst nach dem Banditenfilm „Cordoba“ (mit Francisco Rabal und Lino Ventura), in dem Sauras Vorbild Luis Buñuel einen Henker spielte, begann mit „Die Jagd“ und vor allem „Peppermint Frappé“ 1965/67 die zehnjährige Periode, in der Saura beißende Kritik an Bürgertum, Oberschicht, Adel, Militär und Klerus übte. Trotz teilweise verschlüsselter Szenen ist die Anklage so deutlich, dass Saura häufig Probleme mit der Zensur bekam. Die Filme, teils als schwarze Komödien über Sexualität, Macht und Religion angelegt, führten zu Protesten der Kinobesucher, in Barcelona wurde eine Bombe geworfen.

In fast allen Filmen dieser Jahre, zu denen Saura auch das Buch schrieb, spielte seine langjährige Lebensgefährtin Geraldine Chaplin, Charlie Chaplins Tochter, die Hauptrolle. Von den Filmen ist aus heutiger Sicht „Anna und die Wölfe“ (1972), in dem Chaplin als Stubenmädchen nacheinander von ihrem Arbeitgeber, von einem General und von einem Bischof vergewaltigt wird, der deutlichste und bedeutendste. Fast alle Filme wurden auf Festivals ausgezeichnet. Der Schlager „Porque te vas“ aus dem Film „Züchte Raben“ (1975), in dem die junge Ana Torent („Tesis„) als Tochter von Chaplin Todesvisionen hat, wurde ein populärer Hit. 1980 erhielt Saura, nach dem Ende der Franco-Zeit auf der Suche nach neuen Stoffen, für „Los, Tempo!“, einem Film über terroristische Straßenbanden in Madrid, den „Goldene Bären“ der Berlinale. Mit „Bluthochzeit“, „Carmen“ (Cannes 1983: Preis für den besten künstlerischen Beitrag), „Liebeszauber„, „Flamenco„, „Sevillana“ und „Tango“ entstanden, teils als Dokumentationen, Filme, die Sauras Leidenschaft für den Flamenco und den Tango belegen. Mit seinem Kameramann Teo Escamilla entwickelte er Perspektiven und Fahrten, die vor allem in den Flamenco-Filmen die Schritte und Paar-Interaktionen kongenial einfangen.

Seinen größten Erfolg errang Saura 1989 mit „Ay, Carmela!“, einer Geschichte von Schauspielern im Bürgerkrieg, die neun Mal den spanischen Filmpreis „Goya“ (u.a. für den Film und die Hauptdarstellerin Carmen Maura, bekannt aus den Filmen von Pedro Almodóvar) gewann. 1999 entstand mit „Goya in Burdos“ ein biografischer Film über den Maler, der zeitlich an Konrad Wolfs berühmten „Goya“-Film von 1972 anschließt.

Für seine Spezialeffekte ebenfalls mit dem Goya und dem Preis für den besten künstlerischen Beitrag auf dem Montréaler Filmfestival ausgezeichnet, inszenierte Sauro mit „Buñuel y la mesa del rey Salomon“ (2001) keine Biografie über Buñuel, sondern die Geschichte eines Regisseurs von heute. Pere Arquillue und Gran Wyoming übernahmen den jungen und alten Protagonisten. Nach „Salomé“ (2002) drehte er drei Jahre später mit „Iberia“ einen weiteren perfekt und elegant gemachten Tanzfilm, der auf einer Piano-Suite von Isaac Albéniz basiert. 2004 durfte er den Europäischer Filmpreis für sein Lebenswerk in Empfang nehmen und vervollständigte 2007 in seiner uneingeschränkten Schaffensfreude mit „Fados“ die Trilogie moderner Musikstile („Flamenco“ und „Tango“ als Vorgänger).

Der mit Adela Medrano und Mercedes Pérez verheiratet Sauro hat fünf Kinder. Aus seiner langjährigen Beziehung zu Geraldine Chaplin entstand der 1974 geborene Sohn Shane.

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