Carl Franklin

Schauspieler • Regisseur • Drehbuchautor

Leben & Werk

Thriller in der Tradition des Film Noir und Interaktionsgeschichten, die in die Genrefilme unerwartete dramatische und psychologische Tiefendimension bringen, zeichnen das Werk des schwarzen Regisseurs Carl Franklin aus, dem vor allem in der Zusammenarbeit mit Denzel Washington in „Teufel in Blau“ und „Out of Time“ abgründige Spannung gelang. Franklin ist über den Suspense hinaus interessiert an Partner- und Ehebeziehungen, am raffinierten Spiel mit Illusionen und Finten im privaten Bereich, was sich in den Kriminalfällen spiegelt. Mindestens eine seiner Figuren bringt ein handlungsentscheidendes Trauma aus der Vergangenheit ein.

Franklin wurde 1949 geboren, studierte ursprünglich Theaterwissenschaften und trat als Schauspieler auf der Bühne und in TV-Filmen auf, bevor er ab 1986 am American Film Institute studierte. Er schloss mit dem M.A. in Regie ab und wurde während der Vorführung des Abschlussfilms „Punk“ (1989) angesprochen, die Regie für den Film Noir „One False Move“ (1992) zu übernehmen, der von drei drogenabhängigen Soziopathen erzählt, die eine Familie ermorden, fliehen und einem Sheriff begegnen, der die Frau im Trio (Cynda Williams) kennt und ein Kind mit ihr hat. Wie in späteren Thrillern wird ein verlassenes Haus Schauplatz des Showdowns. Der Film erhielt den Independent Film Spirit Award für die beste Regie, den MTV Movie Award für den besten Nachwuchsfilmer und den New Generation Award der Los Angeles Film Critics Association.

In die Major League der Regisseure stieß Franklin mit der Verfilmung von Walter Mosleys Krimi „Teufel in Blau“ vor, der für die Geschichte des schwarzen Teils von Los Angeles das ist, was Roman Polanskis „Chinatown“ für die des weißen L.A. war. Denzel Washington nimmt als Kriegsheimkehrer Easy Rawlins 1948 aus Finanznot die Rolle eines Amateurdetektivs an, gerät in einen Dschungel aus Mord, Korruption, Rassismus und einem abgrundtiefen Geheimnis, hinter dem eine schöne weiße Frau (Jennifer Beals) steht, die ein Faible für Schwarze besitzt. Washington als schwarzer J.J. Gittes bzw. Philip Marlowe gelang eine der besten Leistungen in dem stilistisch durchgearbeiteten Genrefilm.

Dem Thema Familie war „Familiensache“ verpflichtet, in dem Renée Zellweger als angehende Journalistin Ellen ins ländliche New Jersey zurückkehrt, weil die Mutter (Meryl Streep) an Krebs erkrankt ist. Sie erkennt, dass der abgöttisch verehrte Vater, ein Literaturprofessor (William Hurt), sich nie in das Leben der Familie integriert hat, noch an seinem ersten Roman schreibt und zum heimlichen Trinker wurde. Wie Zellweger spielte Ashley Judd im Justizdrama „High Crimes“ eine Frau, die um einen Mann kämpft. Vor einem Militärgericht verteidigt sie ihren Ehemann, der angeklagt ist, unschuldige Zivilisten erschossen zu haben.

Zu den Wurzeln des Film Noir kehrte Franklin mit „Out of Time“ zurück. Denzel Washington gerät als respektierter Polizeichef Whitlock in Florida in den Verdacht, Mörder seiner Geliebten und deren Ehemannes zu sein und muss im Wettlauf mit der Zeit gegen die von seiner Ex-Gattin (Eva Mendes) geleiteten Ermittlungen, das FBI, das ans veruntreute Drogengeld will, und das nur scheinbar tote Paar antreten. Mit dem extrem spannenden, rasant geschnittenen und erotischen Thriller war Franklin 2003 wieder auf der Höhe der Regiekunst. Franklin über Genrefilme: „Ich bin mir nicht sicher, ob man die Spielregeln der Gattung verändern und auf eine Weise erneuern kann, die den Zuschauer über die Entwicklung der Story im Dunkeln lässt.“ Denn trotz aller Rätsel behält man bei Franklin immer die Übersicht.

Filme und Serien

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