Leben & Werk

Amerikanischer Choreograph und Regisseur (1895-1976). Einer der innovativsten Choreographen aller Zeiten, beherrschte Busby Berkeley mit den für Warner Brothers entstandenen Musicals die 30er-Jahre. Es gab in dem Jahrzehnt praktisch kein Musical, an dem er nicht beteiligt war. Berkeley kam vom Theater, war aber unzufrieden mit den statischen Inszenierungen der Shows und brachte Bewegung in Tänze und Tänzer, die er mit der durch Kranfahrten äußerst beweglichen Studiokamera koordinierte, eine sensationelle Neuerung, die die meisten seiner Filmmusicals zu Kassenerfolgen machte. Berkeley studierte, teilweise mit 150 Tänzern, Musical-Nummern ein, die als gigantische geometrische Muster ein Kaleidoskop von Showgirls bildeten. In den 40er-Jahren erlosch sein Stern, er wurde von Gene Kelly und Stanley Donen abgelöst, arbeitete vereinzelt bis 1962, zuletzt 1971, am Broadway. In den späten 60er-Jahren wurde er wiederentdeckt.

Berkeley führte zahlreiche Neuerungen in der Produktionstechnik ein. So plante er jede Szene aus der Perspektive der Kamera so exakt, dass die Cutter nur noch die einzelnen Filmteile aneinanderkleben mussten. Er verwendete statt der üblichen vier oder fünf Kameras nur eine einzige, die ständig in Bewegung war, schwenkte, den Blickwinkel veränderte und durch die Beine leicht bekleideter langbeiniger Showgirls fuhr, die auf rotierenden Flächen standen, an Brunnen lehnten, unter Wasserfällen tanzten oder, in „42nd Street“, einzigartige Hymne an das urbane Großstadtleben, die Kulisse in einen Rausch aus Tanz, Bewegung und Musik verwandelten. Der Berkeley-Kaleidoskop-Effekt, bei dem Tänzer unter einer direkt über oder unter ihnen angebrachten Kamera tanzen, war in fast allen seinen Filmen zu finden. Menschen wurden Teil einer beweglichen geometrischen Struktur, den Massenchoreographien Leni Riefenstahls vergleichbar, die wahrscheinlich von ihm beeinflusst war (Prominente des Dritten Reichs konnten die fürs Publikum verbotenen Filme sehen). Zu den Stars, mit denen Berkeley arbeitete, gehörten Dolores Del Rio, Betty Grable, Judy Garland, Mickey Rooney, Dick Powell, Ann Miller, Joan Blondell, Gene Kelly und Schwimm-Star Esther Williams („Million Dollar Mermaid“). Berkeleys ideale Tänzerin war Ruby Keeler, die in vier Musicals („42nd Street“, „Gold Diggers of 1933“, „Footlight Parade“, „Dames“) die Hauptrolle spielte. 1971 tanzte sie in seiner Broadway-Inszenierung von „No, No, Nanette“.

Busby Berkeley (William Berkeley Enos) wurde in Los Angeles geboren, war im Ersten Weltkrieg Artillerieleutnant, der in der Etappe Paraden einstudierte, in den 20er-Jahren durch Florenz Ziegfeld zum Theater kam und ein berühmter Bühnenregisseur wurde. Samuel Goldwyn holte ihn, um für MGM die Shownummern von „Whoopee“ und „Roman Scandals“ einzustudieren. Unzufrieden mit den Produktionsbedingungen, wechselte er zu Warners, für die Daryl F. Zanuck „42nd Street“ produzierte, und revolutionierte das Genre, erfand das Backstage-Musical. Für „The Wizard of Oz“ choreographierte er den Tanz der Vogelscheuche. 1939 unternahm er mit „They Made Me a Criminal“ einen Abstecher in den Gangsterfilm. In den 40er-Jahren führte er die Regie bei den musikalischen Kleinstadtkomödien mit Garland und Rooney. Seine letzten Arbeiten waren die Shownummern für „Rose Marie“ und den in der 30er-Jahren spielenden Zirkusfilm „Billy Rose’s Jumbo“ (beide für MGM), mit Doris Day.

Busby Berkeley verfiel in den letzten Lebensjahren dem Alkohol und verursachte einen Autounfall, bei dem zwei Menschen starben. Er wurde in dritter Instanz freigesprochen, weil er sich um seine Mutter kümmern musste, nach deren Tod er einen Selbstmordversuch unternahm. Er war sechs Mal verheiratet, unter anderem mit den Schauspielerinnen Merna Kennedy und Carole Landis.

Die Band „The Magnetic Fields“ widmete ihm auf dem Album „69 Love Songs“ (1999) den Song „Busby Berkeley Dreams“. (geh)

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