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Wie spielt man das Böse in Person?

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Bruno Ganz Poster
© X-Verleih

Adolf Hitler - dieser Name ist fest mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verbunden. Über 55 Millionen Menschen fanden durch den vom NS-Regime angezettelten Zweiten Weltkrieg den Tod.

Tragisch und komisch zugleich: Helge Schneider in "Mein Führer" Bild: X-Verleih

Für Filmemacher ist Adolf Hitler eine interessante, aber auch äußerst schwierige Figur. Wie soll man den selbst ernannten „größten Feldherrn aller Zeiten“ auf der Leinwand darstellen, ohne ihn und seine Gräueltaten zu verharmlosen?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann den „Führer und Reichskanzler“ historisch korrekt als Person der Zeitgeschichte in einem Drama oder einer Dokumentation zeigen, wie es beispielsweise Bernd Eichinger mit „Der Untergang“ getan hat.

Oder man macht sich die subversive Form der Komödie zunutze und demontiert genüsslich den Mythos Hitler - wie derzeit Dani Levy mit „Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler„.

Tobias Moretti als Hitler in "Speer und Er", einer TV-Doku über Rüstungsminister Albert Speer Bild: Stefan Falke/WDR

Jeder kann Hitler sein

In dieser Politsatire macht Blödelstar Helge Schneider, bis zur Unkenntlichkeit geschminkt und mit beeindruckend zurückgenommenem Spiel, die Banalität des Bösen (be-)greifbar. „Ich fand, es sei eine gute Idee, dass gerade ich den Hitler spiele“, erklärt die „Singende Herrentorte“. „Um zu zeigen, dass jeder Hitler sein kann. Sogar ich.“

„Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft“ - dieses bekannte Zitat des pazifistischen Schriftstellers Kurt Tucholsky hat Regisseur Dani Levy „Mein Führer“ vorangestellt. Levy will Hitler laut Eigenaussage als „Würstchen“ und „erbärmliche Kreatur“ zeigen - und in Helge Schneider hat er die perfekte Mischung aus Tragik und Komik für diese schwierige Aufgabe gefunden: „Helge ist lässig. Er arbeitet sich nicht ab an dieser Figur, sondern spielt sie wie ein Jazzmusiker. Und er ist naiv.“

Doppelrolle für Charlie

Kleiner Mann ganz groß: Charlie Chaplin in "Der große Diktator" Bild: Piffl

Eines von Dani Levys großen Vorbildern für seine Arbeit an „Mein Führer“ istCharlie Chaplin. Bereits 1940, bevor das ganze grauenvolle Ausmaß von Hitlers Gewaltherrschaft bekannt wird, besaß Sir Charlie die Chuzpe, sich über den „GröFaZ“ lustig zu machen.

In „Der große Diktator“ spielte er in einer Doppelrolle den machtbesessenen Diktator Adenoid Hynkel und den braven jüdischen Frisör Charlie - dabei nutzte der geniale Pantomime erstmals die Vorteile des Tonfilms. Während der kleine Haarstylist in typischer Chaplin-Manier über die Leinwand kaspert, brabbelt Hynkel unverständliches Stakkato in die Mikrofone. Die Szene, in der der Alleinherrscher mit einer Weltkugel jongliert, hat Levy gekonnt in seiner „Führer“-Satire aufgegriffen - hier dient der Globus als Minibar.

Armin Mueller-Stahl als alternder, wirrer Ex-Diktator Bild: Time

Was wäre, wenn Hitler noch leben würde?

Wie kann man sich Hitler filmisch nähern? Soll man ihn als Monster oder als Mensch zeigen? Diese Fragen stellte sich Armin Mueller-Stahl bereits vor elf Jahren bei seinem Regie-Debüt „Gespräch mit dem Biest„.

Als Regisseur und Hauptdarsteller zeigt er Adolf Hitler mit viel Ironie und tiefschwarzem Humor als alten, gebrochenen Mann, der immer noch an seine Rückkehr in den Reichstag glaubt. In dieser Utopie lebt Hitler noch - an seiner Stelle hat einer seiner vielen Doppelgänger am 30. April 1945 Selbstmord begangen - doch keiner will dem Ex-Dikator glauben.

Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und psychologischer Sezierlust lässt Mueller-Stahl in seinem düsteren Kammerspiel einen amerikanischen Journalisten den vermeintlichen Hitler interviewen. Dabei wirkt „Gespräch mit dem Biest“ gleichermaßen verstörend und irritierend - und hinterlässt beim Zuschauer das Gefühl, dass hier Wunden aufgerissen werden, die man längst verheilt glaubte.

Die letzten Tage im Bunker

Ohne jede menschliche Regung: Bruno Ganz in "Der Untergang" Bild: Constantin

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Bruno Ganz in seiner Darstellung des Adolf Hitler in „Der Untergang“. Das Drama von Oliver Hirschbiegel zeigt, wie Hitler, seine Geliebte Eva Braun und Propaganda-Minister Goebbels die letzten Tage des Dritten Reiches im Führerbunker verbringen. Am Ende steht der Selbstmord der Nazi-Größen und ihrer Familien.

Ganz kehrt die despotische, menschenverachtende Seite Hitlers nach außen. Nichts an ihm wirkt menschlich oder gar sympathisch. Das hat einerseits zur Folge, dass der Zuschauer den Führer vom Bunker in die verdiente Hölle wünscht.

Jürgen Schornagel als TV-Hitler in "Goebbels und Geduldig" Bild: SWR

Es gibt keine finale Antwort

Andererseits wurde Produzent Bernd Eichinger vorgeworfen, keine Erklärung zu liefern, warum sich das deutsche Volk zwölf Jahre lang von Hitler blenden und verführen ließ. Dieser antwortete darauf: „Für mich ist ‚Der Untergang‘ in erster Linie ein Film über Fanatismus und kein Film, um Hitler besser verstehen zu können. Auf die Frage, wie das alles passieren konnte, kann ich auch keine finale Antwort geben.“

Auch in deutschen TV-Produktionen ist Hitler immer wieder ein Thema, häufig in einer Mischung aus Dokumentation und Spielszenen. Tobias Moretti und Jürgen Schornagel beispielsweise haben fürs Fernsehen bereits den Führer interpretiert.

Ob erbärmliches Würstchen und brutaler Despot - Hitler hat viele Gesichter. Eines davon ist das von Helge Schneider und gerade in „Mein Führer“ im Kino zu sehen.

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