Am Anfang war der Apfelkuchen

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Ob die verhängnisvolle Verwechselung von Gleitmittel und Sekundenkleber oder die peinliche Penetration von warmem Apfelkuchen: Gross-Out-Komödien (was übersetzt so viel wie „anekeln“ heißt) zielen genau unter die Gürtellinie - und treffen dabei meistens die Lachmuskeln.

Teenie-Komödien ist nichts heilig: "Mein verschärftes Wochenende" Bild: UIP

Mit „American Pie“ gelang Regie-Neuling Paul Weitz, dessen aktueller Film „American Dreamz“ gerade im Kino zu sehen ist, der Überraschungshit des Kinosommers 2000. Allein in Deutschland wollten über sechs Millionen Zuschauer mit und über Stifler, Jim & Co. lachen. Das größtenteils jungendliche Publikum amüsierte sich köstlich über Niveaulosigkeiten wie Sperma im Bier und Durchfall auf dem Mädchenklo.

Die Geschichte von „American Pie“ ist schnell erzählt: Vier Highschool-Jungs plagt ein schlimmes Problem - die Jungfräulichkeit muss weg und zwar spätestens bis zum Abschlussball! Doch der Weg zum ersten Mal ist für Jim (Jason Biggs) und seine Kumpels gespickt mit delikaten Peinlichkeiten. Während Jims Dad (Eugene Levy) seinem Sohn die weibliche Anatomie mit Hilfe von Schmuddelheftchen näher bringen will, entdeckt „Heimscheißer“ Finch (Eddie Kaye Thomas) seine Leidenschaft für die Mutter seines Klassenkameraden Stifler (Seann William Scott).

Erfolg in Serie

Der Klassiker mit dem Apfelkuchen: "American Pie" Bild: UIP

Doch trotz aller Derbheit führt „American Pie“ seine Charaktere nicht vor, sondern beweist eine unglaubliche Sympathie für deren Pubertätsnöte - getreu dem Motto: Ist nicht so schlimm, wenn dich deine Eltern beim Onanieren erwischen, lach einfach drüber.

Das junge Publikum fühlte sich verstanden und lachte erleichtert mit. Kein Wunder, dass innerhalb von zwei Jahren die beiden Fortsetzungen „American Pie 2“ und „American Wedding“ folgten. Auch die Soundtracks mit Songs von Blink-182, Green Day und den Foo Fighters erfreuten sich großer Beliebtheit - der Musikstil „College-Punk“ war geboren.

On the road again

Auf der Jagd nach dem verlorenen Sextape: "Road Trip" Bild: UIP

Nachdem „American Pie“ den Weg geebnet hatte, waren in den nächsten Jahren Gross-Out-Komödien aus den Multiplexen nicht mehr wegzudenken.

In „Road Trip“ jagte ein völlig verzweifelter Breckin Meyer samt Clique über die US-Highways, um seine Freundin davor zu bewahren, seinen One-Night-Stand auf Video zu sehen. Komödiantisches Highlight war allerdings MTV-Moderator Tom Green, der als planloser Dauerstudent mit sadistischer Freude die Hausschlange seiner auf einem Road Trip befindlichen Freunde mit lebenden Mäusen fütterte. Auch dieser Film erfuhr mit „Eurotrip“ eine Fortsetzung.

Blümchensex mal anders: "Tomcats" Bild: Senator

Sexy Mädels, eklige Pralinen

Viele der „American Pie“-Darsteller wurden nach dem großen Erfolg der Kinoreihe auf die Rolle „Dummer, aber liebenswerter Teenie“ festgelegt und so tauchten einige von ihnen immer wieder in ähnlichen Produktionen auf. Ex-Austauschstudentin Nadja, Shannon Elizabeth, spielte in „Tomcats“ wieder das Objekt der männlichen Begierde. Von der elf Millionen Dollar teuren Sexklamotte blieb ansonsten nur ein abgetrennter Hoden in Erinnerung, der auf fatale Weise mit einer Praline verwechselt wurde.

Verrückt nach Eis am Stiel

Sex, Drugs and Rock 'n' Roll: "Party Animals" Bild: Universum

Auch der blonde Männertraum Tara Reid entschied sich, dem Bad-Taste-Genre treu zu bleiben. In „Party Animals„, der College-Klamotte des amerikanischen Satire-Magazins „National Lampoon“, spielte sie eine Journalismus-Studentin, die nach etlichen peinlichen Verwicklungen den männlichen Helden küssen darf.

Und auch Chris Klein alias Oz tauchte immer wieder in Teenie-Komödien auf. 2001 war er neben Heather Graham in der Inzestkomödie „Ohne Worte“ von Peter und Bobby Farrelly zu sehen. Die Farrelly-Brüder hatten mit „Verrückt nach Mary“ drei Jahre zuvor die Urmutter der Teenie-Komödie geschaffen - eingeklemmte Penisse und Hundewiederbelebungsversuche inbegriffen. Die derben Zoten aus „Verrückt nach Mary“ und die frivole Offenheit der deutsch-israelischen „Eis am Stiel„-Reihe bilden das Grundgerüst für „American Pie“ und für alle folgenden Gross-Out-Späße.

Cameron Diaz hat die Kerle am Haken: "Verrückt nach Mary" Bild: Fox

Back to basics

Ab 29. Juni kehrt das Subgenre „Bad-Taste-Komödie“ mit „Mein verschärftes Wochenende“ auf die große Leinwand zurück. Dann darf Chris Klein wieder das tun, was er am besten kann - als Zielscheibe für schräge Witze über Sex und Körperflüssigkeiten herhalten.

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