Brad Pitt Poster

Bis(s) in alle Ewigkeit

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Einst glaubte man an „Wiederkehrer“: Der Verstorbene verlässt sein Grab, sucht einen Lebenden heim und trinkt sein Blut.

Nicht nur optisch machte der Vampir eine Wandlung durch: Robert Pattinson in "Twilight" und Max Schreck als "Nosferatu". Bild: Concorde/G+J EM

Vampire sind seit dem riesigen Erfolg der „Twilight„-Reihe so hip wie nie zuvor. Jung, sexy und mächtig sensibel kommen die Beißmonster derzeit daher und sind so umschwärmt wie lange nicht mehr.

Seit vielen Jahren schon bevölkern die Dunkelwesen Kinos, Fernseher und Videotheken. Allein zwischen 1971 und 1980 wurden über fünfzig Titel veröffentlicht. Da ist alles dabei, was der Blutsaugerfan begehrt. Dracula hatte eben schon immer viele Freunde in der Menschenwelt.

Mit Posterboy Robert Pattinson, der demnächst im Kino wieder den Obervampir macht, hatte der Filmdracula der ersten Stunde aber wenig gemein: In Friedrich Wilhelm MurnausNosferatu“ kam der Fürst der Finsternis 1922 als hohlwangiger Glatzkopf daher, der mit langen Spinnenfingern seinen stummen Opfern an den Hals wollte.

Nicht weniger schaurig, dafür etwas märchenhafter, zeigte sich 1961 Mario Bavas Interpretation des Vampirmythos. In „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ gibt Barbara Steele eine schwarzhaarige Ex-Prinzessin, die wegen Hexerei zu Tode gefoltert wird und schließlich als Dämonin zurückkehrt. In diesem bildgewaltigen und düsterem Schauerwerk saugt der „Wiederkehrer“ jedoch nicht Blut, sondern die Lebensenergie von Menschen. Dass dabei ein verliebter Jüngling fast dran glauben muss, weil er der Schönen verfällt, ist altes Vampir-Latein.

Ohne diesen immer etwas lüsternen Aspekt ist kein Kinoblutsauger vorstellbar. Auf den Punkt gebracht hat dies Francis Ford Coppola mit „Bram Stoker’s Dracula„. Sein Vampir nach dem gleichnamigen Roman von 1897 war aber nicht nur abwechselnd alter Mann und sexy Graf, sondern vor allem eine tragische Figur: Coppola interpretierte die eigentümliche Verbindung von Dracula und der jungen Mina in der Romanvorlage neu und schuf eine Geschichte von ewig verlorener Liebe, die dem Vampir einen weiteren spannenden Aspekt verpasste: den der Sehnsucht.

Dieses Sehnen nach einem Gefährten oder gar nach dem alles erlösenden Tod war auch zentrales Thema in „Interview mit einem Vampir“ nach dem populären Roman von Anne Rice. Mit Brad Pitt, Tom Cruise und Christian Slater starbesetzt stellte dieser Film die enge Verbundenheit von zwei jungen Männern in den Mittelpunkt, die zum Leben in Unsterblichkeit verbannt sind. Doch diese Freundschaft – oder Liebe – scheitert letztendlich an ihrer Natur, die dem Bösen und der Einsamkeit verpflichtet ist.

Ganz anders ging Leong Po-chih 1999 in „Die Weisheit der Krokodile“ an das Thema heran. Jude Law gibt den attraktiven jungen Mediziner Steven Grlscz, der nicht ohne einen bestimmten Stoff des menschlichen Bluts leben kann, den der Körper nur im Zustand der Liebe produziert. Damit ist das ewige Verführen und anschließende Morden vorprogrammiert – bis ein Opfer tatsächlich Stevens Herz berührt und ihn in die Lage des Titel gebenden Krokodils versetzt, dass einer Legende nach beim Töten seiner Beute weint.

Dass Vampire auch, zumindest optisch, keine zehn Jahre alt sein können, wissen wir seit Kirsten Dunsts Auftritt in „Interview mit einem Vampir„. Einen eigenen Film bekamen die „kleinen“ Blutsauger 2008 mit dem Schweden-Thriller „So finster die Nacht„, der aus Kinderperspektive erzählt. Die Geschichte dreht sich um die Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen, das jedoch weder Mensch noch weiblich ist. Vielmehr zeigt dieser Vampir zwar eine Seele – doch vor dem Töten seiner Opfer, die zur Not auch brutal geschlachtet werden, macht er nicht halt. „So finster die Nacht“ taucht die Blutsauger in ein wahrhaft düsteres, aber nie ganz hoffnungsloses Licht. Interessantes Extra: Der Film nimmt sich der alten Mär vom Vampir an, der ein bewohntes Haus erst nach Einladung durch den Besitzer betreten darf. Dies wird hier genau beachtet inklusive der Folgen, die eine Übertretung des Gebots für ein Schattenwesen haben kann.

Nicht weniger zimperlich zeigten sich auch Vampirfilme wie „Blade“ oder „Underworld„, in denen Wesley Snipes und Kate Beckinsale im Latexmantel kämpften. Wahres Grauen kommt aber bei Umsetzungen dieser Art, die vor allem auf Optik und Action setzen, freilich nicht auf. Mehr Schaudern rief da schon 2007 „30 Days of Night“ von „“Eclipse„-Regisseur David Slade hervor, der sich für seinen Blutrausch am Zombiegenre bediente und echte Schockmomente lieferte.

Auch den jüngeren Zuschauern werden Vampire immer wieder gern vorgesetzt und das nicht erst seit „Twilight„: „Mitternachtszirkus – Willkommen in der Welt der Vampire“ war als Beitrag für die jugendliche Zielgruppe im Kino gedacht, löste aber, trotz 16-jährigem, smartem Hauptdarsteller und einer zugrunde liegenden, bekannten Buchreihe keine Hysterie aus. Mehr Erfolg hatten da schon die TV-Geschichten für das ganz junge Publikum wie „Der kleine Vampir“ oder „Desmodus, der kleine Vampir„. Überhaupt eignet sich das Beißmonster-Thema hervorragend für den Bildschirm: Nach Sarah Michelle Gellars Auftritt als Vampir- und Geisterjägerin in „Buffy“ geht es nun mit modernen und äußerst hippen Großstadtvampiren in „Vampire Diaries“ weiter, gefolgt von den Gestalten aus „True Blood„, die „Six Feet Under„-Erfinder Alan Ball in Szene setzte.

Was im TV vielfältig funktioniert, wird im Kino derzeit von nur einem bestritten: Edward Cullen. Alle Welt wartet auf „Eclipse – Biss zum Abendrot“ am 15. Juli. Danach wird ein weiterer „Twilight„-Film folgen, wenn nicht sogar zwei, und danach… bleibt uns der Vampir im Kino mit Sicherheit erhalten, und sei es mit neu aufgewärmten Mythen und Geschichten, von denen sicher längst noch nicht alle ausgeschöpft sind. Denn eines hat sich eben nie geändert: So sehr die Menschen früher den „Wiederkehrer“ fürchteten, so sehr lieben sie es heute – natürlich mit gebührendem Abstand – seinem blutigen Treiben zuzuschauen.

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