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Leben & Werk

Schauspieler. Er versteht sich weder als Deutscher noch als Türke, hält die multikulturelle Gesellschaft für ein Geschenk an Deutschland und gehört wie Klaus Kinski zu den großen unangepassten Schauspielern mit chaotischem Leben, Geheimnissen, die in seine außergewöhnlichen Darstellungen einfließen und die Filme bereichern. Birol Ünel war jahrlang Alkoholiker und sagt: „Ich bin ein Reisender.“ Birol Ünel spielte in rund fünfzig Fernseh- und Spielfilmen Gauner, Diebe, Barmänner, Clubbesitzer, Dealer, Säufer, Verrückte, Wahnsinnige mit Hang zur Selbstzerstörung, verletzte Seelen und aggressive Wilde mit roher und verzweifelter Energie. Mit der Rolle seines Lebens, den mit der Deutsch-Türkin Sibel (Sibel Kekili) eine Scheinehe eingehenden und sich unerwartet in sie verliebenden Cahit, machte er Fatih Akins Meisterwerk „Gegen die Wand“ (Goldener Bär, Europäischer Filmpreis 2004) zum Ereignis, wurde mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet und für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Birol Ünel wurde 1961 in der Südtürkei in Silifke als Sohn eines Technikers und einer analphabetischen Hausfrau geboren und erlitt bei einem Haushaltsunfall mit heißem Öl heute noch sichtbare Brandnarben am Hals. 1968 zog die Familie nach Deutschland, Birol wuchs in Brinkum bei Bremen auf und spricht seither mit norddeutschem Akzent. Er absolvierte eine Lehre als Parkettleger und wurde durch eine Gruppe Gaukler, die in seinem Dorf auftraten, animiert, Schauspieler zu werden. Ünel studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und gehörte zur autonomen Szene der Stadt, prügelte sich mit Neonazis und ist seitdem vorbestraft. Er zog nach Berlin und baute in Kreuzberg das Tacheles-Theater auf, fiel 1992/93 in Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“ und als Albert Camus‘ „Caligula“ als Ausnahmetalent auf, war Siegfried in Frank Castorfs „Die Nibelungen - Born Bad“ (1994) und der Fremde in Jon Fosses „Winter“ (2007).

Birol Ünel debütierte 1988 im Kino in „Der Passagier - Welcome to Germany“ von Thomas Brasch. Er war Frauenheld und harter Junge in „A Wopbaloobap Awopbamboom“ von Andy Bausch und nach fast einem Jahrzehnt TV-Arbeit wieder als Clubbesitzer in Akins Road Movie „Im Juli“ (1999)zu sehen. 2000 spielte er in Jean-Jacques Annauds Stalingrad-Western „Duell - Enemy at the Gates“ und als Dealer Hassan in Buket Alakus‘ Hamburger Hausfrauenballade „Anam“ (mit Nursel Köse). Nach dem Triumph in „Gegen die Wand“ mimte Ünel in der türkischen Komödie „Diebstahl alla turca“ (2005) mit Akin ein Diebesduo, das sich an die Kehlen geht, in Tony Gatlifs Zigeunerballade „Transylvania“ (2006, mit Asia Argento) einen wandernden Händler in Rumänien, in Pia Marais‘ Debüt „Die Unerzogenen“ (2007) den Drogen schmuggelnden verantwortungslosen Vater, in „Valerie“ (2007) einen Fotografen und gehörte in Hiner Saleems „Sous les toits de Paris“ (2007, mit Michel Piccoli) zu den in engen Dachstuben lebenden Bohémiens.

Im Fernsehen glänzte Birol Ünel 1997 als palästinensischer Flugzeugentführer in Heinrich Breloers Doku-Drama „Todesspiel“ und als Eckkneipensteher in Romualds Karmarkars „Das Frankfurter Kreuz“ (1999), trat in den Serien „Tatort“, „Balko„, „Der Clown“, „Der Fahnder„, „Alarm für Cobra 11“ und „Schimanski“ auf .

Sein Vorname Birol bedeutet „Der Einzige“. Lieblingslektüre: Arthur Rimbauds „Der Ausverkauf“. Er lebt in Berlin.

2004 wurde Birol Ünel auf dem Nürnberg Filmfestival Türkei/Deutschland als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

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