Bertrand Tavernier

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor
Bertrand Tavernier Poster
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Leben & Werk

Er war der wichtigste französische Regisseur der 70er, 80er und 90er Jahre. Er ist vielseitiger als die Autoren der „Nouvelle Vague“, publikumsorientierter als Truffaut, Rohmer & Co. und hat ein außerordentliches Gespür für relevante Themen, spannende Stoffe und ästhetisch ausgefeilte funktionale Bildkompositionen: alle seine Filme sind Breitwandarbeiten. Bertrand Tavernier, 1941 in Lyon geboren, wo viele seiner Filme spielen, begann als Filmkritiker und assistierte bei Jean-Pierre Melville und Claude Chabrol. Er arbeitete als Presseagent und legte mit Kurzfilmen und Drehbüchern zu Agentenfilmen („Todesspur“ seines 2000 gestorbenen Freundes Ricardo Freda, den er als Produzent 1994 bei „D’Artagnans Tochter“ als Regisseur ablöste und die flotte Musketierballade selbst inszenierte) Auftragsarbeiten vor. Taverniers mit dem „Silbernen Bären“ der Berlinale 1974 ausgezeichnete Georges-Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von Saint Paul“ kam mit Hilfe seines Freundes und Hauptdarstellers Philippe Noiret zustande, der in mehreren Filmen Taverniers Rollen übernahm. „Uhrmacher“ arbeitet am Beispiel eines Vater-Sohn-Konfliktes das Aufbegehren gegen Systeme und Institutionen auf. Taverniers Vielseitigkeit zeigt sich in der souveränen Behandlung von historischen Stoffen („Wenn das Fest beginnt…“, über die Regentschaft von Philippe d’Orléans), Psychogrammen („Der Richter und der Mörder“, in dem Noiret bei der Verurteilung eines Mörders im 19. Jahrhundert ins soziale Abseits gerät; „César“ für die beste Regie), Familiengeschichten („Daddy Nostalgie„, der letzte Film mit Dirk Bogarde), Alltagsbeobachtungen („Verwöhnte Kinder“, „Ferien für eine Woche“) und medienkritischen Stoffen: In „Death Watch – Der gekaufte Tod“ begleitet Harvey Keitel mit einer im Kopf implantierten Kamera eine scheinbar todkranke Frau (Romy Schneider), die ihren Tod den Medien verkauft hat und vor den Konsequenzen flieht. Populär wurde Taverniers Film noir „Der Saustall„, der nach einem Roman von Jim Thompson entstand, aber in die französischen Afrikakolonien verlegt wurde, wo Noiret als Polizeichef nach einer Reihe von Demütigungen einen Rachefeldzug startet. Taverniers Impressionisten-Huldigung „Ein Sonntag auf dem Lande“, in dem die Farbgebung die verschiedenen Künstler dieser Stilrichtung nachempfindet, wurde in Cannes 1984 ausgezeichnet, der Jazz-Film „Round Midnight„, orientiert sich am Leben von Lester Young und Bud Powell, der Historienfilm-Film „Die Passion der Béatrice“ schildert ein düsteres Spätmittelalter. Sprichwörtlich wurde „Das Leben und nichts anderes„, der die Verwüstungen in der Psyche der Nachkriegsfranzosen 1918 und mühevolle Rückkehr in die Normalität auch der Liebesbeziehungen zeigt. In den 90ern erneuerte Tavernier mit „Auf offener Straße“ den Kriminalfilm und schilderte mit einer aufregenden Kameraarbeit, nunmehr von Fotografen der jungen Generation geführt, den Alltag der Pariser Drogenfahndung. Sein krasses Porträt konsumorientierter jugendlicher Mörder in „Der Lockvogel“ brachte ihm 1995 den „Goldenen Bären“ der Berlinale. Der Erste-Weltkriegs-Film „Capitaine Conan“, in San Sebastian ausgezeichnet, schildert erneut die Schwierigkeiten von Soldaten bei der Rückkehr ins Privatleben. Mit dessen Hauptdarsteller Philippe Torreton inszenierte Tavernier in „Es beginnt heute“ (drei Preise der Berlinale 1999) die Schwierigkeiten eines Vorschuldirektors im Kampf gegen Bürokraten und Arbeitslosigkeit. Zwischen den Spielfilmen des auch filmpolitisch aktiven Tavernier entstanden Dokumentarfilme, so über den Algerienkrieg, die Pariser Vorstädte und den Blues in Mississippi.

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