Bernardo Bertolucci

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Leben & Werk

Seine Filme sind bildgewaltige und ästhetisch durchdachte Produktionen, in denen der von Psychoanalyse und Literatur gleichermaßen beeinflusste Regisseur sowohl federleichte Visionen wie monumentale Fresken beherrschte. Er inszenierte Skandalfilme wie „Der letzte Tango in Paris„, der Marlon Brando (parallel mit „Der Pate“) ein triumphales Comeback ermöglichte, Epen wie „1900“ und impressionistische Initiationsgeschichten wie „Gefühl und Verführung - Stealing Beauty„. Sein monumentales Epos „Der letzte Kaiser„, über Pu Yi, den letzten Kaiser von China, erhielt neun Oscars, darunter den für die beste Regie.

Bernardo Bertolucci, geboren 1940 in Parma, war der Sohn des Dichters und Filmkritikers Attilio Bertolucci, den er häufig ins Kino begleitete, wo Godards „Außer Atem“ der endgültige Anlass für Bertolucci wurde, Filme zu drehen. Einer Assistenz bei Pier Paolo Pasolinis „Accatone“ (1961) folgte seine erste Regiearbeit mit „Die dürre Gevatterin“ (1962). Bertoluccis zweiter Film „Vor der Revolution“ (1964) verfolgte das Leben eines großbürgerlichen Intellektuellen, der sich nicht von seiner Klasse lösen kann. Der Film wurde Auslöser für eine Welle ähnlicher Filme von Regisseuren wie Salvatore Samperi oder Marco Bellocchio, die das italienische Kino der Poesie begründeten.

Bertolucci, zeitweise Mitglied der KPI, drehte Dokumentarfilme, beteiligte sich an der römischen Kommunalwahl und wurde wie Pasolini eine streitbare Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. 1970 begründeten seine Filme „Die Strategie der Spinne“ und „Der große Irrtum“ (nach Alberto Moravias Roman), die sich beide mit Faschismus, politischem Verrat und Homosexualität auseinander setzten, Bertoluccis internationalen Ruhm, der nach „Der letzte Tango in Paris“, der eine heftige Debatte um Kunst, Sexualität und Pornografie auslöste, zu Weltruhm wurde.

Sein Epos „1900 (Novecento)“ erzählte mit den Mitteln des avanciertesten Kinos die Geschichte Italiens von 1900 bis 1945 am Beispiel eines Bauernsohnes (Gérard Depardieu) und eines Großgrundbesitzersohnes (Robert De Niro). Bertolucci drehte, den Jahreszeiten folgend, über ein Jahr in der Po-Ebene, zeitweise mit gebrochenen Armen. Der intimen Studie „La luna“, einer ödipalen Geschichte, folgte mit „Die Tragödie eines lächerlichen Mannes“ eine Farce über das Italien in der Zeit des Terrorismus und der politischen Unübersichtlichkeit. Nachdem sich Bertoluccis Film-noir-Projekt „Der gläserne Schlüssel“ (nach Dashiell Hammett) zerschlagen hatte, verließ er zeitweilig Italien und Europa, um nach der Rückkehr mit „Der letzte Kaiser“ seinen größten Erfolg und weltweiten Triumph feiern zu können.

Himmel über der Wüste“ adaptierte den Roman von John Bowles und mischte in der für Bertolucci typischen Weise Erotik, visionäre Bilder und Stadien der Entfremdung eines Ehepaares (John Malkovich und Debra Winger). Mit „Little Buddha„, der Episoden aus dem Leben Siddhartas (Keanu Reeves) mit der Suche nach einem Kind als dessen Reinkarnation verband, endete Bertoluccis „Exotismus“-Phase. Wie gelöst von der Last der Superproduktionen, feierte Bertolucci mit „Stealing Beauty“ (mit Liv Tyler) die Schönheit von Landschaften (die Toskana) und Frauenkörpern. Es folgten das Kammerspiel „Shandurai“, in dem sich ein britischer Pianist in Italien in eine Exil-Afrikanerin verliebt, ein Beitrag für das Episodenfilmprojekt „Ten Minutes Older - The Cello“ („Histoire d’eaux, nach einer indischen Parabel) sowie „Die Träumer„, mit dem Bertolucci nach Paris und zur europäischen Geschichte zurückkehrte: Während der Studentenrevolte im Frühjahr 1968 schotten sich der Amerikaner Matthew und das französische Geschwisterpaar Theo und Isabelle in einer Wohnung ab, wo sie Wochen voller Obsessionen, Demütigungen und sexueller Erweckungen erleben.

Bertoluccis Bruder Giuseppe war ebenfalls Regisseur, seine Frau Clare Peploe Drehbuchautorin und Regisseurin („High Seas“ mit Jacqueline Bisset, „Wilder Zauber„).

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