Leben & Werk

Französischer Schauspieler (1916-1989). Bernard Blier gehörte mit 181 Filmen seit 1936 zu den meistbeschäftigten und populärsten Darstellern des französischen und italienischen Films, der in Neben- und Hauptrollen oft sechs bis sieben Filme pro Jahr drehte. Wegen seiner rundlichen Statur und den Kugelkopfaugen wurde der kleinwüchsige Charakterdarsteller unterschätzt, dabei konnte der Mann mit dem kahlen Schädel, der häufig in Komödien und Unterweltfilmen eingesetzt wurde, alles spielen, Inspektoren wie Schurken, Agenten wie Gauner, Wirte wie Ehemänner, Onkel wie Pianisten, Schriftsteller wie Lastwagenfahrer, Spitzel wie Firmenchefs. Seine vielleicht beste Rolle ist die des Inspektor Javert in der Victor-Hugo-Verfilmung „Les Misérables - Die Elenden“ (1958), der unerbittlich den Häftling Jean Valjean (Jean Gabin ) verfolgt. Seine Darstellung des gnadenlosen Polizisten wird von vielen als überzeugender angesehen als die seiner Nachfolger (Michel Bouquet, John Malkovich und Geoffrey Rush).

Bliers bekannte Rollen waren indes die komischen, niemand konnte verdutzter und verblüffter aussehen als er, wenn er wieder mal reingefallen war, gelinkt oder betrogen wurde. Umwerfend sein verschlagener Geheimdienstchef Milan in „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ (1972) oder der Kommissar, der Louis de Funès in „Jo - Hasch mich, ich bin der Mörder“ (1970) überführen will. In späteren Jahren war Blier das Maskottchen in Filmen von Jean Yanne und Michel Audiard, die ihm Dialoge auf den Leib schrieben. Seine vorletzte Rolle war die eines Paters in Klaus Kinskis „Paganini“.

Blier war Gegenspieler von Jean Gabin („Der Herr mit den Millionen“, „Der Präsident“), Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo (schönes Gipfeltreffen des Trios in „100.000 Dollar in der Sonne„), Klavierspieler unter Mordverdacht im Krimiklassiker „Quai des Orfèvres“ (1947). Er machte das aus, was die jungen wilden Kritiker der Cahiers du Cinéma Tradition der Qualität nannten und voreilig ablehnten und die heute wiederentdeckt wird, weil sie - vraiment - Qualität war.

Bernard Blier wurde 1916 in Buenos Aires geboren, wo sein Vater, ein Biologe des Institut Pasteur, auf Dienstreise war. Er besuchte das Gymnasium Concorcet in Paris und studierte an der Sorbonne, wo er den Doktortitel in Philosophie erwarb. Während des Studiums kam er mit dem Film in Berührung und stand 1938/39 neben Jean Gabin in Marcel Carnés Klassikern des Poetischen Realismus „Hafen im Nebel“ und „Der Tag bricht an“ vor der Kamera. Zwischen Filmarbeiten stand Blier auf der Bühne, 1973 wurde ihm für die Theaterarbeit der Prix Balzac verliehen.

Bertrand Blier wurde 1986 als bester Nebendarsteller in der Komödie „Hoffen wir, dass es ein Mädchen wird“ mit dem David di Donatello ausgezeichnet. 1989 erhielt er einen Ehren-César für sein Lebenswerk. 27 Tage später war er tot. Die französische Post gab ihm zu Ehren eine Briefmarke mit seinem Konterfei heraus.

Bertrand Blier war von 1937-1965 mit Gisèle Brunet verheiratet und heiratete nach der Scheidung Annette Martin, Ehefrau bis zu seinem Tod. Aus der Ehe mit Brunet hat er einen berühmten Sohn, den Regisseur und Drehbuchautor Bernard Blier („Die Ausgebufften„, „Zu schön für dich“, „Wie sehr liebst du mich?„), für den er ein Mal vor der Kamera stand. In der megacoolen Krimifarce „Buffet Froid - Den Mörder trifft man am Buffet“ (1979) ist er Inspektor und mit Jean Carmet und Gérard Depardieu einer der drei Hauptdarsteller.

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