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Stallone belebt 80er-Action neu

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Arnold Schwarzenegger Poster
© Millennium

Sylvester Stallone hat in Brasilien mit dem Dreh zu „The Expendables“ begonnen, einem aufwendigen Actionprojekt, für das er Kinohelden der Vergangenheit und Gegenwart vor der Kamera versammeln konnte.

Auch mit 62 Jahren noch topfit: Sylvster Stallone beim Dreh zu "The Expendables" Bild: Millennium

Zwei Männer werden durch die Luft katapultiert, hinter ihnen erhebt sich ein beeindruckender Feuerball. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich die beiden Gestalten als Schauspiel-Routinier Eric Roberts und Wrestling-Legende „Stone Cold“ Steve Austin, die den Kopf bei diesem Stunt hinhalten müssen.

Nachdem bereits in den Tagen zuvor erste Fotos und Videos eines beeindruckend durchtrainierten Sylvester Stallone durch das Internet geisterten, ist dieser Schnappschuss nun die erste offizielle Einstellung, die vom Set von Stallones neuer Regiearbeit „The Expendables“ an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Seither werden Fans auf dem Produktionsblog http://ethelmae.wordpress.com/) auf dem Laufenden gehalten und die ohnehin schon große Begeisterung für das Projekt gezielt weiter angefacht.

Der alte Hase und der junge Wilde: Sly und Jason Statham am Set Bild: Millennium

Treffen der Generationen

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Seit 5. April laufen in dem kleinen brasilianischen Dorf Mangaratiba die Dreharbeiten zu dem Film, dessen Starttermin im April nächsten Jahres in Fankreisen schon jetzt rot umrandet wurde: als Termin für die Rückkehr des klassischen Actionfilms der Achtzigerjahre.

Die Begeisterung ist wohl geschürt, seitdem bekannt wurde, dass Stallone seinem „John Rambo“ einen Actionfilm über einen Trupp hartgesottener Söldner folgen lassen wolle und erste Gerüchte für die Besetzung zu kursieren begannen: Neben Stallone selbst, der sich die Rolle des mit allen Wassern gewaschenen Haudegen Barney Ross auf den durchtrainierten, 62 Jahre alten Leib schrieb, wurden Namen genannt wie Jason Statham, Jet Li und Dolph Lundgren, die alle tatsächlich unterschrieben, aber auch Forest Whitaker, Jean-Claude Van Damme, Sandra Bullock, 50 Cent und Ben Kingsley, die schließlich nicht mitmachten.

Arnie ist drin, Russell ist raus

Gefährlicher Feuerstunt: Eric Roberts und Steve Austin in Action Bild: Millennium

Stattdessen konnte Stallone sein Ensemble mit den Sport- und Wrestlingassen Randy Couture, Steve Austin und Terry Crews aufwerten. Mickey Rourke sagte seine Mitwirkung nach längerem Hin und Her zu, er wird als Ex-Söldner zu sehen sein - in einer Rolle, die Stallone nachträglich extra für ihn ins Drehbuch einfügte. Eric Roberts ersetzte Kingsley.

Und als großer Coup konnte mit Arnold Schwarzenegger die andere große Ikone des klassischen Actionfilms für einen Cameo-Auftritt gewonnen werden; es wird das zweite Zusammentreffen der beiden vor der Kamera seit Stallones Gastauftritt in „Last Action Hero“ sein. Lange Zeit hatte sich Stallone zudem um Kurt Russell bemüht, ließ dann aber genervt von seinem Vorhaben ab, als es ihm nicht gelang, Russell selbst zu sprechen, sondern immer nur von dessen Agenten abgekanzelt wurde.

Er IST Rocky und Rambo: Sylvester Stallone hat es geschafft, Helden der 80er in die Gegenwart zu übertragen Bild: Kurt Krieger

Im Dialog mit den Fans

Es ist eben eine Frage der Ehre, bei „The Expendables“ mit dabei zu sein. Zumindest stellt Stallone, immer schon ein cleverer Vermarkter seiner selbst, es so dar: Ein Film über einen Trupp handgemachter Typen von handgemachten Typen für handgemachte Typen - eine eingeschworene Gemeinde, die sich nur an die eigenen Gesetze hält und sich nicht vereinnahmen lässt. Durch das Beschwören alter Outlaw-Werte und sein basisdemokratisches Auftreten im Internet, u. a. auf der Fan-Website StalloneZone oder Ain’t It Cool News, wo er seinen Fans - durchaus gewitzt - Rede und Antwort steht, skizziert sich der Star als einer der ihren. Ob aus einem wiedergewonnenen Respekt vor seiner treuen Fangemeinde, einer neu entdeckten Bescheidenheit heraus oder einfach aus cleverer Berechnung, lässt sich schwer beurteilen. In jedem Fall funktioniert dieser neue Stallone, die Version 2.0.

Denn er war ganz am Boden, noch vor fünf Jahren, ein Schatten seiner selbst, ein abgetakelter, in die Jahre gekommener Ex-Superstar, der den Anschluss verloren hatte: Sein „D-Tox“ wurde vom Verleih lustlos verschoben, der Auftritt als Bösewicht in „Mission 3D“ roch nach Verzweiflung, „Avenging Angelo“ und „Shade“ schafften es in Deutschland nicht einmal mehr ins Kino. Als er dann auch noch ankündigte, 15 Jahre nach dem letzten und damals schon nicht mehr erfolgreichen „Rocky 5“ ein weiteres Mal in der Rolle, die ihn berühmt gemacht hatte, in den Ring zu steigen, selbst das Drehbuch zu schreiben und Regie zu führen, da dachte man unweigerlich an Selbstparodie, das letzte Halali des Sylvester Stallone. Pustekuchen.

Stallone, das Stehaufmännchen

Vom Kämpfen gezeichnet: Stallone als "Rocky Balboa" Bild: Fox

Rocky Balboa“ war seine Wiederauferstehung. Der Film war nicht nur kommerziell ein Erfolg (70 Mio. Dollar US-Boxoffice, eine Mio. Zuschauer in Deutschland, 155 Mio. Dollar weltweit bei einem Budget von 24 Mio. Dollar), sondern traf auch einen Nerv bei der Filmkritik, die den wehmütigen Ton des Films und die schonungslose Darstellung eines Mannes, der von der Zeit überholt wurde, aber nicht bereit ist aufzugeben, lobte. Stallone war wieder im Geschäft und nutzte das neu gewonnene Vertrauen der Industrie, um auch seine andere ikonische Kinofigur, John Rambo, wieder aufleben zu lassen, aber eben mit einer veränderten Perspektive.

Der einstige Inbegriff der America-first-Politik eines Ronald Reagan war nunmehr niemandes Diener mehr, der diesmal aus eigener Überzeugung zum Rambo-Messer griff, um unterdrückten Bauern in Myanmar zu helfen, in einem brutalen Film, der trotz aller Härte einen Nerv traf und weltweit 115 Mio. Dollar einspielte (bei einem Budget von 50 Mio. Dollar).Es war auch die erste Zusammenarbeit Stallones mit Millennium Films, dem Kinoableger der NuImage-Chefs Avi Lerner, Danny Dimbort und Boaz Davidson, die nun auch hinter „The Expendables“ stehen, Stallones aufwendigster Regiearbeit bislang, ein Projekt, das sich nahtlos an „Rocky Balboa“ und „John Rambo“ fügt und eine Quasi-Trilogie komplettiert.

In "The Expendables" gibt es ein Wiedersehen für Sly und seinen alten Kumpel Arnie Bild: Kurt Krieger

Action meets Western

Eine Bestandsaufnahme der Achtziger, durch den Zerrspiegel der Gegenwart auf den heutigen Stand der Dinge gebracht. Bei der Lektüre des Drehbuchs (erste Fassung vom 4. Dezember), das sich mühelos im Internet finden lässt, fühlt man sich unweigerlich an Filme wie Stallones „Die City-Cobra“ oder Schwarzeneggers „Phantom-Kommando“ erinnert, auch wenn die Prämisse charmant Sam Peckinpahs Westernklassiker „The Wild Bunch“ entliehen ist:

Ein Trupp von Söldnern, der sich The Expendables (Die Verzichtbaren) nennt, wird angeheuert, in einer Bananenrepublik einen von der CIA gestützten Diktator zu beseitigen, um dem ursprünglichen Präsidenten wieder zur Macht zu verhelfen. Bald schon finden sich Barney Ross und seine Männer zwischen allen Fronten wieder, weil die Auftraggeber mit gezinkten Karten spielen und die CIA ein gesteigertes Interesse hat, die Expendables zur Strecke zu bringen.

Fürchtet weder böse Buben noch Giftschlangen: "John Rambo" Bild: Warner

Nie dagewesene Szenen

Es ist ein Film von bewundernswerter Geradlinigkeit, mit einer Vielzahl von ausufernden Actionszenen, bisweilen so spektakulär, dass Stallone sie im Drehbuch nicht einmal beschreiben kann („Vertraut mir, die Szene wird wie nichts, was es jemals vorher gegeben hat“). Aber auch die Melancholie der beiden letzten Stallones schimmert wieder durch: Seine Helden sind nur dann Strahlemänner, wenn es an die Arbeit geht, leiden aber darunter, als Privatmänner versagt zu haben. Was dann aber wieder keine große Rolle spielt, wenn die Expendables in bester Genrekonvention mit dem Rücken zur Antwort Angriff als beste aller möglichen Verteidigungen wählen.

Sie tun es mit größtmöglichem körperlichem Einsatz: Bereits im Vorfeld hatte Stallone einen kurzen Clip von sich veröffentlicht, wie er sich in der Muckibude für den Film vorbereitet. Egal, wie das Ergebnis auch ausfallen wird: Niemand wird behaupten können, die treibende Kraft hinter dem Projekt habe es nicht ernst gemeint. Das weiß auch Millennium, die für die Verleihrechte ihres bislang teuersten Films die vermutlich höchsten Preise der Firmengeschichte aufrufen werden. In Deutschland jedenfalls hat noch kein Verleih das Risiko auf sich genommen. Stallone-Fans sollten sich allerdings keine Sorgen machen: An „The Expendables“ kommt man nicht vorbei. Der Rest ist Verhandlungssache, zwischen handgemachten Typen vermutlich.

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