Sie springen von den höchsten Brücken, liefern sich die wildesten Autoverfolgungsjagden, legen mit ihrer Arbeit den Grundstein für den Erfolg eines Films und stehen doch im Abseits: Jetzt wurden die besten Stuntleute bei den World Stunt Awards 2003 in Hollywood für ihre Leistungen ausgezeichnet.

Harrison Ford mit der begehrten Taurus-Trophäe

Schauplatz: der Wassertank der Paramount Studios Hollywood. Anlass: die World Stunt Awards 2003. Teilnehmer: Rund 1000 geladene Gäste, die es sich im eigens errichteten Open-Air-Theater bequem gemacht haben. Genau dort, wo Klassiker wie „Die zehn Gebote“ gedreht wurden.

Plötzlich rast ein Polizei-Hubschrauber im Tiefflug knapp über die Köpfe der Zuschauer. Eine riesige Leinwand zeigt eine Liveschaltung nach Venice Beach, wo Dennis Hopper sich auf einem Motorrad eine rasante Verfolgungsjagd mit etlichen Polizeiwagen liefert. Wenige Augenblicke später landen Jäger und Gejagter auf der Bühne. „Wir können keine Stunts ohne sie machen“, scherzt Hopper. Spektakulärer hätten die World Stunt Awards nicht eröffnet werden können.

Die Macher der Preisverleihung hatten versprochen, die diesjährige Show spektakulärer zu gestalten als die letztjährige und den Zuschauern eine Mischung aus hautnaher Action, Making-Of von Stunts und Celebrity-Glamour zu bieten. Ihr Versprechen haben sie bereits mit der Eröffnungssequenz eingelöst.

Laudatorin Michelle Rodriguez

Defilee der Superstars

Es folgen über zwei Stunden bestes Entertainment, bei denen Hollywoods Superstars nicht fehlen. Bereits vor der Show zeigen die sich auf dem roten Teppich gut gelaunt. Allen voran QuentinPulp FictionTarantino. Das Filmgenie eröffnet das Starlaufen und gibt lautstark Interviews, während die Stuntteams ziemlich unerkannt bleiben.

In seinem Sog schlendern Michael Bay, Calista Flockhart samt Verlobtem Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger und The Rock über das Rot. Letzterer wird denn auch als erster von Mr. Hopper als Laudator auf die Bühne gerufen. Wie auch die weiteren Stars, die ihm im Laufe des Abends folgen, dankt er den Stuntmännern für ihre hervorragenden Leistungen, „besonders meinem Stuntdouble und meinem Stunt-Koordinator Andy Cheng.“

Die erste Auszeichnung der Show geht in der Kategorie „Best Fight“ für „Blade 2“ an die beiden Stuntmänner Clayton Barber und Clay Fontenot. Spektakuläre Einlagen halten die Spannung der Show auf einem hohen Niveau. So entert Michelle Rodriguez („Resident Evil„) in einem Hummer Militär-Jeep die Bühne, begleitet von Explosionen und Feuersäulen. Sie darf die Taurus-Statuette in der Kategorie „Best Specialty Stunt“ an Tim Rigby für seinen Wahnsinns-Brückenstunt aus „xXx - Triple X“ überreichen.

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Hopper brennt

Wie ernst Dennis Hopper seinen Moderatorenjob nimmt, zeigt er immer wieder und versucht sich mehrmals als Stuntman - gepaart mit der gehörigen Portion Humor. So wird er - während einer Pause- sitzend in seinem Wohnwagen mit romantischem Kerzenlicht gezeigt. Als die Regie ihn bittet, zur Bühne zurückzukehren, zündet er sich beim Aufstehen versehentlich die Ärmel seines Jackets an. Als brennende Fackel verlässt er den Wohnwagen und tut so, als ob nichts wäre. Kurz vor der Bühne wird der Brand mit Feuerlöschern erstickt. Mit qualmenden Klamotten kommt der Star zurück und bittet Vince Vaughn als Präsentator der Kategorie „Best Fire Stunt“ auf die Bühne - eine gelungene Überleitung.

Und eine Kuriosität: Denn in dieser Sparte gibt es zwei Gewinner! Keii Johnston für „Roter Drache“ und Brett Jones für „Windtalkers“ dürfen sich über die Auszeichnung freuen.

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Die wilden Engel räumen ab

Grund zur Freude hat auch Deutschlands Stuntguru Hermann Joha. Seine Actionserie „Wilde Engel“ kann den Award in der Kategorie „Best Action In A Foreign Film“ abstauben. Ganz so glücklich zeigt er sich dann doch nicht auf der After-Show-Party: „Die haben den falschen Trailer eingespielt. Wir hatten viel besseres Material zur Verfügung gestellt“, ärgert er sich.

Sein Stunt-Koordinator Roland Leyer nimmt’s dagegen gelassener. Ob’s wohl daran liegt, dass Augenweide Kelly Hu („X-Men 2„) ihm den Preis überreichte? Den beiden extra angereisten Hauptdarstellerinnen Susann Uplegger und Birgit Stauber macht’s jedenfalls auch nichts aus.

Glanzlichter der Show setzen zwei alte Hasen des Filmgeschäfts, die jeweils mit Standing Ovations empfangen werden: Harrison Ford und Stuntlegende Terry Leonard (u.a. „Rush Hour„, „Indiana Jones - Collection„). Der betagte Stuntman hält eine 15-minütige Dankesrede für seine Auszeichnung „Taurus Honorary Award For Lifetime Achievement“ und gibt dabei zu:

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Furchtlos - außer beim Reden halten

„Ich hatte zum ersten Mal im meinem Leben Todesangst als mir bewusst wurde, dass ich eine Rede halten muss.“ Arnold Schwarzenegger hatte zuvor seinen Freund und Lehrer auf sehr amüsante Weise angekündigt: „Terry sorgte immer dafür, dass meinen Familienjuwelen nie etwas passiert ist!“

Harrison Ford nimmt mit Begeisterung die Auszeichnung „Taurus Honory Award Action Movie Star“ entgegen. Und auch Top-Produzentin Gale Anne Hurd („The Hulk„) wird ein Ehren-Taurus als Produzentin überreicht.

Im Gegensatz zu Leonard, Hurd und Ford kann sich ein weiterer Preisträger nicht über seine Auszeichnung „Best Overall Stunt By A Stuntman“ freuen. Harry O’Connor war im April 2002 bei den Post-Production-Dreharbeiten des Films „xXx - Triple X“ bei einem Paraglider-Stunt in Prag tödlich verunglückt. Seine Frau nahm stellvertretend den Preis von Quentin Tarantino entgegen.

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Drei für Triple X

Wie gefährlich die Arbeit der Stuntleute ist, demonstriert Action-Regisseur Michael Bay („Pearl Harbor„). Der Filmemacher hat Aufnahmen seines kommenden Actionhits „Bad Boys II“ im Gepäck und erklärt damit die Planungsschritte eines Autostunts. Einspieler stellen die Geschichte der Stunts dar, zeigen die Arbeit der Stuntfrauen und erklären einige Fachbegriffe.

Der Star der Verleihung ist am Ende das Actionfeuerwerk „xXx - Triple X“. Mit sechs Nominierungen als aussichtsreichster Film ins Rennen gegangen, wird er mit drei Auszeichnungen seiner Favoritenrolle gerecht.

Wer wohl im nächsten Jahr die Nase vorn haben wird? „XxX 2“ jedenfalls nicht. Der kann frühestens 2005 wieder zuschlagen.

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DIE PREISTRÄGER:

Kampfszene: Clayton Barber & Clay Fontenot („Blade II„)

Feuerstunt: Keii Johnson („Roter Drache„); Brett Jomes („Windtalkers„)

High Work: Keith Campbell, Dane Farwell & David S. Rowden („Minority Report„)

Spezialstunt: Tim Rigby („xXx - Triple X„)

Fahrzeugstunt: Team („Die Bourne Identität„)

Bester Stuntman: Harry O’Connor („xXx - Triple X„)

Beste Stuntfrau: Nikki Berwick, Jaime Blake & Amanda Foster („James Bond 007: Stirb an einem anderen Tag„)

Stuntkoordination: Lance Gilbert („xXx - Triple X„)

Ausländischer Film: Roland Leyer („Wilde Engel“)

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