Anthony Mann

Producer • Regisseur
Anthony Mann Poster

Leben & Werk

Er machte den Western zu einem „erwachsenen“ Genre, indem er in eine als naiv oder historisch betrachtete Gattung psychologische Konflikte, archetypische Situationen und tragische Elemente einfließen ließ. Anthony Mann (eig. Emil Anton Bundesmann, 1906 – 1967) durchbrach die Schemata des Genres und ließ Gewalt, Machtstreben, die Lasten der Vergangenheit und unbewältigte traumatische Erfahrungen in ein Genre einbrechen, dessen Pionierdenken er intelligent hinterfragte oder zersetzte. Filme wie „Winchester 73„, „Nackte Gewalt„, „Meuterei am Schlangenfluß„, „Fluch des Blutes“, „Über den Todespaß“, „Der Mann aus Laramie„, „Der Stern des Gesetzes“ und „Der Mann aus dem Westen„, alle in den 50er Jahren entstanden, bilden eine eindrucksvolle Reihe von dramatischen Erzählungen, die als Vorläufer des Spätwestern den „adult western“ ausmachen. Vor allem in der Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller James Stewart, der in diesen Filmen langsam in den Wahnsinn zu driften scheint, rau, unnahbar, psychotisch und nahe an der Paranoia, gelingen Mann verstörende Studien von Einsamkeit und Entfremdung, Gefühlskälte und Problemen von Verantwortung der Gemeinschaft gegenüber. Mann, in Kalifornien geboren, begann als Theaterschauspieler und im Film als Regieassistent, bevor er 1942 als Regisseur debütierte. In den späten 40ern inszenierte er einige Films noirs („Flucht ohne Ausweg“, „Schritte in der Nacht“, „Tödliche Grenze“), die durch die Kameraarbeit von John Alton (1901 – 1996) zu den besten Arbeiten dieser Stilrichtung gehören. Mann arbeitete als Auftragsregisseur für RKO, Universal und MGM und konnte sich seine Stoffe nicht aussuchen. So wurde er von Produzent Kirk Douglas nach kurzer Regiearbeit für „Spartakus“ durch Stanley Kubrick ersetzt, und verließ nach dem Siedler-Epos „Cimarron“ die MGM. In den 60ern gelangen Mann mit den Monumentalfilmen „El Cid“ (mit Charlton Heston) und „Der Untergang des Römischen Reiches“ (mit Stephen Boyd, Sophia Loren und Alec Guinness), der viel von Ridley Scotts „Gladiator“ vorwegnahm, brillante Beispiele für die Kolossalatmosphäre des Genres, das er um ungewohnt tragische Töne bereicherte. Mann starb in Berlin während der Dreharbeiten zu dem Agenten-Thriller „Todestanz eines Killers„, den der Schauspieler Laurence Harvey beendete.

Kommentare