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Leben & Werk

Nicht schön, nicht sexy, trotzdem ein Star und die im Alltag verwurzelte Französin, freie aktive Frau, emanzipiert und stark. Mit ihren Charakterrollen war Annie Girardot von den 1960ern bis weit in die 1980er-Jahre mit trendsetzendem brünetten Kurzhaar die Verkörperung des „France profonde“, des wahren Frankreich, weniger ätherisch als Catherine Deneuve, weniger sexuell herausfordernd als Bernadette Lafont, aber nicht weniger erotisch. Ihre burschikosen Ärztinnen, Polizistinnen, Ehe- und Hausfrauen, Lehrerinnen, Mütter, Prostituierten und „späten Fräuleins“ machten Girardot zu einem der langlebigsten und beim Publikum stets beliebten Stars des französischen Kinos. In über 150 Filmen und TV-Movies war Girardot komisch wie tragisch gleichermaßen virtuos, trat in typischen Alltagsgeschichten, Komödien, Thrillern und Liebesgeschichten souverän und überzeugend auf.

Annie Girardot spielte im Lauf ihrer Karriere an der Seite von Stars wie Alain Delon („Der Schocker“), Yves Montand („Lebe das Leben“), Jean-Paul Belmondo („Der Mann, der mir gefällt“), Lino Ventura („Die Ohrfeige“), Michel Piccoli („Dillinger ist tot„), Louis de Funès („Der Querkopf“) und Jean Rochefort („Edouard, der Herzensbrecher“), aber häufiger mit Philippe Noiret und Jean-Pierre Marielle. Mit Noiret in der stillen tragikomischen Urlaubskomödie „Das späte Mädchen“ und in den von Philippe de Broca inszenierten Krimikomödien und Kassenhits „Ein verrücktes Huhn“ und „Wer hat den Schenkel von Jupiter geklaut?“. Mit Marielle in leicht sentimentalen Romanzen wie „Dr. med. Francoise Gailland“, „Ardenner Schinken“ oder „Lauf mir nach, dass ich dich fange“. Girardot trat mit Brigitte Bardot als falsche Nonne auf („Die Novizinnen“), ohrfeigte Kinotochter Isabelle Adjani („Die Ohrfeige“), radelte mit Sabine Azéma durch Frankreich („Fünf Tage im Juni“) und badete nackt im Mittelmeer mit Delon („Der Schocker“) oder in der Badewanne in der Werbesatire „Erotissimo“. Sie arbeitete von Roger Vadim bis Claude Lelouch und Michael Haneke mit bedeutenden Autoren-Regisseuren.

Annie Girardot wurde 1931 in Paris geboren, durchlebte dort und in der Normandie eine schwere Kindheit, arbeitete als Krankenschwester, nahm Schauspieluntericht und war von 1954 bis 1957 Mitglied der Comédie Francaise, wo sie vorzugsweise in komischen Rollen auftrat, während sie im Kino (Debüt 1955) als Vamp und Verführerin in Krimis („Kommissar Maigret stellt eine Falle„, „Die Nacht bricht an“) eingesetzt wurde. Den Durchbruch schaffte sie 1960 in Luchino ViscontisRocco und seine Brüder“ als Prostituierte Nadia, die in einer berühmten und in einigen Ländern geschnittenen Szene von ihrem Geliebten (Renato Salvatori) mit 13 Messerstichen getötet wird. 1965 wird sie in Venedig als beste Hauptdarstellerin für „Drei Zimmer in Manhattan“ ausgezeichnet. 1970 wurde André Cayattes „Vor Liebe sterben“, der das Tabu der Liebe zwischen einer Lehrerin und einem Schüler behandelt, ein internationaler Erfolg und machte sie endgültig zum Star. Giradot übernahm TV-Rollen (Miniserie „Die Girls vom Lido“) und Synchronarbeiten (Elefant in „Das Geheimnis der Frösche„) und trat gelegentlich auf der Bühne auf.

1972 wurde Annie Girardot für „Das späte Mädchen“ auf der Berlinale als beste Darstellerin ausgezeichnet, 1976 erhielt sie den César für „Dr. med. Francoise Gailland“, 1996 den Preis für die beste Nebendarstellerin auf dem Festival von Agrigent (als Madame Thénardière in „Les Misérables“ von Lelouch). 1992 war sie Jury-Präsidentin der Berlinale. 1972 gründete Girardot die Produktionsfirma GIRSA, Abkürzung von Girardot und Salvatori, den sie 1962 heiratet, als Tochter Giulia geboren wurde. Girardot trennt sich später von ihm, ließ sich aber bis zu seinem Tod 1988 nicht scheiden. 1989 veröffentlichte Girardot ihr Buch „Vivre d’aimer“, in dem es heißt: „Ich blicke immer in die Zukunft“. Im Alter von 79 Jahren starb Annie Giradort, die an Alzheimer litt, 2011 in Paris.

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