Annekathrin Bürger

Annekathrin Bürger

Leben & Werk

Deutsche Schauspielerin. Eine der populärsten Film- und Fernsehschauspielerinnen der DDR, spielte Annekathrin Bürger in über 60 Produktionen der Defa und war wegen ihrer Natürlichkeit, Frische, Vitalität unf Wandlungsfähigkeit als emanzipierte, bodenständige Frau, wie die Kolleginnen Angelica Domröse und Jutta Hoffmann, ein Publikumsliebling in kessen Komödien und Unterhaltungsfilmen sowie Arbeiten zur Zeitgeschichte. Nach der Wende, wo sie aktiv in der Bürgerbewegung mitwirkte, fing sie 1989 von Null an und war von 1999-2007 in über 20 Folgen als Waschsalon- und Kneipenchefin und Freundin des Leipziger Kommissars Ehrlicher (Peter Sodann) in der „Tatort“-Reihe des MDR zu sehen. 2007 erschien ihre von kritischer Skepsis geprägte Autobiographie „Der Rest der bleibt“ (Droemer Knaur). 2010/11 ist sie mit „Liebe ist das schönste Gift – Eine poetische Konzertreise“ mit Gedichten von Frauen auf Tournee.

Annkathrin Bürger (eig. Rammelt) wurde 1937 in Hornhausen bei Oschersleben als Tochter eines Zeichners bei der Ufa und einer Tänzerin geboren. Sie begann eine Ausbildung als Werbegrafikerin und arbeitete als Requisiteurin und Statistin am Stadttheater Bernburg. 1956 wurde die 19-Jährige von Regisseur Gerhard Klein entdeckt, der sie als „Backfisch mit Jungmädchenspeck“ in „Berliner Romanze“ neben Ulrich Thein einsetzte. Bürger studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam (1957-1960), dann folgte mit „Verwirrung der Liebe“ (1959, als Kunststudentin) der Durchbruch. Bürger wollte auch auf der Theaterbühne bestehen, war am Deutschen Theater Berlin und erlebte ihre entscheidenden Jahre am Theater in Senftenberg, wo sie Charakterrollen ausprobierte und Sicherheit gewann. Von 1965-2003 gehörte sie zum Ensemble der Volksbühne Berlin und spielte zuletzt unter Frank Castorf.

In dreieinhalb Jahrzehnten war Annekathrin Bürger mindestens einmal pro Jahr auf dem Titelbild des „Filmspiegel“, wurde zum Star und glänzte in Literaturverfilmungen (als Ex-Prostituierte in der Hans-Fallada-Verfilmung „Wolf unter Wölfen“), Politthrillern (TV-Serie „Das unsichtbare Visier„, mit Armin Müller-Stahl), Krimis und Komödien. Sie spielte die in Armin Müller-Stahl verliebte Arbeiterin in Frank Beyers Liebesfilm „Königskinder“, war in Indianerfilmen („Tecumseh“) und in „Polizeiruf 110“ dabei. Zu ihren populären Kinofilmen zählen „Hostess“ (1976), der kritisch auf Paarbeziehungen in der DDR schaut, „Mit mir nicht, Madam!“ (1969), „He, du“ (1970) und „Der Baulöwe“ (1980, mit dem beliebten Komiker Rolf Herricht).

Auf die Ausweisung des Liedermachers Wolf Biermann reagierte Bürger 1976 mit Vorsprechen bei Erich Honecker, blieb aber in der DDR. 1977 spielte sie in „Polizeiruf 110: Schuldig“, der die gesellschaftlichen Zustände in der DDR problematisierte und nicht mehr gesendet werden durfte. 1989 trat sie als Sängerin bei der Großdemonstration am Alexanderplatz auf. Von 1990-93 war sie Vorsitzende der Nationalen Bürgerbewegung, gründete 1993 den Verein „Waisenkinder am Don“.

Zu Bürgers Arbeiten nach der Wende zählen die Serie „18 – Allein unter Mädchen“ (Pro7, 2004/05, als Direktorin eines Mädcheninternats), die Serie „Die Stein“ (ARD, seit 2008), wo sie die Mutter von Lehrerin Stein (Julia Stemberger) spielt, das Familiendrama „Draußen am See“ (TV 2009, mit Sina Tkotsch und Petra Kleinert) und der Kinofilm „Eines Tages…“ (2010), wo sie die Ehefrau eines an Altersdemenz erkrankten Mannes (Horst Janson) spielt.

Annekathrin Bürger ist Mitautorin des Buches „Geliebte Ostsee“.

Annekathrin Bürger war mit Schauspieler Ulrich Thein verheiratet und in zweiter Ehe von 1966 bis zu seinem Tod 2000 mit Schauspieler und Regisseur Rolf Römer („Hostess“).

Annekathrin Bürger ist Mitglied der Deutschen Filmakademie. Sie wurde 1960 und 1962 mit dem Kunstpreis der DDR, 1968 mit dem Kritikerpreis der Berliner Zeitung und 1975 mit dem Darstellerpreis des Filmfestivals Bratislava ausgezeichnet.

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