"Verlieb' dich nie in deine Hauptdarstellerin"

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Andreas Dresen Poster

Es kursieren sonderbare Vorstellungen über den Beruf des Regisseurs. „Sie liegen irgendwo zwischen Aufnahmeleiter und dem Verführer schöner Diven“, meint Vivian Naefe. Die Frau hinter „Die wilden Hühner“ und andere FilmemacherInnen standen Béatrice Ottersbach und Thomas Schadt für das Buch „Regiebekenntnisse“ (UVK, 339 Seiten, 24,90 Euro) Rede und Antwort.

Wim Wenders kennt sich aus: Er ist seit 30 Jahren im Geschäft Bild: Kurt Krieger

Für angehende Regisseure hat Wim Wenders („Buena Vista Social Club„) einige „Goldene Regeln des Filmemachens“ aufgestellt. „Du hast die Wahl, Geschäfte zu machen oder Filme“, hält der international erfolgreiche Künstler fest. Allen Pseudos der Branche rät er allerdings: „Wenn du nichts zu sagen hast, bist du nicht verpflichtet, so zu tun als ob.“

Aber auch praktische Tipps hat der 61-Jährige auf Lager: „Dreh‘ keinen Western, wenn du Pferde hasst. Und überleg‘ es dir zweimal, bevor du Szenen mit Babys oder Kleinkindern schreibst.“ Am Set ist volle Konzentration gefragt, denn dass Fehler in der Postproduktion ausgebügelt werden könnten, hält Wenders für ein Gerücht. Deshalb gilt: „Verlieb‘ dich nie in die Filmmusik. Und auch nicht in deine Hauptdarstellerin.“

Dani Levy gibt Helge Schneider am Set zu "Mein Führer" letzte Anweisungen Bild: X-Verleih

Job für Nixkönner

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Aber wie wird man eigentlich Regisseur? Welche Vorraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen? „Es gibt nicht viel, was man tun kann, wenn man nichts gelernt hat und eigentlich auch nichts kann - Regie führen gehört dazu“, sagt Dani Levy („Alles auf Zucker!„). Er selbst hat sich das Filmedrehen als Autodidakt selbst beigebracht.

Seine Kollegin Margarethe von Trotta („Ich bin die andere„) hat über zehn Jahre als Schauspielerin gearbeitet und mit Größen wie Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff gedreht, bevor sie sich an ihr Regiedebüt wagte. „Für mich war die Schauspielerei eine Vorarbeit, ein Umweg, um zur Regie zu gelangen“, bekennt die 65-Jährige.

Auf einsamem Posten

Andreas Dresen neben Halle Berry auf der Berlinale 2002 Bild: Reuters

Natürlich gibt es auch Schulen, die Filmemacher ausbilden. Eine der bekanntesten ist die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München, die unter anderem Wim Wenders und Dennis Gansel („Napola - Elite für den Führer„) besucht haben. „Für mich ist die beste Ausbildung für das Regieführen das Leben selbst - heftiges Leben vorzugsweise mit vielen, vielen Erfahrungen“, empfiehlt Vivian Naefe.

Die Rolle, die der Regisseur am Set einnimmt, beschreibt Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon„) als eine Art Führer im Dunkeln, der den Weg selber nicht kennt, aber gezwungen ist, vorauszugehen. Er ist allein für alles verantwortlich und es gibt keine Person, die ihm die substanziellen Fragen beantworten kann, findet Dani Levy.

Unter Mädels: Vivian Naefe am Set zu "Die wilden Hühner" Bild: Constantin

Urlaubsreif am ersten Drehtag

Die wichtigste Aufgabe eines Regisseurs ist die Visualisierung, das Inszenieren von bewegten Bildern. „Jeder, der einen Roman liest, sieht einen Film - diesen Film, den man vor seinem ‚inneren Auge‘ sieht, muss man drehen“, fasst Vivian Naefe zusammen. Klingt einfach, erfordert allerdings viel Vorbereitung: Skript überarbeiten, Drehorte besichtigen, Schauspieler casten, Crew zusammenstellen. „Jedes Detail muss stimmen, sonst wird der Zuschauer aus der künstlichen Filmwelt herausgerissen“, so Naefe. „Wenn dann der erste Drehtag kommt, ist man meistens schon total urlaubsreif.“

Viele Regisseure haben gerne ein festes Team um sich. Margarethe von Trotta verrät: „Immer, wenn ich mit einem Darsteller gut zusammen gearbeitet habe, verspüre ich große Lust, den nächsten Film wieder gemeinsam zu machen.“ Als ehemalige Schauspielerin spielt von Trotta hinter der Kamera selbst alles mit: lachen, weinen - oft zur Belustigung der Crew.

Kohle her!

Dennis Gansel inmitten der Hauptdarsteller aus "Napola" Bild: Constantin

Als ihren wichtigsten Partner am Set bezeichnet Vivian Naefe ihren Kameramann. Gemeinsam mit ihm bestimmt sie den Look des Films, der zur erzählten Geschichte passen muss: Handkamera, kurze Einstellungen oder viele Kamerafahrten? Das alles muss vor oder während des Drehs entschieden werden. Denn, wie schon Wenders erwähnte, kann man einen verunglückten Film in der Postproduktion nicht retten. „Der Schnitt ist die Stunde der Wahrheit“, weiß auch Dani Levy. Und manchmal sucht der Regisseur im Schneideraum verzweifelt nach den Szenen, die er einfach nicht gedreht hat. Dann muss ein kostspieliger Nachdreh anberaumt werden.

Das sehen vor allem die Produzenten und Geldgeber nicht gern. Auf deren Gunst sind Filmemacher in Deutschland besonders angewiesen, denn ohne Zuschüsse von den Filmförderungsanstalten kann auch das beste Drehbuch nur schwer umgesetzt werden. Dennis Gansel war zwischenzeitlich ziemlich verzweifelt, nachdem zwei seiner Skripte abgelehnt worden waren: „Ich musste einfach wieder drehen. Nur alle drei, vier Jahre ein Film - das kann ich nicht.“

Margarethe von Trotta (Mitte) auf der Premierenfeier zu "Rosenstraße" Bild: Concorde

Traumberuf mit Schattenseiten

Aber nicht nur mit Geldproblemen müssen sich Regisseure herumschlagen, auch Filmkritiker bereiten vielen Magenschmerzen. Margarethe von Trotta, deren Drama „Das Versprechen“ im Feuilleton gnadenlos durchgefallen war, berichtet: „Jeder Film ist wie das Abitur. Erst macht man ihn, dann steht man vor der Kommission der Kritiker und des Publikums und wird beurteilt.“ Dabei werden Filme natürlich nicht für die Kritiker, sondern in erster Linie für die Zuschauer gedreht. Andreas Dresen schleicht sich bei der Premiere seiner Filme gerne ins Publikum und beobachtet die Reaktionen: „Wenn an der Stelle, die man sich ausgedacht hat und an der man getüftelt hat, gelacht wird, ist das was Wunderbares.“

Ist Regisseur ein Traumberuf? Pepe Danquart („Höllentour„) sagt jein: „Es ist ein Grenzgang zwischen Wahnsinn, Depression und Euphorie.“

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