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Leben & Werk

Trendsetzer der Nouvelle Vague, Tüftler von so künstlichen und intellektuellen wie populären Experimentalfilmen, nimmt Alain Resnais mit 17 Spielfilmen einen Sonderplatz in der Filmgeschichte ein. Als kurz hintereinander „Hiroshima mon amour“ (1959), Requiem über eine Liebe in der von der Atombombe zerstörten japanischen Stadt Hiroshima und Leuchtturm der Nouvelle Vague, und „Letztes Jahr in Marienbad“ (1961) erscheinen, werden sie zu Kultfilmen der Filmclubs und verändern die Filmsprache. Sie kreisen in wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern um Erinnerungen, die jedoch schon verblassen, poetisch und rätselhaft zugleich.

Die Liebesszenen zwischen einer französischen Schauspielerin (Emmanuelle Riva) und einem japanischen Architekten in „Hiroshima“, nach einer Vorlage von Marguerite Duras gedreht, sind, Jean-Luc Godard vorwegnehmend, in fragmentarische Körperausschnitte aufgelöst. In „Marienbad“ irrt eine anonyme Gesellschaft in einem Luxushotel durch ein Universum von Marmorfiguren und einen „totgesagten Park“ (Rilke) auf der Suche nach Liebe und längst verwischten Erinnerungen. Formal fallen sie durch die Gleichzeitigkeit der Erzählebenen auf, Vergangenes, Gegenwärtiges, Erinnertes und Vergessenes durchdringen sich unauflösbar: „Ich wünsche mir, märchenhafte Science-Fiction auf der Basis eines dreitausend Jahre alten Themas zu erzählen: Die Existenz ist ein seltsames Abenteuer. Ich verstehe nicht, warum wir auf der Erde sind.“ (Resnais 1968).

Resnais bleibt dem Thema, filmsprachlich offener und zugänglicher werdend, treu, arbeitet mit Autoren der literarischen Avantgarde wie Jorge Semprun, Jean Gruault und Jean Cayrol und mit Schauspielern wie Delphine Seyrig („Muriel oder die Zeit der Wiederkehr“), Ingrid Thulin und Yves Montand (Revolutionär und Spanienexilant in „Der Krieg ist vorbei“), Claude Rich (Selbstmörder in „Ich liebe dich, ich liebe dich“) und Jean-Paul Belmondo (Hochstapler in „Stavisky“), Dirk Bogarde und John Gielgud (Schriftsteller in „Providence“, ein Geburtstag als Reigen von Alkohol und Erinnerungen), und Gérard Depardieu („Mein Onkel aus Amerika“ und „I Want to Go Home„, verspielte Komödie über Comic-Figuren und den Culture Clash Frankreich - USA).

In den 1980er- und 1990er-Jahren seziert Resnais Strukturen des Melodrams und bürgerlicher Irrungen und experimentiert mit Musik. „Das Leben ist ein Roman“, „Liebe bis in den Tod“, „Mélo“, „Das Leben ist ein Chanson“ und „Pas sur la bouche“ (2003) skizzieren Beziehungsreigen, doppelte Dreiecksgeschichten und bourgeoise Liebeswirren. Zum Publikumsliebling und Resnais‘ erfolgreichstem Film überhaupt wird der mit sieben „Césars“ ausgezeichnete „Das Leben ist ein Chanson“ (1997, nach dem Drehbuch von Agnès Jaoui), in dem die Schauspieler im Playbackverfahren Chansons der 1930er-Jahre singen. Aus der Zusammenarbeit mit dem englischen Dramatiker Alan Ayckburn erwachsen der Doppelschlag „Smoking/No Smoking“ (1993), zweiteilige Verfilmung von sechs Theaterstücken über Bewohner einer englischen Kleinstadt, ihre Sorgen und Lebensträume, und „Petites Peurs Partagées“ (Dreharbeiten 2006).

Alain Resnais wurde 1922 in Vannes (Bretagne) geboren, wollte zunächst Schauspieler werden, studierte an der Filmhochschule IDHEC in Paris und begann als Cutter. In den 1950er-Jahren inszenierte er eine Reihe von Kurzfilmen über Künstler wie Paul Gauguin und Van Gogh. Berühmt wurden „Guernica“ (über den Spanischen Bürgerkrieg) und „Nacht und Nebel“ (1955), einer der ersten Filme über Auschwitz und in einer veränderten Fassung lange Jahre Pflichtfilm an deutschen Schulen. Resnais wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Goldene Löwe Venedig 1961 (für „Marienbad“).

Resnais war von 1969 bis 1984 mit Florence Malraux, Tochter des Autors André Malraux, verheiratet. Danach ehelichte er Sabine Azéma, die seit „L‘ amour à mort - Liebe bis in den Tod“ (1983) in allen seinen Filmen eine weibliche Hauptrolle spielt.

Zwei Wochen nachdem er bei der Berlinale noch mit einem Bären für seine Innovativität ausgezeichnet wurde, starb der passionierte Filmemacher am 1. März im Kreise seiner Familie in Paris.

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