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"Vorbild war das 'MAD'-Magazin"

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© Sony

Der für seine Arbeit an den Serien „Star Wars: The Clone Wars“ und „Samurai Jack“ mit Emmys ausgezeichnete Genndy Tartakovsky gibt mit „Hotel Transsilvanien“ sein Kinodebüt. Seit 25. Oktober ist der Animationsspaß in den deutschen Kinos, in den US-Charts landete er auf Anhieb auf Platz eins.

BU Bild: Sony

Wie sehen Sie „Hotel Transsilvanien“, als Horrorfilmparodie oder Coming-of-Age-Story?

GENNDY TARTAKOVSKY: Ganz eindeutig als spaßige Coming-of-Age-Geschichte. Ich bin Vater, habe selbst drei Kinder. Ich will sie immer viel zu sehr behüten und im Bezug auf meinen Nachwuchs auch ein wenig verrückt. Mir gefiel die Idee einer Monster-Komödie mit Dracula als durchgeknalltem Vater.

Sie haben fürs Fernsehen gearbeitet und Langfilme inszeniert, die auf DVD erschienen. Dies ist Ihr erster Kinofilm. Was war bei der Arbeit anders?

Der Zeitfaktor. Die Entwicklung von „Hotel Transsilvanien“ hat rund sechs Jahre gedauert - das ist für einen Animationsfilm heute normaler Durchschnitt. Ich war drei Jahre mit dem Projekt befasst. Viel Geld und Mühen wurden aufgewendet. Das heißt der Druck aufs fertige Produkt ist groß. Wenn der Film also nicht gleich am ersten Wochenende durchstartet, ist man künstlerisch tot. Beim Fernsehen arbeitet man episodenweise, geht Schritt für Schritt vor. Man hat Zeit, seine Charaktere zu entwickeln. Klappt mal eine Folge nicht ganz, verzeiht einem das das Publikum in der Regel und schaut sich dennoch die nächste Folge an.

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Wie unterscheiden sich Real- und Animationsfilm beim Drehen?

Wir arbeiten beim Aminationsfilm natürlich auch mit Schauspielern, die uns aber nur ihre Stimmen leihen. Die „Schauspieler“, die ich führen muss, sind die Animatoren. Sie müssen nach meinen Vorstellungen das „Spiel“ der Figuren erfinden, sie müssen in punkto Gestik, Mimik und Körpersprache herausarbeiten, was ich mir von den Charakteren wünsche.

Wie hat das im Bezug auf Adam Sandler funktioniert, der im Original Papa Dracula spricht?

Als ich an Bord kam, hatte man Adam Sandler schon verpflichtet. Ich überarbeitete das Skript und zeigte es Adam. Ich gab den Ton vor und den Stil. Adam gefiel das. Aber Adam bringt bei jedem Film, an dem er mitarbeitet, seine eigenen Leute mit, die ihm helfen seine Figuren auszuarbeiten. In diesem Fall war es Drehbuchautor Robert Smigel, der unter anderem „Saturday TV Funhouse“ für Saturday Night Live gemacht hat. Gemeinsam mit Peter Baynham hat er die endgültige Drehbuchfassung geschrieben. Die Zusammenarbeit klappte gut.

Ihr Film sieht anders aus als die bisherigen Filme von Sony Pictures Animation, etwa „Die Schlümpfe“ oder „Die Piraten! - Ein Haufen merkwürdiger Typen

Genau das war auch mein Ziel. Animationsfilme sollen sich unterscheiden - man muss die Handschrift des jeweiligen Regisseurs erkennen.

Sie haben jede Menge Monster in Ihren Film eingebaut. Hat das Schwierigkeiten bereitet?

Die Idee des Films war ein Hotel voller Monster - die Story übers Erwachsen werden gab’s ja ursprünglich gar nicht. Und so wurden die Monster schließlich zu einem großen „Problem“ des Films. Wir hatten viele Monster und ebenso viele Geschichten. Beispielsweise existierte eine viel größere Story rund um Frankenstein, die auch eine Hochzeit vorsah. Aber wegen des Laufzeitproblems mussten wir kräftig kürzen - zumal die Geschichte sich ja hauptsächlich um Dracula, seine Tochter Mavis und Jonathan dreht.

Sind sie ein Fan von Monsterfilmen?

Eigentlich nicht. Als Kind habe ich mich vor Monsterfilmen gefürchtet. Ich war eher ein Fan der lustigen Varianten wie „Abbott und Costello treffen Frankenstein„, Mel Brooks‘Frankenstein Junior“ oder „Liebe auf den ersten Biß„.

Wer sind denn Ihre Vorbilder in Bezug auf Animationsfilm?

Zuallererst muss ich da den anarchischen Tex Avery nennen, die „Goofy“- und die Warner-Brothers-Kurzfilme und die frühen Arbeiten von Hayao Miyazaki. Aber ich bin definitiv auch von Sergio Leone und Alfred Hitchcock, vom „Paten“ und von „Apocalypse Now“ beeinflusst. Nicht zu vergessen John Hughes und die französischen Filme, ich bin ein Filmfan, den man nicht auf irgendetwas festnageln kann.

Sie arbeiten seit 20 Jahren auf dem Gebiet des Animationsfilms, was hat sich verändert?

Neben der immer fortschreitenden Technik nicht viel. Es ist aber für junge Leute leichter geworden, ins Geschäft einzusteigen. Als ich anfing, waren die meisten Leute im Business 40 Jahre und älter. Eher konservativ. Heute sind die Studios mutiger geworden, sie trauen Leuten mit neuen Visionen. Bezüglich der Stories hat sich nicht viel verändert.

Hat 3D das Filmemachen erschwert?

Es ist insofern ein bisschen schwieriger geworden, weil man zwei Filme gleichzeitig dreht. Einen in 3D, den anderen in 2D - und was für einen Film geht, geht nicht notwendigerweise für den anderen. Nehmen wir beispielsweise in meinem Film die Figur des „Unsichtbaren“: Die schwebenden Brillen funktioniert in 3D viel besser als in 2D.

Haben Sie ausschließlich mit CGI-Technik gearbeitet?

In technischer Hinsicht unterscheidet sich unser Film von keiner Pixar- oder DreamWorks-Produktion. Ich habe jedoch viel Wert auf den zeichnerischen Moment gelegt. Das sieht man in den Gesichtsausdrücken und der Körperhaltung. Hier habe ich mich am klassischen Zeichentrick orientiert - und auch am Mad Magazine.

„Klassisch“ in Ihrem Film sind auch die Musical-Nummern und die kräftige Farbgebung.

Die Musik hat sich im Verlauf der Dreharbeiten ganz organisch ergeben. Sie sorgt für Tempo und Spaß. Wir haben die Songs laufend verändert und umkomponiert. Wir wussten, dass wir eine Tanzparty haben wollten und so haben wir extremen Wert auf die richtige, eingängige Musik gelegt. Bei den Farben habe ich mich nicht an alten Monsterfilmen orientiert, sondern den Technicolor-Filmen der 1940er- und frühen 1950er Jahre. Ich wollte eher neutrale Hintergründe und kräftige Farben für die Figuren. Draculas Umhang sollte tiefschwarz sein, der Himmel kräftig blau strahlen… insgesamt mehr Leichtfüßigkeit und Spaß, dafür weniger Grusel.

Was war rückblickend das größte Problem bei „Hotel Transsilvanien“?

Und nochmals: Die Zeit. Wenn man mit vielbeschäftigten Leuten wie Adam Sandler arbeitet, muss alles schnell gehen - und das auf höchstem Niveau. Dazu kam, dass wir viele kleine verschiedene Geschichten vor unterschiedlichen Hintergründen erzählen. Das Problem lag nun darin, alles richtig unter einen Hut in die richtige Reihenfolge zu bekommen und dabei einen einheitlichen Look zu gewährleisten.

Haben Sie schon ein neues Projekt?

Ja, wie immer mehrere. Zur Zeit entwickle ich gerade einen „Popeye“-Film, den ich für 2014 anvisiere.

GENNDY TARTAKOVSKY

1970 in Russland geboren, übersiedelte Genndy Tartakovsky als Siebenjähriger mit seinen Eltern nach Chicago. Er studierte Film am Chicago Columbia College und Animation am California Institute of the Arts. Für seine Arbeit an den Cartoon-Network-Serien „Star Wars: Clone Wars“ und „Samurai Jack“ wurde er mit drei Emmys ausgezeichnet. „Hotel Transsilvanien“ (Sony), sein erster Kinofilm, startet am 25. Oktober in den deutschen Kinos. In den US-Charts landete er auf Anhieb auf Platz eins und spielte bis dato knapp 80 Mio. Dollar ein. Zur Zeit entwickelt er u.a. einen „Popeye“-Film.

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