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Unschuldig

  
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Filmhandlung und Hintergrund

Der auch über 180 Minuten lang fesselnde Krimi über einen verurteilten Mörder, der wegen eines Verfahrensfehlers freigelassen werden muss, lebt dem Titel zum Trotz von einer einfachen Frage: War er’s oder war er’s nicht? Wenn die ARD den Darsteller eines „Tatort“-Kommissars als Mordverdächtigen in einem Krimi außerhalb der Reihe besetzt, hat das stets einen besonderen Reiz. „Unschuldig“ lebt daher vor allem von...

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der auch über 180 Minuten lang fesselnde Krimi über einen verurteilten Mörder, der wegen eines Verfahrensfehlers freigelassen werden muss, lebt dem Titel zum Trotz von einer einfachen Frage: War er’s oder war er’s nicht?

    Wenn die ARD den Darsteller eines „Tatort“-Kommissars als Mordverdächtigen in einem Krimi außerhalb der Reihe besetzt, hat das stets einen besonderen Reiz. „Unschuldig“ lebt daher vor allem von der Überlegung, ob der Titel nicht besser mit einem Fragezeichen versehen sein sollte, zumal schon der clever gestaltete Vorspann erste Zweifel an der Unschuld der Hauptfigur weckt. Dass sich der 180 Minuten lange Film über weite Strecken durch eine hintergründige Spannung auszeichnet, liegt ohnehin nicht zuletzt am Hauptdarsteller: Felix Klare, Partner von Richy Müller beim „Tatort“ aus Stuttgart, verkörpert seine Figur gerade zu Beginn auf eine Weise, die den Architekten Alex Schwarz eher zwielichtig erscheinen lässt.

    Der Mann ist vor sieben Jahren als Mörder seiner Frau verurteilt worden. Als er wegen eines Verfahrensfehlers freigelassen werden muss, bekommt Kommissarin Katrin Jahnke (Britta Hammelstein) den Auftrag, mit den Ermittlungen bei Null anzufangen. Gemeinsam mit ihrem Team (Almila Bagriacik, Bernhard Conrad) stößt sie recht bald auf Ungereimtheiten: Entweder hat ihr Freund und Kollege Jan Menhart (Steven Scharf) damals äußerst schlampig gearbeitet oder die Indizien so manipuliert, dass am Ende nur noch Alex als Mörder in Frage kam.

    Diese Ebene allein wäre schon spannend, zumal Katrin rausfindet, dass auch andere Beteiligte ein Motiv gehabt hätten, allen voran Marion (Anna Loos), die Schwester des Opfers: Die beiden Frauen hatten am Abend des Mordes einen heftigen Streit über Marions ungewollte Kinderlosigkeit. Eigenen Nachwuchs haben sie und ihr Mann (Godehard Giese) bis heute nicht, aber das Gericht hat ihnen das Sorgerecht für die Kinder von Alex zugesprochen, und das ist die zweite Spannungsebene: Natürlich will der Architekt, dass Lena und Lasse sie zu ihm zurückkommen, erst recht, als der Junge den Kontakt zu ihm sucht. Die sowohl von Klare wie vor allem auch vom jungen Yuri Völsch sehr schön gespielten Vater/Sohn-Szenen sorgen dafür, dass der bis dahin finstere und von großem Zorn erfüllte Alex in anderem Licht erscheint. Trotzdem bleibt ein Restzweifel, zumal Menhart seine Freundin dringend vor den manipulativen Fähigkeiten des Architekten warnt.

    Das Drehbuch von Florian Oeller basiert auf einer britischen Vorlage („Innocent“, 2018). Ohne Kenntnis des Originals lässt sich natürlich nicht sagen, wem gewisse Schwächen anzulasten sind, zumal derlei oft auch eine Frage der Umsetzung ist: Mit Ausnahme der Ermittlerin sind sämtliche weiblichen Figuren überzeichnet. Anna Loos zum Beispiel muss als Schwester ständig am Abgrund der Hysterie entlang balancieren; ein deutlicher Kontrast zur ansonsten sehr sachlichen Inszenierung. Die ohnehin unnötig ausführlich erzählten Nebenebenen sind ein Grund dafür, warum dem ansonsten durchweg fesselnden Zweiteiler, den die ARD am Stück zeigt, im letzten Drittel etwas die Puste ausgeht. Regie führte Nicolai Rohde, der zuletzt für Sat.1 den ausgezeichneten „Julia Durant“-Thriller „Mörderische Tage“ inszeniert hat. Mehr als sehenswert war auch zumindest einer seiner beiden Filme Prag-Krimis („Wasserleiche“, 2018) sowie sein Beitrag zur Craig-Russell-Reihe, „Brandmal“ (2015, alle ebenfalls für die Degeto entstanden). Rohdes Filme zeichnen sich in der Regel durch eine mindestens sorgfältige, meistens bemerkenswerte Kameraarbeit aus. Das Besondere an Felix Novo de Oliveiras Bildgestaltung bei „Unschuldig“ ist die Farbgebung, die für eine triste spätwinterliche Stimmung sorgt. Kleidung, Ausstattung, Atmosphäre, das Wetter (gedreht wurde in Eckernförde): alles grau. Wärme kommt zunächst nur dank der Beziehung zwischen Katrin und ihrem Freund auf, aber selbst das hat sich irgendwann erledigt. Mindestens ein Ohr wert ist auch die unaufdringliche, aber präsente Musik von Annette Focks. tpg.

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