Nachdem am vergangenen Sonntag die Kollegen vom „Polizeiruf 110“ an der Reihe waren, war nun wieder der „Tatort“ am Zug. Aufgrund einer längeren Ausgabe der „Tagesschau“ nahmen die Frankfurter Kommissare Paul Brix und Anna Janneke in der ARD ausnahmsweise erst um 20:25 Uhr die Ermittlungen auf. Ob sich das Warten lohnte, erfahrt ihr in Mareks „Tatort“-Kritik zur Episode „Falscher Hase“.

Welche Kommissare ermitteln im „Tatort“„Falscher Hase“?

Seit fünf Jahren ermitteln die Kommissare Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) in Frankfurt, die Episode „Falscher Hase“ ist ihr 10. Fall in der hessischen Metropole. Als Nachfolger des beliebten Duos Dellwo und Sänger sowie des mürrischen Kommissars Frank Steier ist ihre Messlatte höher als in manch anderer deutschen „Tatort“-Stadt. Bislang konnten beide dem Druck mit einem Mix aus bodenständiger Ermittlungsarbeit und milder Experimentierfreudigkeit Stand halten. Ausgerechnet zum Dienstjubiläum geht die Balance allerdings im Main baden. Das ist besonders deshalb schade, weil die Episode „Falscher Hase“ über tolle Schauspieler verfügt und eigentlich genug Potential gehabt hätte, dem hessischen „Tatort“ ein weiteres Highlight zu bescheren.

Worum geht es im „Tatort“ „Falscher Hase“

Hajo Lohmann sitzt gefesselt auf einem Stuhl, seine Frau Biggi zielt mit einer Waffe auf ihn. Doch was in den ersten Sekunden wie die Eskalation eines Beziehungsstreits aussieht, ist der Versuch, einen Versicherungsbetrug zu inszenieren. Die Lohmann Solar Technology GmbH ist so gut wie pleite und so soll ein fingierter Überfall Geld in die ebben Kassen des Unternehmens spülen. Nach einigem Gezeter fasst sich Biggi ein Herz und schießt ihrem Liebsten in den Oberschenkel. Blöd nur, dass genau in diesem Moment ein Wachmann auftaucht, der das Paar bei seiner Tat erwischt. Ohne zu zögern greift Biggi erneut zur Waffe und tötet den unbeteiligten Mann mit einem präzisen Schuss zwischen die Augen. Als die Kommissare Brix und Janneke auftauchen, wechselt die Mörderin blitzschnell den Gefühlsmodus und führt die Ermittler in ihrer Rolle als ahnungsloses Opfer an der Nase herum. Doch wie lange wird sie die Fassade aufrecht halten können?

Mareks „Tatort“-Kritik: Toller Auftakt reicht nicht für volle 90 Minuten

Die ersten Minuten des „Tatorts“ „Falscher Hase“ sind furios. Schauspielerin Katharina Marie Schubert macht genau da weiter, wo sie im Stuttgarter „Tatort“ „Anne und der Tod“ aufgehört hat. Als eiskalte Mörderin im Gewand einer biederen Unternehmersgattin ist sie der unangefochtene Star des Krimis und stielt den Kommissaren mühelos die Show. Die halten sich in ihrem Jubiläumsfall vornehm zurück und wirken bisweilen fast wie Nebendarsteller in ihrem eigenen „Tatort“. Das muss an sich nichts Schlechtes bedeuten, denken wir etwa an die famose Frankfurter Episode „Weil sie böse sind“, in der Matthias Schweighöfer und Milan Peschel als ungleiches Mörder-Duo alle an die Wand spielten. Doch während der moderne „Tatort“-Klassiker über volle 90 Minuten zu fesseln wusste, geht dem „Falschen Hasen“ schnell die Luft aus.

Wenn sich Regisseurin und Autorin Emily Atef schon dafür entscheidet, die Mörderin unmittelbar am Anfang des „Tatorts“ zu verraten, dann muss der Film über andere Finten und Tricks verfügen, die ihn über die Zielgerade führen. Die Ansätze dazu sind mit der immer kaltblütiger agierenden Biggi zweifelsohne vorhanden, werden aber nicht konsequent zu Ende erzählt. Nur stellenweise ist der „Falsche Hase“ eine launige schwarzhumorige Krimi-Komödie. Leider traut sich Emily Atef nicht, ihre Hauptfigur komplett eskalieren zu lassen. So ist ihr „Tatort“ für eine Groteske im Stile der Fälle des Wiesbadener Kommissars Murot letztlich zu zahm. Dem Thema „Unternehmenspleite“ kann der Krimi bis auf die Mordlust der Täterin nichts Neues abgewinnen. Auch die frostige Atmosphäre, die den im Winter spielenden Fall in die Nähe skandinavischer Thriller führen soll, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die dünne Story nicht die Kraft hat, den gesamten Krimi zu tragen. Der 10. Fall von Brix und Janneke hätte eine Art „Fargo“ aus Hessen werden können, ist letztlich aber selbst mehr falscher Hase als saftiges Filet.

Die „Tatort“-Episode „Falscher Hase“ lief am Sonntag, dem 01. September 2019 ausnahmsweise erst um 20:25 Uhr in der ARD und ist jetzt in der Mediathek als Wiederholung im Stream zu sehen. Zuvor wurde wegen der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen eine um zehn Minuten längere Ausgabe der „Tagesschau“ ausgestrahlt. Diese Woche wird aus dem „Falschen Hasen“ beim „Tatort“ ein alter Hase, dann strahlt die ARD mit „Maleficius“ den neuen Fall von Lena Odenthal aus Ludwigshafen aus. 

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