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„Tatort: Die Kalten und die Toten“ (Episode 1178): Kritik

„Tatort: Die Kalten und die Toten“ (Episode 1178): Kritik
© rbb / ARD Degeto / Aki Pfeiffer

Eine schwermütige Schneedecke legt sich beim vorletzten Fall von Kommissarin Nina Rubin über die Straßen Berlins. Warum der schnörkellose Krimi zu ihren besten „Tatorten“ zählt, erfahrt ihr Mareks Kritik zur Episode „Die Kalten und die Toten“.

Poster Tatort Staffel 100

Welche Kommissare ermitteln im „Tatort“„Die Kalten und die Toten“?

Über 15 Jahre schaute der einsame Wolf Till Ritter in die traurigen Augen seines Kollegen Felix Stark, bevor er ihn je nach Gemütslage auf ein Bier einlud oder als abgebrochenen Zwerg kränkte. So charmant der Großstadtcowboy sein angestaubtes Schuhwerk in Windeseile vom Kudamm auf die Oberbaumbrücke hieven konnte, so sehr lechzte die Metropole am Ende seiner Amtszeit nach einer Frischzellenkur.

Die besorgte das explosive Duo Rubin und Karow auf Anhieb, seit nunmehr sechs Jahren erstrahlt der Berliner „Tatort“ in all der diffusen Pracht, die unsere Hauptstadt zu bieten hat. Die Geschichten wurden greller, dreckiger und vor allem präziser. Selbst die ganz großen Themen aus Vergangenheit und Gegenwart fanden Einzug in die Handlung, von Kriegsverbrechen über die Deutsche Teilung bis hin zur Coronapandemie.

Kurz vor Meret Beckers Abschied wird der Bogen zwar nicht ganz so weit gespannt und auch das graffitibeschmierte Neonlicht ist unter der Schneedecke kaum noch zu erkennen, dennoch steht der Krimi seinen Vorgängern in nichts nach. Das liegt einmal mehr an seinen tollen Figuren, einer packenden Geschichte und der traumwandlerisch sicheren Inszenierung von Routinier Torsten C. Fischer.

Spannende Fakten über den „Tatort“ findet ihr im Video.

Worum geht es im „Tatort“„Die Kalten und die Toten“?

Leise rieselt der Schnee in das Kreuzberger Engelsbecken, welches vor Kurzem vom Berliner Rundfunk zum schönsten Platz der Hauptstadt erkoren wurde. Von seiner Pracht ist allerdings kaum etwas zu sehen, vielmehr erschüttert der Anblick einer entstellten Frauenleiche die Gemüter von Nina Rubin und Robert Karow. Nachdem die beiden die Tote als vermeintliche Musterstudentin Sophie Bader identifizieren konnten, eröffnet sich vor ihren Augen ein Abgrund, dessen Wurzel in den eigenen Reihen gedeiht.

Aus falsch verstandener Mutterliebe hat die Streifenpolizistin Doris Ziegler ihren Sohn zu einem Monster erzogen, zum Dank kommandiert er sie in seine Wohnung, wo sie einmal mehr die Spuren einer blutigen Nacht wegschrubben soll, so wie sie über die Jahre alle Ermittlungen gegen ihren Sprössling ohne Widerworte zwischen den Akten verschwinden ließ. Rubin und Karow sind sich sicher, dass Dennis Ziegler diesmal zum Mörder wurde und entscheiden sich, mit aller Wucht ins Wespennest zu stechen, ohne Rücksicht auf mögliche Kollateralschäden.

Mareks „Tatort“-Kritik: Stark vorgetragener Realismus, der weh tut

Im neusten Berliner „Tatort“ werden weder Morde geträumt, noch muss sich ein unnötig vom Balkon baumelnder Kommissar von der Karikatur eines Psychopathen retten lassen. Vielmehr besticht das herausragend vorgetragene Krimidrama mit realistisch gezeichneten Figuren, deren fatale Handlungen in ihrer perfiden Logik immer nachvollziehbar bleiben, bis es beim Zuschauen regelrecht wehtut.

Je mehr sich Nina Rubin und Robert Karow darin versteifen, selbst für Gerechtigkeit sorgen zu wollen, desto eher verschwimmt die Grenze zwischen ihren vermeintlich hehren Absichten und den immer dreister werdenden Versuchen ihrer Kollegin, allen Schaden vom Trümmerhaufen ihrer Familie abzuwenden. Dass dieses Gleichnis weder plump noch aufgesetzt wirkt, verdankt der Krimi seiner so stringenten wie konzentrierten Vorlage, die auf jeglichen Firlefanz verzichtet und auf ihre eigene Stärke vertraut. Eine Wohltat und gelungene Blaupause für all diejenigen, die dem „Tatort“ eine frische Komponente hinzufügen wollen, ohne dass seine DNA dabei nach wenigen Minuten von der Berliner Stadtreinigung abtransportiert werden muss.

Jule Böwe liefert darüber hinaus als gepeinigter Fußabtreter eine Glanzvorstellung ab, die sie endgültig für höhere Aufgaben empfehlen sollte. Zwar wurde mit Corinna Harfouch bereits ein hochwertiger Ersatz für den Berliner „Tatort“ gefunden, dennoch wäre es schade, wenn sich die Charakterdarstellerin nicht auch mal vor einer Mordkommission eine Zigarette anstecken dürfte. Einsatzorte gibt es mittlerweile schließlich genug. Bis es so weit sein könnte, freuen wir uns aber erst mal auf die letzte Vorstellung von Meret Becker im kommenden Jahr. Sollte sie auch nur im Ansatz so gut gelingen wie ihr heutiger Auftritt, wird der Abschied schon schwer genug fallen.

Die „Tatort“-Episode „Die Kalten und die Toten“ wurde am Sonntag, dem 14. November 2021 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt für sechs Monate in der Mediathek als Wiederholung im Stream verfügbar. Als nächstes wird es wieder etwas spezieller, dann ermittelt Felix Murot im „Tatort: Murot und das Prinzip Hoffnung“.

„Tatort“-Quiz: Testet euer Wissen über Thiel, Boerne und Co.!

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