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„Tatort: Der Herr des Waldes“ (Folge 1162): Kritik

Author: Marek BangMarek Bang |

© SR / Manuela Meyer

Déjà-vu im Saarland: Genau ein Jahr nach ihrer Premiere ermitteln die Kommissare Hölzer und Schürk erneut am Ostermontag in der ARD. Ob sich das Wiedersehen lohnt, erfahrt ihr in Mareks „Tatort“-Kritik zur Episode „Der Herr des Waldes“.

Welche Kommissare ermitteln im „Tatort“„Der Herr des Waldes“?

Adam Schürk wurde als Kind von seinem Vater misshandelt, bis sein bester Freund Leo Hölzer dem Drill ein Ende bereitete. Er prügelte den Tyrannen ins Koma und verschwand. 15 Jahre nach der vertuschten Tat sind aus beiden Jungs unabhängig voneinander Kommissare geworden, die nun miteinander zusammenarbeiten sollen. Just im Moment des Wiedersehens erwacht Adams Vater aus dem Koma. Das reicht noch nicht? Nun dann, zusätzlich leidet Leo an Ladehemmung an der Waffe, hat deshalb seinen ehemaligen Partner in Lebensgefahr gebracht und ist auf der Wache entsprechend unbeliebt.  Eine Geschichte wie aus dem echten Leben gegriffen also, nur ist in diesem Universum der 1. FC Saarbrücken Champions League Sieger und Oskar Lafontaine König von Frankreich.

Dass die hanebüchene Konstellation vor genau einem Jahr nicht nach wenigen Minuten in sich zusammenfiel, lag an den Schauspielern Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer, die nur wenige Blicke brauchen, um mit ihren unverbrauchten Gesichtern für Spannung zu sorgen. Man weiß nie, ob sie sich gleich um den Hals fallen oder brutal niederschlagen werden, was ihrem „Tatort“ eine Unberechenbarkeit beschert, die seinen größten Reiz ausmacht. Das trifft zwar auch auf den zweiten Einsatz des Duos zu, doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger kann die eigentliche Kriminalgeschichte den überfrachteten Karren diesmal nicht aus der Saar ziehen.

Bis sie es in dieses Video schaffen, müssen die Kommissare Hölzer und Schürk allerdings noch ein wenig üben.

Worum geht es im „Tatort“„Der Herr des Waldes“?

Mitten im Saarländischen Wald findet eine Joggerin die Leiche eines jungen Mädchens. Der Körper der Schülerin wurde von einem Pfeil durchbohrt, in ihrem Mund klemmt ein Zweig, was auf einen Ritualmord hindeutet. Doch auch im persönlichen Umfeld des Opfers finden sich einige Verdächtige, zumal die Teenagerin ein reges Liebesleben führte.

Die Ermittler versuchen sich zunächst in profaner Polizeiarbeit, doch plötzlich steht Adam Schürks immer agiler werdender Vater vor den Toren des Kommissariats und behauptet, den wahren Täter zu kennen. Dann zerreißt es den „Tatort“.

Mareks „Tatort“-Kritik: Überladene Konstruktion bricht in sich zusammen

Vor einem Jahr rettete die packende Chronik eines grausigen Kriegsverbrechens das Debüt von Schirk und Hölzer, diesmal bleibt das Wunder von der Saar aus. Während Autor Hendrick Hölzemann seinen Helden schon damals ein viel zu schweres Päckchen aufbürdete, trennte er den eigentlichen Kriminalfall bis auf die universelle Frage nach Schuld und Vergebung von den privaten Befindlichkeiten der Kommissare und navigierte sein Schiff so trotz massiven Wellengangs sicher in den Hafen halbwegs nachvollziehbarer Unterhaltung. Leider kommt dieser Kniff in seinem Nachfolger nicht zum Zuge, was den Herrn des Waldes fast schon zur Groteske werden lässt.

Dabei ist der neuste Saarbrücker „Tatort“ glänzend gespielt und verfügt über mehr Tempo und Thrill als sämtliche Folgen mit Vorgänger Devid Striesow zusammengerechnet. Allein Torsten Michaelis als abgrundtief böser Despot ist eine Wucht und kann ab sofort getrost als Synonym für Idealbesetzung in den Duden geschrieben werden. Doch egal, wie sehr sich alle Beteiligten ins Zeug legen, spätestens nach der ersten Hälfte des Films lassen die immer abstruseren Verstrickungen und Zufälligkeiten das fragile Gerüst  spektakulär in sich zusammenkrachen. Ob sich Schirk und Hölzer davon in absehbarer Zeit erholen können, muss leider bezweifelt werden, schließlich wird ihre gemeinsame Vergangenheit wohl kaum aus ihrem „Tatort“ gelöscht.

Die „Tatort“-Episode „Der Herr des Waldes“ wurde am Montag, dem 5. April 2021 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt für sechs Monate in der Mediathek als Wiederholung im Stream verfügbar. Als nächstes geht es zu Lena Odenthal, der mit dem „Tatort: Der böse König“ ihr bester Auftritt seit Jahren gelingt.

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