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„Tatort“ am Sonntag: Bissige Abrechnung mit der Generation Bio [Kritik]

Author: Marek BangMarek Bang |

© SWR / Benoît Linder

Die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz geraten an ein Wohnprojekt, in dem jeder sein eigenes Maultäschchen kocht. Ob der Suppe genug Salz beigefügt wurde, erfahrt ihr in Mareks „Tatort“-Kritik zur Episode „Das ist unser Haus“.

Welche Kommissare ermitteln im „Tatort“„Das ist unser Haus“?

Ein Häusle hat sich der Hamburger Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) im schwäbischen Exil zwar noch nicht gebaut, dafür kurvt er in seinem Porsche mittlerweile so geschmeidig die Weinsteige rauf und runter, dass seine norddeutsche Herkunft kaum noch auffällt. Das tragische Ableben seiner Familie spielt seit geraumer Zeit ebenso wenig eine Rolle wie die Scheidung seines Kollegen Sebastian Bootz (Felix Klare), sodass kaum noch etwas von den eigentlichen Kriminalfällen ablenkt.

Diese Entwicklung führte zuletzt zu einer feinen Charakterstudie über den Rachefeldzug eines ausrangierten Topmanagers, die zu den überzeugendsten „Tatorten“ der laufenden Saison zählt. Ihr Nachfolger steht dem in nichts nach, auch wenn die Wahl der erzählerischen Mittel eine völlig andere ist. Fast schon komödienhaft seziert Autor und Regisseur Dietrich Brüggemann die selbst auferlegten Zwänge einer Wohngemeinschaft, in der schon der Verzehr eines Sympathietees per Abstimmung bewilligt werden muss.

Auf wen wir uns im „Tatort“ am Sonntag besonders freuen, könnt ihr im Video nachschauen. 

Worum geht es im „Tatort“„Das ist unser Haus“?

Der Traum vom eigenen Wohnkollektiv ist schneller vorbei, als die fair gestrickte Wolldecke über den Kopf gezogen werden konnte. Da sich das Fundament des Neubaus nach nur nach kurzer Zeit selbst abgebaut hat, kommen nicht nur die wahren Neurosen aller Beteiligter zum Vorschein, sondern auch eine Leiche, die eigentlich auf Nimmerwiedersehen einbetoniert wurde.

Bevor die Kommissare Lannert und Bootz den gewaltsamen Tod der jungen Frau aufklären können, müssen sie zunächst ihre Identität feststellen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, doch dann kommt dem Sohn eines Bewohners eine zündende Idee. Vor genau einem Jahr bewarb sich eine gewisse Beverly um Aufnahme in den illustren Kreis der Oase Ostfildern, doch dann verschwand sie plötzlich von der Bildfläche. Ist es wirklich ihr toter Körper, der aus dem porösen Bau herausbrach? Und wenn ja, reduziert sich der Kreis der Verdächtigen tatsächlich auf all diejenigen, die sich nun im Plenarsaal ihres neuen Zuhauses zusammengefunden haben, um über die betrüblichen Ereignisse zu diskutieren?

Mareks „Tatort“-Kritik: Launige Kehrwoche in der Kommune

Agatha Christie lässt grüßen: Der neuste Stuttgarter „Tatort“ bedient sich eines der klassischsten Motive des Kriminalgenres überhaupt und präsentiert uns alle Verdächtige auf dem Silbertablett der eng gefassten Kommune. Dabei variieren Dietrich Brüggemann und sein Co-Autor Daniel Bickermann das altbekannte Thema geschickt, in dem sie ihre Protagonisten nicht nur den Mord aufarbeiten lassen, sondern ihre gesamte Lebenssituation in Frage stellen.

Dass sich hinter dem Traum von Friede Freude Eierspätzle letztlich auch nur Individualisten verbergen, die wie jeder Normalsterbliche ihre Rechnungen bezahlen müssen, seziert der „Tatort“ lustvoll und stellenweise herrlich bissig, erhält sich aber genug Empathie, um seine Figuren nicht völlig der Lächerlichkeit preiszugeben. So bleibt auch Raum für versöhnliche Töne, die dafür sorgen, dass der Krimi nicht in die Falle tappt, sich an dem Scheitern seiner Figuren zu ergötzen.

Bevor der Kriminalfall im Finale wieder näher in den Fokus rückt, lugt etwas überraschend niemand geringeres als Heinz Rudolf Kunze aus dem unfreiwillig gewählten Exil seiner Einzimmerwohnung heraus und holt sich von der Kommune nicht nur seinen ganz persönlichen Reim auf Schmerz ab, sondern beweist auch, über welch famoses schauspielerisches Talent der Musiker verfügt. Ich ziehe meinen Hut und freue mich auf mehr.

Die „Tatort“-Episode „Das ist unser Haus“ wird am Sonntag, dem 17. Januar 2021 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist danach in der Mediathek für sechs Monate als Wiederholung im Stream verfügbar.

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