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„Polizeiruf 110: Totes Rennen“ (Folge 384): Kritik

Author: Marek BangMarek Bang |

© ARD

Der „Tatort“ legte gestern am Sonntag, dem 16. Februar 2020 eine Pause ein, stattdessen übernahm die Magdeburger Kommissarin Doreen Brasch die Ermittlungen und ging erstmals ohne Partner auf Mörderjagd. Ob ihr der Neustart gelungen ist, erfahrt ihr in Mareks „Polizeiruf 110“-Kritik zur Episode „Totes Rennen“.

Welche Kommissare ermitteln im „Polizeiruf 110“ „Totes Rennen“ aus Magdeburg?

Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) scheint kein gutes Händchen für verlässliche Partner zu haben. Sowohl der abgründige Jochen Drexler (Sylvester Groth) als auch der verhältnismäßig biedere Dirk Köhler (Matthias Matschke) quittierten nach nur wenigen gemeinsamen Einsätzen den Dienst. So wie die Figur der Ermittlerin gezeichnet ist, wundern die Abgänge nicht.

Die Einzelgängerin Brasch, die sich grundsätzlich nur beim Nachnamen ansprechen lässt, ist so etwas wie der introvertierte Gegenentwurf zu ihren Rostocker Kollegen Buckow und König. Emotionale Ausbrüche sind der Mutter eines Sohnes, der in die rechte Szene abgerutscht ist, fremd. Brasch gibt sich kontrolliert und kühl, obwohl ihr Innenleben eigentlich eine ganz andere Sprache spricht. Dass davon dennoch immer wieder etwas an die Oberfläche gerät, verdanken wir dem nuancierten Spiel ihrer Darstellerin, die mit wenigen Gesten mehr auszudrücken vermag als manch ein Vertreter ihrer Zunft mit einem Dutzend Grimassen.

Umso bedauerlicher ist es, dass der Magdeburger „Polizeiruf 110“ in den sieben Jahren seines Bestehens ein Schattendasein in der deutschen Krimi-Landschaft fristet. Das liegt weder an seiner Besetzung oder seinem Standort, sondern vielmehr an unausgegorenen Geschichten und oftmals fader Inszenierung. Der neueste Fall „Totes Rennen“ bildet da leider keine Ausnahme.

Die Kollegen des „Tatort“ haben zwar dienstfrei, die 11 beliebtesten Kommissare findet ihr aber dennoch im Video:

Worum geht es im „Polizeiruf 110“„Totes Rennen“?

Eine in Rotlicht getränkte Traumsequenz eröffnet den 12. „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg. Darin trifft Doreen Brasch auf den LKA-Beamten Hannes Kehr, der ihr im echten Leben erst einige Tage später vorgestellt werden soll. In der Zwischenzeit findet die Polizei am Elbufer die Leiche eines jungen Mannes, der sich als Sohn einer lokalen Eiskunstlauf-Legende entpuppt. Die Medaillen des Vaters befinden sich aber längst beim Pfandleiher, denn Milan Siebert war spielsüchtig und längst von allen guten Manieren verlassen.

Brasch beginnt, im Zocker-Milieu zu ermitteln, wo sie nicht nur auf den Mann aus ihren Träumen trifft, sondern auch auf andere zwielichtige Gestalten, die nichts Gutes im Schilde führen. Ehe sie sich versieht, ist sie Teil eines Komplotts, aus dessen Fängen sie nicht mehr herauskommt.

Mareks „Polizeiruf 110“-Kritik: Kruder Krimi hinterlässt viele Fragezeichen

Traumsequenzen in Filmen sind eine heikle Angelegenheit und in der Regel zum Scheitern verurteilt. Selbst der große Michael Haneke vermochte dieses ungeschriebene Gesetz in seinem oscarprämierten Drama „Liebe“ nicht zu brechen. Auch Regisseur Torsten C. Fischer ändert an dieser Prämisse nichts. Vielmehr gibt er mit der ersten Szene seines „Polizeiruf 110“ die Marschrichtung für die nächsten 90 Minuten vor. „Totes Rennen“ will mysteriös sein, ist aber nur diffus und zudem überraschend vorhersehbar.

Ob die Figur des dubiosen LKA-Beamten oder Martin Semmelrogge als gewiefter Zocker, alle Charaktere machen letztlich das, was man von ihnen im ersten Augenblick ihres Auftretens erwartet. Nur Braschs Chef entdeckt seine Vergangenheit als Rocker und greift in einer Art Intermezzo zur Gitarre. Während er Alphavilles „Forever Young“ zum Besten gibt, würde sich eine Suche nach dem tieferen Sinn des Gesehenen anbieten, doch leider führt die ins Nichts.

„Totes Rennen“ verfügt über eine glänzende Besetzung und stellenweise auch über die notwendige atmosphärische Dichte, um für 90 spannende Krimi-Minuten zu sorgen. Interessante Ansätze wie die perfide Entführung der Kommissarin verlaufen aber immer wieder im Sand und wollen sich nicht in ein überzeugendes Ganzes einfügen. So muss Claudia Michelsen bedauerlicherweise weiter auf einen starken Fall warten, der ihren Fähigkeiten gerecht wird. Episoden wie „Totes Rennen“ helfen ihr nicht weiter.

Die „Polizeiruf 110“-Episode „Totes Rennen“ wurde  am Sonntag, dem 16. Februar 2020 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist danach für sechs Monate in der Mediathek als Wiederholung im Stream verfügbar. Diese Woche übernimmt wie gewohnt der „Tatort“ mit einer neuen Episode.

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