Filmhandlung und Hintergrund

Die neue ARD-Serie mit Lisa Martinek als blinde Juristin und Anna Fischer als ihre Sehhilfe ist nicht nur wegen der Hauptfiguren interessant. Seit Jahrzehnten gehören Kommissare, Ärzte und Anwälte zum festen Fernsehpersonal. Anders als Krimis bieten gerade Anwaltsserien jedoch einen deutlich größeren Spielraum, weil die Hauptfiguren durchaus unkonventionell sein können. Im Frühjahr hat die ARD mit Fritz Karl...

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Kritikerrezensionen

  • Die neue ARD-Serie mit Lisa Martinek als blinde Juristin und Anna Fischer als ihre Sehhilfe ist nicht nur wegen der Hauptfiguren interessant.

    Seit Jahrzehnten gehören Kommissare, Ärzte und Anwälte zum festen Fernsehpersonal. Anders als Krimis bieten gerade Anwaltsserien jedoch einen deutlich größeren Spielraum, weil die Hauptfiguren durchaus unkonventionell sein können. Im Frühjahr hat die ARD mit Fritz Karl als „Falk“ einen recht extravaganten Juristen ins Quotenrennen geschickt, nun bringt der RBB zwanzig Jahre nach dem Ende des SFB-Klassikers „Liebling Kreuzberg“ wieder eine Anwaltsserie ins „Erste“. Romy Heiland ist allerdings das exakte Gegenstück zu Falk. Deutlichstes Differenzierungsmerkmal zwischen den beiden Serienfiguren ist das Sehvermögen: Die Berliner Anwältin (Lisa Martinek) hat sich mit eigener Kanzlei selbstständig gemacht. Weil sie blind ist, braucht sie jemanden, der ihr die Augen ersetzt: Akten sichten, zu Terminen begleiten, vor Hindernissen warnen etcetera; im Grunde also einen Blindenhund, der lesen und Kaffee machen kann. Weil die Serie aber auch ein Vergnügen sein soll, ist Romys neue Assistentin Ada eine typische Anna-Fischer-Rolle: kesse Berliner Göre mit vorlauter Klappe und niedriger Empörungsschwelle.

    Die Konstellation und der Kontrast zwischen den Figuren erinnern an den als Reihenauftakt konzipierten ARD-Samstagskrimi „Blind ermittelt“, zumal Romy Heiland ähnlich wie der Wiener Kommissar a.D. ihr fehlendes Augenlicht mit geschärftem Hör- und Tastsinn kompensiert. Lisa Martinek verkörpert die Figur zudem sehr behutsam. Anna Fischer sorgt mit Herz und Schnauze dafür, dass es in den Geschichten auch kräftig menschelt, ohne deshalb zur Comedy-Figur zu werden. Die Geschichten sind zwar weniger ungewöhnlich als die beiden Hauptfiguren, aber zumindest interessant, zumal die Fälle gern eine unerwartete Wendung nehmen, weil Jana Burbach und ihre Mitschreiber das Publikum mit Erfolg auf eine falsche Fährte führen.

    Viel interessanter ist jedoch die Titelheldin und wie sie die Welt sieht; tatsächlich hat Romy noch ein Prozent Sehkraft, weshalb es zwischendurch kurze diffuse Schwarzweißeinschübe gibt. Burbach und Martinek gestehen der Heldin bei aller Souveränität durchaus auch andere Seiten zu: Als Ada sie bei einer Party allein lässt, ist sie für einen kurzen Moment völlig verloren und schnauzt ihre Assistentin an. Weil Romy Heiland auch ein Privatleben haben soll, gibt es durchgehende Nebenrollen wie etwa ihre Eltern (Peggy Lukac, Rüdiger Kuhlbrodt), wobei vor allem die Mutter eine typische eindimensional konzipierte Serienfigur ist. Vorbild für die Anwältin ist die Berliner Strafverteidigerin Pamela Pabst, mit der Martinek viel Zeit verbracht hat. Die Juristin hat ihre Erlebnisse in einem Buch beschrieben („Ich sehe das, was ihr nicht seht“) und sagt von sich, sie habe „einen anderen Blick auf die Welt“, weil sie sich nicht von den optischen Dingen ablenken lasse. tpg.

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