Die HBO-Sky-Serie „Chernobyl“ wird fast überall gefeiert – in Russland gibt es allerdings regen Widerstand. Eine Partei will die Serie jetzt in Russland verbieten lassen, während dort eine eigene Version in Arbeit ist.

In Russland verstärkt sich der Protest gegen „Chernobyl“, das laut IMDb immerhin die beste Serie aller Zeiten ist. Eine russische Partei will den Zuschauerhit, der die reale Nuklearkatastrophe von 1986 nacherzählt, jetzt sogar in Russland verbieten lassen. Laut Deadline will die Partei Kommunisten Russlands verhindern, dass die laut ihrer Aussage „widerliche“ Mini-Serie in Russland empfangen werden kann.

Die Kommunisten Russlands, nicht zu verwechseln mit der weit größeren Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, fordert sogar eine offizielle Verleumdungsklage gegen Autor, Regisseur und Produzenten der Serie. Diese „verteufle das sowjetische Regime und das sowjetische Volk“ und verwandle „eine Tragödie in ein Objekt der idiologischen Manipulation“. Die russische Regulierungsbehörde für Medien, Roskomnadzor, hat eigenen Aussagen zufolge noch keine offizielle Anfrage von den Kommunisten Russlands erhalten. Sollte es dazu kommen, würde diese aber entsprechend der geltenden Gesetze behandelt werden.

Inwieweit sich „Chernobyl“ an Fakten gehalten hat, erfahrt ihr hier:

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„Chernobyl“: 17 Hintergründe & Fakten zur Serie – brutaler als jede Fiktion

Russland arbeitet an eigener Tschernobyl-Serie

An anderer Stelle ist die russische Medienlandschaft mit einer Antwort auf „Chernobyl“ schon weiter. Der russische Sender NTV (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Nachrichtensender) hat bereits eine eigene Serie über die Nuklearkatastrophe letztes Jahr in Weißrussland gedreht, wie The Hollywood Reporter berichtet. Derzeit befindet sich das Werk in der Post-Produktion. Finanziell wird die Serie von Gazprom Media, das größtenteils in staatlicher Hand ist, und dem Kulturministerium Russlands unterstützt. Der russische Sender NTV selbst gilt ebenfalls als staatsfreundlich.

Entsprechend auch die Handlung der russischen „Chernobyl“-Alternative: Darin soll ein im Kraftwerk eingeschleuster CIA-Agent die Katastrophe durch Sabotage ausgelöst haben. Die Serie selbst folgt sowjetischen KGB-Agenten, die ihren Kollegen von der CIA enttarnen müssen. Die russische Version adaptiert also eine Verschwörungstheorie und darf entsprechend wohl durchaus als Propaganda-Werk angesehen werden. Wir sind jedenfalls eher skeptisch, ob sie an die Lobeshymnen, die das westliche „Chernobyl“ derzeit einheimst, anschließen kann.

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