Wenn in Deutschland am 11. Juni 2019 die letzte Folge „Chernobyl“ über die Bildschirme flimmert, müsst ihr stark sein, denn der Autor der Serie verweigert den Nachschub.

Wäre „Chernobyl“ eine Netflix-Serie, müsste am Ende der ersten Staffel niemand traurig sein. Die TV-Serie hat bei Publikum und Kritik überragend abgeschnitten und ist laut den Bewertungen bei der Datenbank IMDb gerade die beste Serie aller Zeiten und hat damit dem HBO-Aushängeschild „Game of Thrones“ den Rang abgelaufen.

Bei einem solchen Erfolg wäre für Netflix mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine zweite Staffel eine Selbstverständlichkeit. Wir haben dies bei „Tote Mädchen lügen nicht“ gesehen oder bei „Haus des Geldes“ – beides abgeschlossene Formate, die eine Fortsetzung erhielten, einfach weil sie so erfolgreich waren. Auch „The Terror“ von AMC war abgeschlossen und wird mit der zweiten Staffel zur Anthologie-Serie. Sowas hätten wir uns auch für „Chernobyl“ erhofft. Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt. Genau jetzt.

Craig Mazin verweigert eine zweite Staffel „Chernobyl“

Der Autor und Erfinder der Serie über den größten anzunehmenden Unfall in dem Kernkraftwerk Tschernobyl hat relativ prompt auf einen Artikel von Decider reagiert, der danach fragte, ob es eine zweite Staffel „Chernobyl“ geben wird. Seine klare und kurze Antwort kam über Twitter:

„Mit allem Respekt gegenüber Decider, aber die definitive Antwort auf die Frage in der Überschrift „Wird es eine zweite Staffel ‚Chernobyl‘ geben?“ lautet ‚Nein‘.“ So schreibt er am fünften Juni 2019. Das klingt endgültig und lässt wenig Spielraum für Hoffnung. Oder?

Fortsetzung über einen anderen Aspekt sowjetischen Lebens?

In einem Interview mit Decider, das vor seinem Twitter-Post stattfand, erwägt Mazin immerhin noch eine Anthologie: „Falls wir die Anthologie fortsetzen würden, wäre es wahrscheinlich eine weitere Investigation eines anderen Aspekts des sowjetischen Lebens, weil dieser Teil etwas ist, das mich fasziniert und was auf eine Art aufregend anzuschauen wäre.“ Schon mehrere Male hat Mazin, wenn er zur Serie befragt wurde, betont, dass es nicht die Katastrophe an sich ist, sondern die spezifischen Zusammenhänge in Tschernobyl, die ihn interessiert haben.

Er war ein US-amerikanischer Jugendlicher als der GAU passierte und wie viele Menschen diesen Alters hatte er zwar noch gute Erinnerungen an den Vorfall, aber eigentlich kein Wissen darüber, was wirklich passiert war.

Die Serie entstand also wirklich aus einer intrinsischen Forschungsmotivation und dem Wunsch, diese Erkenntnisse der Welt auf möglichst authentische Weise zu zeigen: „Das hilft uns auch, den eigenen Weg in Erinnerung zu rufen. Ich bin ein Kind der ’70er und ’80er Jahre und mein Leben, zum Teil, war geformt von der Existenz einer Nation, die nicht existierte. Ich möchte mehr darüber wissen.“

Wir auch, Herr Mazin! Besonders, wenn es wieder so genau recherchiert, hochwertig inszeniert und akkurat geschrieben ist.

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„Chernobyl“: 17 Hintergründe & Fakten zur Serie – brutaler als jede Fiktion

Vielleicht sollten wir noch nicht alle Hoffnung fahren lassen, denn auch wenn es offiziell nicht als Fortsetzung von „Chernobyl“ kommt, könnte es ja dennoch eine neue Serie von Mazin über einen anderen Aspekt des Sowjet-Lebens geben, der uns ebenso fasziniert, überrascht, berührt, schockiert, belehrt und grandios unterhält. Und wieder einen Bezug zu unserer Zeit herstellt. Denn die Serie behandelt zwar vordergründig den Unfall im Kernkraftwerk, er zeigt aber auch, dass uns Verleugnung und Lügen im Angesicht realer Bedrohung nicht weiterhelfen. Ebenso wenig wie der Reaktor Nummer Vier daran interessiert war, dass die Kommunistische Partei ihn für sicher hielt, nimmt das Klima darauf Rücksicht, dass wir uns vor Veränderungen scheuen und Konsequenzen negieren.

Ob zweite Staffel „Chernobyl“ oder nicht, wir wünschen uns mehr solcher Serien!

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