Charité

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   2017
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Handlung und Hintergrund

Charité: Sechsteilige historische Serie über das berühmte Berliner Krankenhaus.

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Kritikerrezensionen

  • Sönke Wortmanns ARD-Serie über das weltberühmte Berliner Krankenhaus ist ein Spielfilm in sechs Teilen, der sehr viel Wert auf die Authentizität von Ausstattung und Kostüm legt.

    Der deutsche Fernsehfilm hat sich in den letzten Jahren immer wieder mal mit der Geschichte der Medizin beschäftigt. Mit Ausnahme von „Dr. Hope“ (ZDF) waren die zentralen Figuren dabei meist Hebammen; Frauen waren bis Ende des 19. Jahrhunderts zum Studium nicht zugelassen. Auch in der sechsteiligen ARD-Serie „Charité“ sind die historisch verbürgten Koryphäen daher ausnahmslos Männer. Trotzdem ist die Hauptfigur der aufwändigen Produktion über das älteste Krankenhaus Berlins weiblich: Die mittellose Ida (Alicia von Rittberg) muss die Kosten einer Operation abarbeiten; und schon hat die Serie, die im Grunde eher ein Spielfilm in sechs Teilen ist, eine Heldin, aus deren Perspektive die Zu- und Missstände in der Klinik erzählt werden können. Dass Grimme-Preisträgerin Dorothee Schön und ihre Koautorin, die Medizinjournalistin Sabine Thor-Wiedemann, die Handlung im sogenannten Drei-Kaiser-Jahr 1888 angesiedelt haben, ist natürlich kein Zufall: Mit der Inthronisierung des späteren Kriegskaisers Wilhelm II. begann eine neue Epoche, zumal der mehrfache Herrschaftswechsel viel historischen Gesprächsstoff garantiert. Aus medizinischer Sicht ist diese Ära nicht minder spannend. Mit Emil Behring (Matthias Koeberlin), Robert Koch (Justus von Dohnányi) und Paul Ehrlich (Chistoph Bach) arbeiteten gleich drei spätere Nobelpreisträger an der Charité. Rund um dieses Trio strickt das Drehbuch seine Geschichten. Ida ist im Grunde bloß Beobachterin, und das ist eine deutliche Schwäche des Sechsteilers: Die weiblichen Figuren entwickeln bei weitem nicht genug Kraft, um ein angemessenes dramaturgisches Gegengewicht zu den berühmten Männern bilden zu können. An den Schauspielerinnen liegt das nicht: Alicia von Rittberg ist als aufmüpfige „Hilfswärterin“, die viel lieber selber Ärztin wäre, ebenso sehenswert wie Emilia Schüle als Varieté-Sängerin, die Koch derart den Kopf verdreht, dass er seine Familie verlässt. Schüle setzt allein durch ihre Attraktivität und ihr erfrischendes Wesen markante Glanzpunkte in dieser ansonsten sehr unwirtlichen Welt. Diese an Josef von Sternbergs Klassiker „Der blaue Engel“ (1930) erinnernden Passagen gehören zu den interessantesten Szenen, obwohl sie mit der eigentlichen Handlung nur am Rande zu tun haben. Die erste ARD-Serie von Kinoerfolgsregisseur Sönke Wortmann ist eine über weite Strecken sehr brav wirkende Arbeit, die dem typischen Stil öffentlich-rechtlicher Historienproduktionen entspricht. Größeres Manko als die allzu sehr in der Authentizität von Ausstattung und Kostüm schwelgende Umsetzung ist die fehlende Nähe zu den handelnden Personen, weshalb kaum emotionale Spannung aufkommt. tpg.

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