Bonusfamilie

Filmhandlung und Hintergrund

Ein Mann und eine Frau gründen gemeinsam mit ihren Kindern aus erster Ehe eine neue Familie, deren Mitglieder sich zusammenraufen müssen. Zumindest in der westlichen Welt haben TV-Zuschauer überall ganz ähnliche Bedürfnisse und Erwartungen; deshalb haben Sender schon immer gern adaptiert, was anderswo erfolgreich war. In der Frühzeit des deutschen Fernsehens bezog sich das meist auf Quizshowkonzepte („Was bin ich...

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Kritikerrezensionen

  • Ein Mann und eine Frau gründen gemeinsam mit ihren Kindern aus erster Ehe eine neue Familie, deren Mitglieder sich zusammenraufen müssen.

    Zumindest in der westlichen Welt haben TV-Zuschauer überall ganz ähnliche Bedürfnisse und Erwartungen; deshalb haben Sender schon immer gern adaptiert, was anderswo erfolgreich war. In der Frühzeit des deutschen Fernsehens bezog sich das meist auf Quizshowkonzepte („Was bin ich?“); aber mit Einführung der Privatsender wurden auch Serien adaptiert („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“). Die Vox-Produktionen „Club der roten Bänder„, „Milk & Honey“ und „Rampensau“ sind sogar allesamt ausländischen Vorbildern nachempfunden. Die Serienkonzepte von ARD und ZDF waren dagegen bis auf ganz wenige Ausnahmen („Ein Herz und eine Seele„) stets Originale. „Bonusfamilie“ basiert jedoch auf einer schwedischen Vorlage. Sogar der Titel wurde übernommen. Dabei hat die Serie nichts zu bieten, was sich nicht auch deutsche Autoren hätten ausdenken können, denn die Handlung funktioniert nach dem schlichten Prinzip „Familie und andere Katastrophen“.

    Schon die personelle Konstellation ist denkbar einfach. Als sich Lisa (Inez Bjørg David) und Patrick (Lucas Prisor) ineinander verliebt haben und zusammengezogen sind, haben beide „Bonuskinder“ mitgebracht: Ihre zehnjährigen Söhne sind fast auf den Tag genau gleichaltrig; Lisa hat außerdem eine Teenagertochter. Die beiden Jungs müssen sich ein Zimmer teilen, sind aber wie Feuer und Wasser, denn Eddie (Fillin Mayer) ist das kleine Pendant seines eher schlicht gestrickten Vaters Martin (Steve Windolf); William (Levis Kachel) dagegen verströmt den Stallgeruch einer englischen Eliteschule.

    Auf dieser Basis erzählt Antonia Rothe-Liermann von allerlei Ereignissen, die Regisseurin Isabel Braak allerdings ohne erkennbare Dramaturgie aneinandergereiht hat. Das lässt die Folgen etwas spannungsarm wirken. Selbst wenn die einzelnen Begebenheiten lebensnah sind und in einer reizvollen Mischung aus Komödie und Drama erzählt werden: Es gibt keinen Höhepunkt, auf den die jeweiligen Kapitel zusteuern. Über allem schwebt die Frage, ob es Zweitvater Patrick und Ziehkind Eddie irgendwie schaffen, sich zusammenraufen, denn der Junge ist ziemlich schwierig; gerade in seiner Hinsicht ist die Bezeichnung „Bonus“ blanker Euphemismus. Eddie nimmt seiner schwangeren Mutter übel, dass sie ihr Versprechen gebrochen hat, kein drittes Kind zu bekommen. Selbst wenn der Nachwuchs nicht geplant war: Schuldgefühle hat Lisa trotzdem. Martin ist natürlich ebenfalls nicht begeistert.

    Ansonsten zerfasert die Serie jedoch in viele kleine Handlungsstränge, die aber immerhin geschickt miteinander verworben sind. So scheitert Martin zum Beispiel am Kauf einer Eigentumswohnung, weil er keinen Kredit bekommt und Patrick sein Veto einlegt, als Lisa eine Bürgschaft übernehmen will. Martin rächt sich für die Abfuhr, wenn auch ohne es zu ahnen, in dem er Eddie, der sich auf ein eigenes Zimmer gefreut hat, zum Trost eine Königsnatter schenkt. Patrick hat jedoch eine ausgeprägte Schlangenphobie, und selbstverständlich verlässt das Tier bereits am ersten Abend unerlaubt sein Terrarium.

    Das hat alles einen gewissen Unterhaltungswert, aber sehenswert ist „Bonusfamilie“ in erster Linie wegen der ausnahmslos guten schauspielerischen Leistungen. Gerade Steve Windolf hat einige wunderbare komödiantische Momente; Martins Dialoge mit seinem Arbeitskollegen Sepp (Arnel Taci) sind die witzigsten Wortwechsel der Serie. Auch bei den jungen Darstellern (Louise Sophie Arnold spielt die heranwachsende Tochter) hat Braak vorzügliche Arbeit geleistet. Angesichts ihres bisherigen Schaffens („Plötzlich Türke“, „Die Bestatterin - Der Tod zahlt alle Schulden“) ist die Kraftlosigkeit von „Bonusfamilie“ dennoch erstaunlich. Vom Biss und vom Tempo einer Serie wie „Türkisch für Anfänger“ sind die sechs Folgen ohnehin meilenweit entfernt. tpg.

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