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Die aktuell beste Serie geht zu Ende: Bei Netflix starten jetzt die letzten Folgen

Die aktuell beste Serie geht zu Ende: Bei Netflix starten jetzt die letzten Folgen
© IMAGO / Everett Collection

Bei Netflix fiel der Startschuss für die letzten Folgen einer Serie, die meiner Meinung nach ihresgleichen sucht. Fans erwartet zum Glück zum Abschied ein besonderes Geschenk.

– Der folgende Artikel spiegelt die Meinung des Autors und nicht unbedingt die von kino.de wider. –

Als ich im September das große Finale von „Breaking Bad“ gesehen hatte, war ich danach derart aufgekratzt ob dieses meiner Ansicht nach grandiosen Abschlusses, dass ich kaum schlafen konnte. Ich weiß das noch deshalb so genau, weil am nächsten Tag mein Studium begann und ich den fehlenden Schlaf da deutlich merkte. Ich würde es heute aber genauso wieder machen, „Breaking Bad“ ist schließlich eine meiner Lieblingsserien.

Neben der Anekdote um das Finale weiß ich auch noch genau, was ich damals dachte, als ich erfuhr, dass der großmäulige Anwalt Saul Goodman nach dem Ende seine eigene Serie erhalten soll: Bitte nicht, das kann doch nichts werden! Heute, über acht Jahre und den Film „El Camino“ später, weiß ich, dass ich niemals an „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan und seinem Partner Peter Gould zweifeln sollte. Denn „Better Call Saul“ ist inzwischen für mich vermutlich sogar besser als „Breaking Bad“, was viele sicherlich als Sakrileg erachten werden.

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Das „vermutlich“ muss ich aktuell noch erwähnen, denn immerhin steht der Abschluss des Spin-offs noch aus: Am 12. Juli 2022 startete Staffel 6, Teil 2 von „Better Call Saul“ bei Netflix. Sechs Folgen erwarten uns insgesamt in den kommenden Wochen und danach werde ich endgültig wissen, ob das Spin-off für mich tatsächlich besser als das Original ist. Warum der Ableger überhaupt ansatzweise in diesen Sphären mitspielt und es für mich die eben beste aktuell laufende Serie ist, hat natürlich etliche Gründe. Sie alle zusammenzufassen, würde hier sicherlich den Rahmen sprengen, deswegen will ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Einen Eindruck vom großen Finale liefert euch derweil der folgende Trailer:

„Better Call Saul“ ist eine Lehrstunde in puncto Drehbuchschreiben

Die größte Stärke von „Better Call Saul“ ist ohnehin schnell benannt: Sie liegt in der phänomenalen Arbeit der Autor*innen. Die Serie vereint packende dramatische Wendungen und kreative, aberwitzige Situationen, womit sie mich als großer Fan von Tragikomödien („Scrubs“ und „BoJack Horseman“ lassen grüßen) immer wieder abholt. Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln habe ich hier aber nie das Gefühl, dass Dinge einfach nur passieren, um die Handlung voranzutreiben. „Better Call Saul“ folgt dem einfachen und doch leider selten so perfekt und konsequent verfolgtem Prinzip, dass sämtliche Entwicklungen durch die Charaktere motiviert sein müssen.

Quasi im Minutentakt zwingen die Autor*innen die Figuren um Jimmy McGill alias Saul Goodman (Bob Odenkirk), Kim Wexler (Rhea Seehorn), Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) und Nacho Varga (Michael Mando) in moralische Dilemmata, schreiben sie in Problemsituationen und setzen sie oftmals auch in Konflikte zueinander. Die Charaktere müssen folglich innerhalb einer Folge etliche Entscheidungen treffen, wodurch uns ihr Innerstes durch ihre Handlungen statt durch einfache Worte offenbart wird. Mit ihrer klaren Bildsprache verfolgt die Serie die berühmte und wohl wichtigste Drehbuchregel „show, don’t tell“ – also etwas zu zeigen und nicht einfach nur zu erzählen – in einer derartigen Frequenz, wie ich es außerhalb von „Better Call Saul“ noch nie erlebt habe. Welche Serien bei Netflix wir euch noch wärmstens ans Herz legen, verrät das folgende Video:

Jimmy McGill übertrifft sogar Walter White

Passend dazu hat die Serie komplexe Figuren vorzuweisen, deren Handlungen stets nachvollziehbar sind, auch wenn sie uns vielleicht nicht immer gefallen. Gerade Saul Goodman ist hier herauszuheben und meiner Ansicht nach inzwischen sogar ein interessanterer Charakter als es Walter White (Bryan Cranston) in „Breaking Bad“ war – der übrigens zusammen mit Jesse Pinkman (Aaron Paul) offiziell im Serienfinale zurückkehrt. White war ein Mensch, der Gefallen daran gefunden hat, sein wahres Ich in der kriminellen Drogenwelt auszuleben und sich damit und mit seiner Kontrollsucht selbst ein Grab schaufelte.

Faszinierend, keine Frage, aber Jimmy McGill ist deutlich ambivalenter. Er ist die Personifikation des Mottos „der Zweck heiligt die Mittel“. Jimmy ist kein schlechter Mensch, wie auch sein Bruder Chuck (Michael McKean) gerne betont, er sieht nur eben kein Problem darin, Menschen zu manipulieren und das Gesetz zu brechen, um seiner Ansicht nach Gutes zu tun. Oftmals liegt Jimmy damit auch richtig, was uns als Zuschauer*innen stets in einem angespannten Verhältnis zum Protagonisten lässt, da er auf der anderen Seite eben wiederholt mehr Schaden als gedacht anrichtet.

Zum Glück hat die Serie in Bob Odenkirk einen Darsteller, der das unfassbare Charisma seiner Figur rüberbringt, uns aber auch genauso mit seinem nuancierten Schauspiel in seinen dunkelsten Momenten fesselt. Dem gesamten Cast von „Better Call Saul“ muss ich an dieser Stelle ein Lob aussprechen, besonders möchte ich neben Tony Dalton als Lalo, der mit seiner bedrohlichen, charmanten Art noch jede Szene an sich gerissen hat, aber Rhea Seehorn als Kim Wexler hervorheben: Dass sie für ihre Darbietung nicht mal für einen Emmy nominiert wurde, sagt meiner Ansicht nach genug über diese Veranstaltung aus. Ihr Wandel vom moralischen Kompass an Jimmys Seite hin zu einer erfolgreichen Anwältin, die sich seinem erodierenden Einfluss zunehmend nicht mehr erwehren kann, gehört meiner Meinung nach mit zu den größten Entwicklungen eines Charakters in der Seriengeschichte.

Kreativität wird hier noch großgeschrieben

Bevor ich hier ewig weiterschreibe, möchte ich noch einen weiteren Punkt an „Better Call Saul“ betonen, der die Serie zur derzeit besten macht: die Kreativität. Neben all dem gelungen Drama inklusive oftmals cleverer Problemlösungen überzeugt das Spin-off eben auch mit humoristischen Einfällen. Vor allem die von Bob Odenkirk vorgetragenen Monologe sind mit einem derartigen Augenzwinkern versehen, dass ich gar nicht anders kann, als ihm mit einem seligen Grinsen zu lauschen. Ich schreibe nur: Squat Cobbler. Wer die Idee dazu hatte, sollte alleine dafür eine Gehaltserhöhung erhalten.

Zudem besticht der Ableger wie auch schon „Breaking Bad“ mit einer kreativen Inszenierung, die manchem Arthouse-Film Konkurrenz macht. Stets werden optisch ansprechende, einfallsreche Kameraeinstellungen gesucht, die eben nicht den 0815-Einheitsbrei etlicher anderer Formate aufwärmen. Darüber hinaus setzen die Verantwortlichen auf lange Einstellungen, lassen die Charaktere und ihre Welt dadurch atmen. So erschaffen sie zum einen eine ungeheure Sogwirkung, zum anderen ist dies ein angenehmer Kontrast zu etlichen anderen Serien, die ihrem Publikum und deren Aufmerksamkeitsspannen offensichtlich nichts zutrauen.

Entsprechend freue ich mich derzeit einmal wöchentlich darauf, es mir wieder vor dem Fernseher gemütlich zu machen und in Ruhe diesem Meisterwerk zuschauen zu dürfen. Ich freue mich auch jetzt schon auf die etlichen erneuten Sichtungen von „Better Call Saul“ über die nächsten Jahre, zu denen es unweigerlich kommen wird, sofern das Finale eben überzeugt. Aber wie ich eingangs bereits meinte: Ich werde garantiert nicht erneut an Vince Gilligan und Peter Gould zweifeln.

Wie gut kennt ihr euch in der Welt von „Breaking Bad“ aus? Testet euer Wissen:

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